Interview | | von Annette Mattgey

Das kann man von Buzzfeed lernen: "Harter Job für kluge Köpfe"

Wenn einer weiß, wie Social Sharing funktioniert, dann er: Will Hayward, Werbe-Manager bei Buzzfeed, sprach auf der Stop Content Pollution-Konferenz über erfolgreichen Content und die Irrtümer der Unternehmen. Hayward arbeitet seit Herbst 2013 als Vice President Advertising Europa für Buzzfeed. Zuvor war er beim Wallstreet Journal. "Du kannst Social Media nicht an der Nase herumführen", beginnt er seine Ausführungen. "Inhalte von schlechter Qualität, die nicht den Nagel auf den Kopf treffen, werden nicht geteilt." Nur drei Arten von Content haben gute Sharing-Chancen: wenn es um die Leser und ihre Persönlichkeit geht, wenn es humorvoll ist oder wenn es Erinnerungen oder Gefühle anspricht.

Buzzfeed ist bekannt für seine Listen (11 Buchtitel, die zum Schreien komisch sind) und seine Quizformate (Welche Eiscreme-Sorte sind Sie?). Mit Content dieser Art kommt die Website auf 160 Millionen Unique User pro Monat, sagte Vice President Scott Lamb vor kurzem im Interview mit Roger Schawinski. Damit alleine will Lamb aber nicht punkten: "Wir produzieren auch News. Wir haben Korrespondenten in der Ukraine, in Syrien, Nairobi oder Istanbul und somit einen Bereich mit Hard News und seriösem Journalismus." Demnächst wird Buzzfeed auch eine Dependance in Deutschland öffnen, und zwar in Berlin. Die Suche nach einem Chefredakteur/-in ist schon fortgeschritten, Namen will Lamb aber noch keine nennen. Er ist überzeugt, dass auch gut recherchierte Geschichten online Leser finden: "Insbesondere investigativer Journalismus ist sehr sozial: Wenn ein Skandal aufgedeckt wird, verändert das die Art, wie wir die Welt anschauen. Leute teilen sowas gerne, es hat eine richtige Macht im sozialen Web."

Selbst die ehrwürdige BBC will von Buzzfeed lernen, so eine aktuelle Analyse von Howard Stringer, die der Ex-Sony-Manager im Auftrag von BBC-Nachrichtenchef James Harding verfasst hat: "Die Seiten, die schnell wachsen - egal ob Vice oder Buzzfeed, zeichnen sich durch eines aus: einen ganz besonderen Charakter". Die BBC müsse sich überlegen, wie sie mehr Persönlichkeit entwickeln kann. Stringer bemängelte etwa den neutralen Tonfall der Nachrichten-Website ("wie ein Amtsblatt") im Gegensatz zu dem lebendigen Ton der Konkurrenz. Vielleicht ein Grund, warum das Angebot der BBC mit 150 Millionen Unique Visitors hinter dem von Buzzfeed liegt.

Für Buzzfeed ist Facebook ist nach wie vor der größte Traffic-Lieferant. Dem Netzwerk gehe es um "enjoying and sharing", erklärt Hayward. Facebook kontrolliere permanent, was sich die Leute ansehen und teilen. Er höre oft, dass die Chefs von ihren Mitarbeiten erwarten, dass sie "mal so Social Media-Zeugs machen, so was wie Buzzfeed". Solche Ansinnen kommentiert er ironisch: "Ich wünsche allen viel Erfolg, aber die meisten Unternehmen unterschätzen die Arbeit." Es sei ein "harter Job für kluge Köpfe".

Hier Will Hayward im Video:

Das kann man von Buzzfeed lernen: "Harter Job für kluge Köpfe"

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!

(1) Leserkommentar

Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

* Pflichtfeld
** Pflichtfeld, wird nicht veröffentlicht