Nutzerverhalten | | von Anja Janotta

DAK schlägt Alarm: Jugendliche sind zu lang online

Mit einer polarisierenden Studie hat die DAK alarmierende Zeichen bei den deutschen Jugendlichen wahrgenommen: Viele benutzen das Internet immer intensiver. Im Schnitt sind sie zweieinhalb Stunden online, am Wochenende sogar vier Stunden pro Tag. Nicht selten führt dieses Nutzerverhalten zu Auseinandersetzungen mit ihren Eltern. Sogar erste Sucht-Tendenzen sind absehbar, wollen die Forscher erkannt haben. Für die repräsentative Untersuchung hat das Forsa-Institut 1.000 im Auftrag der DAK Mütter und Väter umfassend zum Internet- und Computergebrauch ihrer 12- bis 17-jährigen Kinder befragt.

Laut der Hälfte der befragten Eltern bleibt das Kind länger online als vorgenommen. 22 Prozent der 12- bis 17-Jährigen fühlen sich ruhelos, launisch oder gereizt, wenn sie ihre Internetnutzung reduzieren sollen. Etwa jedes zehnte Kind nutzt nach Angaben seiner Eltern das Internet, um vor Problemen zu fliehen. Bei elf Prozent der Befragten hat das Kind mehrfach erfolglose Versuche unternommen, seine Internetnutzung in den Griff zu bekommen. Bei sieben Prozent der Kinder gefährdet die Onlinewelt eine wichtige Beziehung oder eine Bildungschance, wobei die Jungen doppelt so häufig betroffen sind.

Im Schnitt sind die Kinder ab 12 Jahren selbstständig im Internet unterwegs. Nach der Befragung schätzen die Eltern die private Internetnutzung der Kinder an einem normalen Werktag auf rund zweieinhalb Stunden. Am Wochenende steigt die verbrachte Zeit im Durchschnitt auf vier Stunden an. 20 Prozent der Jungen und Mädchen sind am Samstag oder Sonntag sogar sechs Stunden und mehr am Computer. Während Jungen die meiste Zeit mit Onlinespielen verbringen, nutzen die Mädchen das Internet für das sogenannte Chatten. In jeder dritten Familie sorgt die Internetnutzung manchmal bis sehr häufig für Streit. Dies ist vor allem bei Kindern im Alter zwischen zwölf und 13 Jahren der Fall.

Weitere Ergebnisse der Studie: 71 Prozent der Eltern haben keine Regeln, an welchen Orten ihr Kind das Internet nutzen darf, 51 Prozent der Eltern haben keine Regeln, wie lange ihr Kind das Internet nutzen darf, und immer noch 32 Prozent der Eltern haben keine Regeln, welche Inhalte ihr Kind im Internet nutzen darf. Aber selbst wenn es Regeln zur Internetnutzung gab, so wurden diese nur von 42 Prozent der befragten Eltern auch "voll und ganz" umgesetzt.

Die DAK zitiert Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der Bundesregierung: "Experten gehen davon aus, dass in Deutschland bereits bis zu einer Million Menschen onlinesüchtig sind. Die Vermittlung einer frühen Medienkompetenz ist der entscheidende Schlüssel zur Prävention."

Auch Rainer Thomasius, Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), lässt die Krankenkasse mit einem alarmierenden Fazit zu Wort kommen: "Die Daten deuten darauf hin, dass etwa fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland unter krankhaften Folgen ihrer Internetnutzung leiden."

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