Bye-bye, liebe Wahrsagerei: Warum Big Data nicht alles weiß
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Wochenrückblick | | von Irmela Schwab

Bye-bye, liebe Wahrsagerei: Warum Big Data nicht alles weiß

Jetzt also auch Spotify. Nach klassischen Display-Ads auf stationärem und mobilen Internet lassen sich über den Streaming-Service auch hörbare Reklameumfelder programmatisch einkaufen. Das bedeutet Targeting nach Alter, Geschlecht, Genres und Playlists. Weltweit arbeitet Spotify mit den drei bekannten Programmatic-Plattformen App Nexus, Rubicon Project und The Trade Desk zusammen. Werbung nach dem Bauchgefühl? Nein, danke. Zu altmodisch, sorry.

Erfolgreiches Marketing funktioniert dagegen wie im Schnürchen, wenn es mit den knallharten Daten zugeht. Selbst beim Influencer Marketing ist das schon so - und da sollte man doch meinen, der Mensch spiele dort die erste Geige. Das hat er auch, so beschreibt es Julian Freese, Gründer und CMO von Reachbird.io. Sein Unternehmen setzt ja schließlich voll auf Influencer Marketing - allerdings zieht er eine SaaS-Plattform dafür heran, um den richtigen Markenboschafter aus rund 6.000 Influencern herauszufiltern. Ein wichtiger Faktor ist dabei die Engagement Rate. Die hat Hand und Fuß.

Wer sich nun voreilig denkt, mit Daten alles entscheiden zu können, der wurde in dieser Woche bitter enttäuscht. Welches Unternehmen sollte denn besser mit Daten umgehen können als Google - oder bessser gesagt, sein Mutterkonzern, der Weltplayer Alphabet? Der verkopfte Versuch das Einzigartige des Unternehmens zu benennen, ging glatt nach hinten los. Das hat Future Brand in seiner Analyse der “100 beliebtesten Unternehmen weltweit” (100 most favorably perceived global companies) festgestellt. 

Auch wenn der Name Alphabet die Unternehmensstruktur logischer abbildet, so hat es nicht die Strahlkraft eines Google. Das hat Konsequenzen: Nur 31 Prozent der Befragten bescheinigten Alphabet Eigenschaften einer Firma zu haben, für die man gerne arbeitet - als Google waren es 50 Prozent. So erklärt es sich, dass Google nun als Alphabet vom ersten Platz im Ranking 2015 auf den 20. abgerutscht ist. Auf Platz eins rangiert nun Apple, die letztjährige Nummer zwei. Es folgen Microsoft, Samsung und Walt Disney.

Image ist alles - und Image wiederum lässt sich nicht vom reinen Daten-Verstand messen. Zumindest nicht nur. Warum The Dollar Shave Club so gut funktioniert? Etwa weil der Name so gut ist? Hm. Jedenfalls gefällt das Startup Unilever so gut, dass es den Rasierklingen-Verkäufer gekauft hat. Und zwar für eine Milliarde US-Dollar. Das war es dem FMCGler wert, so will er sich der einen Vorsprung vorm Erzrivalen Procter & Gamble sichern.

Und der Konsument, der vor lauter Datenlese schon total gläsern ist? Der hat dreimal so oft nach dem Dollar Shave Club gesucht als nach P&Gs Gillette, so hat L2 herausgefunden. Während Gillettes Website-Zugriffe um 65 Prozent weniger wurden, ist der von The Dollar Shave Club gut um das Gleiche gestiegen. Magic? Unbedingt: Reine Lesekunst in den Daten, mit all seiner Wahrsagerei inklusive Wahrscheinlichkeitsberechnungen und Wenn-dann-Kausalitäten, hätte ein ganz anderes Resultat beschert. Das sagt uns unser Bauchgefühl.

Bye-bye, liebe Wahrsagerei: Warum Big Data nicht alles weiß

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