André Gebel und Roxi beim Workout im Olympiapark.
André Gebel und Roxi beim Workout im Olympiapark. © Foto:A. Gebel

Influencer Marketing | | von André Gebel

Bloggerin Roxi rechnet ab: Warum Zahlen alleine nichts aussagen

Die Sonne quält sich ein letztes Mal durch die dichten Gewitterwolken und teilt den Münchner Olympiapark in ein Schachbrett aus Licht und Schatten. Mitten im Scheinwerferlicht posiert Roxi vor der prachtvollen Abendkulisse und füttert noch schnell ihren Instagram-Account. Die über Hunderttausend Fans wollen schließlich sehen, wie der Tag im Leben einer Mental-Fitness-Bloggerin zu Ende geht.

Irgendwie habe ich mir das Interview ein wenig anders vorgestellt, denn schließlich ist Roxi Mitbewohnerin in Münchens bekanntester Wohngemeinschaft MJUNIK, die bis vor kurzem auf RTL 2 im TV lief. Doch wir treffen uns nicht in der wundervollen Altbau-Wohnung im Stadtteil Schwabing, sondern zum Bauch-Beine-Po-Workout auf dem Olympiaberg. Und wer glaubt, bloggen ist ein semi-professionelles Rumgeknipse mit Sprechblasen aus Emoticons, der wird gleichmal eines Besseren belehrt. "Die Bilder müssen professionell sein. Sonst funktioniert das nicht", erklärt Roxi und hat in Person von Ines gleich ihre Haus- und Hoffotografin mit dabei. Wir machen ein paar Übungen und Roxi merkt sofort, dass bei mir einiges im Argen liegt. "Ned so verspannt. Du wirkst arg gestreesst", ermahnt mich dann auch Fotografin Ines im feinsten Linzer Dialekt.

Drei missglückte Kniebeugen und gefühlte 40 Ausfallschritte später, ist dann endlich Zeit für ein paar ernsthafte Worte zum Werden und Wirken von Roxana Strasser, die mit Roxis Ecke  (http://www.roxisecke.de), mehr als eine Nische im sozialen Netz erobert hat.

Am Anfang stand der Jojo-Effekt, denn nachdem Roxi immer viel Sport getrieben hat und entsprechendes studieren wollte, führte ein kleiner Rückschlag zu Frust und Faulenz. "Ich war im Cooper Ausdauer-Test um lächerliche 8 Sekunden zu langsam und wurde zum Studium nicht zugelassen", empört sich eine immer noch aufgebrachte Roxi "Danach habe ich mich entschlossen, nie wieder Sport zu treiben und bin erst einmal für ein Jahr um die Welt gezogen. Thailand, Kapstadt und anschließend noch Hawaii, wo ich mir mit Burgern und Partys den kalorienhaltigen Rest gegeben habe." Aus Unzufriedenheit mit Körper und Einstellung wurde dann die spätere Power-Roxi, die in Fitness-Studios und Heimtraining beachtliche 20 Kilogramm verbrannt hat.

"Durch mein Semester in Long Beach bin ich mit dem Thema Social-Media-Marketing in Berührung gekommen und habe mir überlegt, meinen Weg zu Top-Figur und mentaler Stärke in Youtube-Videos zu verarbeiten". Allein ihr Video mit dem gehaltvollen Titel „Meine Transformation“ hat heute über 230.000 Aufrufe. So ist Youtube zusammen mit Instagram immer noch ihr Lieblingskanal. Roxi gefällt insbesondere die Story-Funktion in Zuckerbergs kleinem Bildernetzwerk. Nicht ganz so toll findet sie hingegen mittlerweile Facebook: "Gefühlt sind auf Facebook nur noch die Älteren unterwegs. Die schauen sich die Beiträge zwar an und liken hin und wieder. Aber richtige Interaktion findet kaum noch statt."

Youtube war dann auch der Auslöser für den Einzug in die MJUNIK-WG, wo neben Roxi noch drei Influencerinnen aus den Bereichen Fashion, Model und Beauty leben. "RTL 2 ist auf mich zugekommen, um mit mir Fitness-Videos zu produzieren. Beim Casting meinten sie dann, dass ich super in ihre neue Daily Soap passen würde. Also bin ich eingezogen, weil ich die Kombi aus linearem TV und Social Media zukunftsweisend fand", resümiert Roxi heute und legt direkt nach.

"Keine der Folgen ist gescripted, sondern wir berichten einfach aus unserem täglichen Leben. Vielleicht ist genau das unser Erfolgsgeheimnis." Apropos Erfolgsgeheimnis. Das fasst Roxi als Mischung aus Leidenschaft, Ausdauer und schwäbischem Geschäftssinn zusammen. Sie lehnt 98 Prozent aller Kooperationsanfragen ab, macht nur das, wo sie voll dahintersteht, verlangt ihren Preis und geht auch nicht runter. Deshalb empfindet sie die Zusammenarbeit mit Marken auch nicht als platte Werbung, da sie die Produkte selbst nutzt. So tauchte sie unlängst im Snapchat-Format der Tempo WG auf und bringt demnächst mit Grillido gar eine eigene Roxi-Wurst auf den Markt. Und wie schmeckt die so? "Nach Avocado, Kichererbse und Hähnchen", verrät die frischgebackene Wurstdesignerin.

Da ich mit meinem Reiseblog (www.turnagain.de) selbst um Fans und Likes ringe, gibt mir Roxi gleich noch drei Tipps mit auf den Weg:

  1. Gehe Kooperationen mit anderen Bloggern ein und ergänzt eure Reichweiten
  2. Interagiere mit den Leuten, die auf Instagram oder Facebook kommentieren. Das zeigt, dass du Interesse am Feedback deiner Fans hast
  3. Achte auf hochwertige Bildqualität. Du kannst mit dem Smartphone fotografieren, dann stecke aber locker noch 80 Programm der Arbeit in die Nachbereitung

Und ganz wichtig: Kennzeichne Deine Posts immer als Werbung!

Roxi weiß natürlich nicht, dass sie mit dem Meister des "Drama-Filters" spricht. Aber danke für die wertvollen Tipps. Vielleicht noch ein Hinweis für Werbungtreibende?

"Achtet nicht auf reine Zahlen. Schaut euch die Channels eurer Influencer genauestens an. Es gibt so viel Betrug bei Abonnenten, Likes und Kommentaren. Man kann alles kaufen und so ist manch großer Blogger vielleicht am Ende ziemlich klein."

Während Roxi mit der Branche abrechnet, zeigt sie gleichzeitig auf, wo ihre Reise denn so hingeht: "Aktuell arbeite ich neben Social Media noch als Sportmodel, bin Speaker auf Konferenzen und bringe demnächst mein eigenes Fitness-Programm auf den Markt. Mein größter Wunsch allerdings, ist die Moderation einer eigenen TV-Show."

Es lebe das Fernsehen und damit können sich Joko & Klaas schon mal warm anziehen.

André Gebel, Geschäftsführer der Münchner Digitalagentur Coma, ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

Bloggerin Roxi rechnet ab: Warum Zahlen alleine nichts aussagen

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