Strata 2013 | | von Irmela Schwab

Big Data: Die sieben größten Trends

Benedikt Köhler ist von Big Data fasziniert. Jedes Jahr fliegt der Director Data & Innovation bei der Münchner Forschungs- und Beratungsagentur d.core  nach Kalifornien, um sich bei der Strata-Konferenz in Santa Clara über Instrumente und Analyse-Verfahren und Tools großer Datenmengen zu informieren. Für LEAD digital hat er exklusiv die sieben größten Trends zusammengestellt: Von der Vorhersage des nächsten Klicks über die komplexer werdende Datendichte durch mobile Geräte bis hin zur Aufklärung von Verbrechen. 

1. Big-Data-Technologien haben Marktreife erlangt

Sehr viele Big-Data-Produkte, die im letzten Jahr auf der Strata-Konferenz im Beta-Stadium oder sogar nur als Konzeptidee vorgestellt wurden, sind mittlerweile marktreif geworden. Das zeigt auch der Blick auf die Aussteller der begleitenden Messe: Hier dominieren ganz klar die großen Hardware- und Technologiefirmen Intel, IBM, SAP, EMC und Microsoft mit ihren Big-Data-Lösungen. Daneben haben sich aber ähnlich dem Linux-Ökosystem Distributoren wie Cloudera oder Revolution Analytics etabliert, die Open-Source-Komponenten wie Hadoop oder R in installationsfertige Pakete bündeln, vertreiben und begleitend dazu Schulungen und Support anbieten. 

2. Data Scientist als Traumberuf der Zukunft

Nachdem die Technologien zum Speichern und Verarbeiten großer Datenmengen und -ströme für die breite Masse verfügbar sind, richtet sich der Blick zunehmend auf den Inhalt: Welche Informationen lassen sich den Daten entnehmen?  Welche Aussagekraft haben die Daten überhaupt? Mit welchen Methoden lassen sich die Daten zum Sprechen bringen? Dabei stellt sich immer wieder die Frage: Was unterscheidet den neuen Data Scientist - von Harvard Business Review bereits als "sexiest job of the 21st century" tituliert - vom traditionellen Berufsbild des Statistikers? Die Antwort wurde in zahlreichen Vorträgen deutlich: Die neuen Datenwissenschaftler werten nicht nur aus, sondern programmieren datenbasierte Anwendungen und interaktive Visualisierungen. In vielen Fällen begleiten sie den Wertschöpfungsprozess bis zur Definition vertriebsfertiger Daten-Produkte. 

3. Predictions - Das neue Orakel

Spätestens seit Nate Silvers erfolgreicher Vorhersage des Wahlergebnisses der letzten US-Präsidentschaftswahl, begnügen sich die Datenwissenschaftler nicht mehr nur damit, aus Werten, Zeitreihen und Korrelationen die Gegenwart oder Vergangenheit zu beschreiben. Stattdessen geht es zunehmend darum, aus diesen Daten Vorhersagen über zukünftige Entwicklungen zu gewinnen. Ob es um die Vorhersage des nächsten Klicks ist oder die Prognose, ob ein Kunde das von einem Empfehlungsalgorithmus vorgeschlagene Produkt nach dem Kauf zurücksenden wird - in den meisten Fällen bedeutet eine Verbesserung der Vorhersagequalität um wenige Prozentpunkte finanziell sehr wertvolle Effizienzsteigerungen. 

4. Mobile Changes Everything

Spätestens wenn 2014 dann mehr Mobiltelefone in Betrieb sind als Menschen auf der Erde leben oder wenn jede zweit Email über ein mobiles Gerät verschickt wird, wird klar: Das Mobile Internet ist mindestens so disruptiv wie damals die Entstehung des Internet. Waren bisher auf Konferenzen dieser Art Datensätze aus den Social Networks und Social Shopping-Portalen, die von den Data Scientists analysiert, interpretiert und visualisiert wurden, gehörten dieses Jahr mobile Daten und ihre Auswertung zu den wichtigsten Anwendungfällen. Mobile Nutzungsdaten sind nicht dasselbe wie "klassische" Internet-Nutzungsdaten, sondern durch die Ausstattung moderner Smartphones mit Sensoren für Geoposition, Beschleunigung, Ausrichtung, Bluetooth oder Temperatur entsteht hier ein komplexer und dichter Datenstrom, mit dem sich sehr viel aussagekräftigere Insights über die Mediennutzung gewinnen lassen. Ein weiterer Vorteil des mobilen Webs: Viele Regionen der Erde, z.B. in Afrika, haben das stationäre Web einfach übersprungen und steigen direkt in das mobile Web ein. Daher: je globaler eine Analyse wird, desto mobiler wird sie. 

5. Visualisierung bedeutet Web-basierte Visualisierung

Mit den großen und zum Teil unstrukturierten Datenmengen, für die Big Data steht, kommen ganz neue Herausforderungen auf die Datenvisualisierung zu. Wie stellt man Terabyte von Daten übersichtlich dar? Und vor allem: wie programmiert man ein Visualisierung-Datenbanksystem, das interaktive Diagramme ermöglicht, bei denen der Nutzer nicht minutenlang warten muss, bis die Darstellung aktualisiert wird? Moderne Visualisierungen setzen hier zunehmend auf offene Standards, die dann eine breite Verfügbarkeit der Charts und Diagramme ermöglichen: vom Smartphone übers Tablet bis zum Desktop-Rechner. Neben der Animationsbibliothek WebGL gehört auch die ebenfalls freie Software D3 zum Visualisierungsbaukasten der Datenwissenschaftler. Zum anderen gibt es mit Platfora oder Tableau neue Datenbank- und Visualisierungssysteme, die direkte Schnittstellen zu den großen Datenquellen ermöglichen. 

6. Mit großen Daten Gutes tun: Big Data und Good Data

Ein besonders spannendest Thema dreht sich um die Frage, wie sich die neuen Big-Data-Technologien einsetzen können, um mit Daten das Allgemeinwohl zu fördern. Das Schlagwort lautet: "Daten-Philanthropie". Allen voran hat sich mit dem Projekt "Code for America" schon eine Art datengetriebenes "Peace Corps" entwickelt, in dem Datenwissenschafler sich für ein freiwilliges Jahr bewerben können, in dem sie Datenprodukte für kommunale Projekte entwickeln, die im Anschluss der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden. Ein konkretes Beispiel ist eine in New York und Louisville durchgeführte Studie, die Vorhersagen dafür berechnet, welche vorläufig festgenommenen Tatverdächtige gegen Kaution entlassen werden sollten und welche nicht. 

7. Die Geburt der Black Hat Data Science

Den Erfolg von Big Data kann man auch daran ablesen, wie schnell sich eine Industrie herausgebildet hat, deren Ziel es ist, Big-Data-Technologien für unlautere Zwecke einzusetzen. Vom Kreditkartenbetrug über das Passwort-Phishing bis zu Spambots - mittlerweile spielt Data Science auch in der dunklen Parallelwelt des Internets eine wichtige Rolle. Gleichzeitig treten die ersten Beratungsfirmen auf den Plan, die entsprechende Schutz- und Abwehrmaßnahmen anbieten - selbstverständlich ebenfalls datenbasiert.

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