"Offliner" bedeutet nicht, dass 41 Prozent der Kinder niemals online sind. Sondern, dass die Eltern die Kontrolle und Entscheidungsgewalt ausüben.
"Offliner" bedeutet nicht, dass 41 Prozent der Kinder niemals online sind. Sondern, dass die Eltern die Kontrolle und Entscheidungsgewalt ausüben. © Foto: Tuner Deutschland/Rich Harvest

Mediennutzungsstudie | | von Susanne Herrmann

Bei Kindern liegt Fernsehen noch knapp vor dem Smartphone

Fernsehgerät, Tablet, Smartphone oder Spielekonsole: Schon Kinder zwischen 6 und 12 Jahren haben die Qual der Wahl, wenn sie sich mit Bildschirmmedien die Zeit vertreiben wollen. Der regelmäßige Medienkonsum ist längst ein fester Bestandteil ihres Alltags. Immerhin: Eine Befragung des Senders Turner Deutschland in Zusammenarbeit mit den Marktforschern von Rich Harvest zeigt, dass 41 Prozent dieser Kinder nicht überwiegend selbst entscheiden, welche Medien und Inhalte sie nutzen.

Diese Gruppe läuft in der Studie "Screens for Content" unter dem irreführenden Schlagwort "Offliner": Offline sind sie nicht, aber ihre Erfahrungen im Umgang mit Medien werden größtenteils von den Eltern geprägt und bestimmt, so die Aautoren. "Bevor dem Kind der Konsum erlaubt wird, prüfen die Eltern die Inhalte und entscheiden, ob diese für den Nachwuchs geeignet sind oder nicht." Den Medienkonsum von Kindern zu begleiten und Regeln für die Nutzung aufzustellen ist das, was vielerorts Eltern geraten wird in Zeiten üerball jederzeit verfügbarer Inhalte - auch solcher, die für Kinder nicht geeignet sind.

Die 41 Prozent der Eltern, die sich in der "Screens for Content"-Befragung daran orientieren, wählten bevorzugt Sendungen für ihre Kinder aus, die sie selbst aus der eigenen Kindheit kennen - und demzufolge am häufigsten im linearen Fernsehen zu finden sind.

Vier weitere Medientypen haben Turner und Rich Harvest auf Basis ihrer Daten identifiziert.

TV-Champs
In diese Gruppe gehören 20 Prozent der Befragten - Fernsehen schlägt damit das Smartphone als beliebtestes Medium der Altersgruppe (das Ergebnis bestätigt die Ergebnisse der "Kim"-Studie.) Sie wissen meist was auf welchem Sender läuft, wählen Episoden eigenständig aus und suchen aktiv nach weiteren Inhalten rund um ihre Lieblingssendungen. Erste Anlaufstelle hierfür ist Youtube, aber auch Online-Games und Apps nehmen eine wichtige Rolle in ihrem Medienalltag ein. Im Schnitt eineinhalb Stunden täglich (werktags) beschäftigen sie sich mit elektronischen Medien.

Smartphoner
Diese 18 Prozent der 6- bis 12-Jährigen bestimmen größtenteils selbst, wann sie sich mit welchem Medium beschäftigen. Und das tun sie am liebsten mit dem Smartphone. Dort schauen sie auf Youtube Serienepisoden oder kurze Videos und kommunizieren mit Freunden per Messenger oder sozialem Netzwerk. Das tun sie unter der Woche zwei Stunden, am Wochenende vier Stunden täglich. Und unter mäßiger Kontrolle seitens der Eltern.

Premium Darlings
In diese Gruppe ordnen Turner und Rich Harvest 11 Prozent der Kinder ein. Für sie steht die Wissensvermittlung bei der Auswahl der Inhalte im Vordergrund. Die Eltern sind dem Medienkonsum der Kinder gegenüber offen eingestellt, aber beeinflussen auch stark und legen viel Wert auf hohe Qualität. Bevorzugtes Medium der Premium Darlings ist der Fernseher. Auf die Bildschimrmmedien entfallen zwei Stunden täglich.

Media-All-Stars
Die (noch) kleinste Gruppe mit 10 Prozent. Diese Kinder, so "Screens for Content", seien "echte Medienexperten": Sie besitzen meistens eigene Geräte und interessieren sich für alles, was die Medienwelt zu bieten hat. In ihrer Freizeit verbringen sie unter der Woche zwei Stunden, am Wochenende bis zu vier Stunden mit dem Konsum von Medien. Da sie sich meist besser auskennen als ihre Eltern, findet hier nur wenig Reglementierung statt.

Für den Auftraggeber der Studie sind das gute Nachrichten: Turner betreibt unter anderem das Cartoon Network mit vielen Animationsserien und Eigenproduktionen für das junge Publikum. Zu den Turner-Programmen im deutschsprachigen Raum gehören der Nachrichtensender CNN International, der Spielfilmkanal TNT Film, der Seriensender TNT Serie, der Comedysender TNT Comedy, der Kindersender Cartoon Network sowie der Kinder- und Familiensender Boomerang. Weltweit ist Turner mit mehr als 175 Sendern in 33 Sprachen und über 200 Ländern vertreten. Turner ist Teil von Time Warner. 

In Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Rich Harvest befragte der Sender in Deutschland Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren sowie deren Eltern. Im Fokus der Untersuchung stand außerdem, in welchem Umfang sich Kinder mit den verschiedenen Geräten beschäftigen. Aus diesem Grund wurden nur voll ausgestattete Haushalte, also solche in denen mindestens ein Fernseher, Computer, Tablet und Smartphone vorhanden ist, für die Studie herangezogen.
20 Familien mit Kindern hielten für die Untersuchung vier Tage lang ihre Medienmomente in Videos fest. Anschließend wurden sie zu Hause befragt. Darüber hinaus gaben 505 Eltern und ihre Kinder computergestützte Interviews.

Bei Kindern liegt Fernsehen noch knapp vor dem Smartphone

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