Wochenrückblick | | von Irmela Schwab

Bahnstreik auf Twitter, Zwillingssuche auf Youtube

Big Data bleibt ein Mysterium. Einerseits fördert die Bundesregierung 13 Leuchtturmprojekte für smarte Datenlösungen in Deutschland mit 30 Millionen Euro in den nächsten Jahren. In den geförderten Projekten sollen Rechtsrahmen, wirtschaftliche Potenziale und gesellschaftliche Akzeptanz getestet werden. Andererseits will die EU Big Data Firmen wie Google, Facebook und Co regulieren. Damit beschäftigt sich das aktuelle Titel-Thema der W&V. Autor Rolf Schröter in seinem nun auch online zugänglichen Artikel über die Schieflage im Markt: Während manchem innovativen Projekt deutscher Medien-Unternehmen wie Amazonas, ein Zusammenschluss der privaten Fernsehsender, oder Germany´s Gold von den Öffentlich-Rechtlichen ein Strich durch die Rechnung gemacht wurde, dürfen US-Portale wie Netflix, YouTube und Facebook den Markt unbehelligt aufmischen. Auch EU-Kommissar für digitale Wirtschaft Günther Oettinger geißelt diese Ungerechtigkeit. "Der weltweite Wettbewerb ist nicht fair, wenn wir unsere Unternehmen regulieren und drangsalieren, während die amerikanischen freies Spiel haben.” Wie wahr.

Die wachsen munter weiter, wie die diversen Quartalsmeldungen der Woche bezeugen. Mark Zuckerberg postet dazu: 1,44 Milliarden Facebook-Nutzer, 800 Millionen Whatsapp-Nutzer und 300 Millionen Instagram-Nutzer hat Facebook weltweit gezählt. Im ersten Quartal 2015 wurden täglich 4 Milliarden Videos auf Facebook angesehen. Die Expansion in neue Geschäftsfelder steht bei Facebook groß auf der Tagesordnung. Dazu wird nicht nur an alten wie neuen Bereichen wie Instagram oder Virtual Reality gearbeitet, für das die Firma im ersten Quartal 2015 kräftig aufgerüstet hat: Die Investitionen haben sich mit gut einer Milliarde Dollar in den Bereich R&D mehr als verdoppelt, die Anzahl der Mitarbeiter kletterte mit 10.082 erstmals in den fünfstelligen Bereich. Genauso wie Google arbeitet Facebook außerdem daran, den Internetzugang weltweit auszudehnen. Immerhin sind bisher noch zwei Drittel der gesamten Weltbevölkerung - immerhin vier Milliarden Menschen - offline. Das sollen Internet-Drohnen (Facebook) und WLAN-Ballons (Googles Project Loon) bewerkstelligen - deren Launch steht offenbar demnächst bevor.

Daneben arbeitet man auch bei Facebook an neuen Werbeformaten: Pünktlich zum zehnten Geburtstag des ersten hochgeladenen Videos auf Youtube in dieser Woche hat der blaue Riese dem Wettbewerber Google ein Schnippchen geschlagen, und ein Branded Video Programm namens Anthology gelauncht: Werbekunden können sich dabei von Publishern wie Vice oder Vox Media und Facebooks Inhouse-Agentur Creative Shop ein Video kreieren lassen.

Google hat in den USA in dieser Woche sein eigenes Mobilfunk-Angebot gelauncht, über den Mobilgerät-Besitzer für 20 Dollar im Monat telefonieren und texten können. Dafür hat Google als virtueller Mobilfunker unter dem Project Fi mehr als eine Million WLAN-Hotspots vernetzt, und greift außerdem auf die Netzwerke Sprint und T-Mobile zurück. Überflüssig zu sagen, dass die Datenkrake das Nutzungsverhalten der User für Werbezwecke analysieren will.

Wenn in der nächsten Woche in New York während der Newfronts um digitale Bewegtbild-Budgets gepitcht wird, steht Yahoo schon mit einem neuen Ad-Produkt parat: Seine neuen native Video-Ads werden - wie bei Facebook auch - stumm und automatisch auf der Homepage abgespielt. Die Werbeform gibt es in den digitalen Magazinen wie Yahoo Food und Yahoo Beauty sowie innerhalb der mobilen Apps. An einer ähnlichen Form von nativen Video-Ads hat sich die Internet-Firma mit den Yahoo Stream Ads übrigens schon gut zwei Jahren versucht.

Eines der spannendsten Videos der letzten Zeit lief allerdings auf Youtube: "Finde deinen Zwilling." 5 Millionen Mal wurde das Video von Niamh angesehen, die binnen kürzester Zeit ihre Doppelgängerin fand und das erste Treffen im Video vorstellte. Das Video promotet die Challenge Twinstrangers, die dem Credo folgt: Es gibt 7 Menschen auf der Welt, die einem ähnlich sehen. Finde Sie! Wenn Sie, liebe Werber, das richtige Thema finden, sind Challenges sicher eine gute Methode, um eine Marke nach vorn zu bringen.

Ironie ist da schon ein gefährlicheres Stilmittel der Imagewerbung. Schließlich muss Ironie verstanden werden. Schöne Beispiele für Ironie haben den Bahnstreik diese Woche auf Twitter begleitet. Unter den Hashtags #bahnstreikliteratur und #BahnstreikFilme kommt die Bahn gar nicht gut weg. Die Bahnfahrer selbst nehmen es mit Humor. Auch die Mietwagen-Firma Sixt ließ sich die Gelegenheit für ein passendes Werbemotiv nicht entgehen. Sollte das Image der Bahn doch gelitten haben, könnte die Bahn ja ein Challenge-Video posten.

yg/is

Bahnstreik auf Twitter, Zwillingssuche auf Youtube

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