Sortimentspolitik | | von Annette Mattgey

Bahlsen: PR-Geschwätz statt Social Media-Relevanz

Die heute von Bahlsen verkündete Fortführung des Weihnachtssortiments begründete das Unternehmen mit einer "Flut von Verbraucherreaktionen". Doch im Social Web ist von der angeblichen Empörung der Fans nur wenig zu spüren. Das Hannoveraner Unternehmen, dessen Facebook-Auftritt es immerhin auf 94.000 Fans schafft, hält sich selbst bedeckt, wie das Feedback der Konsumenten es erreicht hat. "Die Reaktionen kamen über alle Kanäle: Hotline, Mail, Facebook, Brief und auch in persönlichen Gesprächen", so die Antwort von Kerstin Deike aus der Bahlsen Unternehmenskommunikation. "Es waren sehr viele, gezählt haben wir nicht." Dementsprechend könne man auch den Anteil von Social Media nicht quantifizieren. Wenig auskunftsfreudig geben sich auch die Münchner Webguerillas, die nicht nur den Facebook-Auftritt von Bahlsen verantworten, sondern auch den der Marke Pick-up aus dem gleichen Hause. Hier versammeln sich ungleich mehr Fans: Rund 623.000 Menschen sind mit Pick-up verbunden.

Der Facebook-Post mit der frohen Botschaft, dass Bahlsen auch weiterhin Lebkuchen und Spekulatius verkauft, kam immerhin auf mehr als 500 Likes binnen weniger Stunden. Ansonsten war die Zahl der User-Posts in den vergangenen Monaten überschaubar. Im besten Falle kamen bei Bahlsen 20 Verbraucher-Botschaften wöchentlich via Facebook an.
 
Vor diesem Hintergrund erscheint das Bahlsen-Statement sehr fragwürdig: „Auch wenn sich die wirtschaftlichen Gründe, die zu unserer Entscheidung führten, nicht verändert haben, hat uns das vielfältige und emotionale Feedback der Konsumenten doch überrascht“, so Werner M. Bahlsen, Inhaber und Vorsitzender der Geschäftsführung. Nicht nur die Kollegin von Süddeutsche.de fragt sich, ob seine Äußerungen in der Hannoverschen Allgemeinen nicht eher als PR-Coup zu verstehen sind denn als ernst gemeinte Rücksichtnahme auf Verbraucherwünsche. 

In der Gegenüberstellung des Social Media-Analyse-Tool Quintly wird deutlich, dass das User-Engagement (Zahl der Posts pro Woche) der Bahlsen-Fans (lila Linie) durchaus mit anderen Keks-Anbietern vergleichbar ist. Neben Pick-up   (blau) haben sich die Experten Bahlsen, Lambertz (grün) und Leibniz   (rot) angeschaut. Lambertz, klein, aber fein, verfügt über knapp 8000 Fans, Leibniz über 280.000 Fans. So zeigen die Bahlsen-Post zwar immer wieder mal Ausschläge nach oben, aber die hat Leibniz auch. Wie eine echte "Flut" von User-Kommentaren aussieht, haben dagegen Shitstorms wie der bei Vodafone gezeigt. Die Bahlsen-Kommentare sind dagegen eher ein Rinnsal.

 

Bahlsen: PR-Geschwätz statt Social Media-Relevanz

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