Die Woche im Schnelldurchlauf | | von Tobias Weidemann

Aufreger der Woche: Ballmer geht und deutsche Internetdienste erleben einen Aufschwung

War was? Das wollen wir, die Redaktion von LEAD digital, zum Wochenende künftig regelmäßig fragen. Was hat die Branche bewegt, was war Thema in der Blogosphäre? Dabei erheben wir ausdrücklich keinen Anspruch auf Vollständigkeit! Ein subjektiver Rückblick von wechselnden Autoren. Diese Woche: Warum Microsoft sich bei der Suche nach Ballmers Nachfolger schwer tun wird und wie deutsche Unternehmen vom NSA-Skandal profitieren.

Bei Microsoft wird sich einiges ändern: Der extrovertierte CEO Steve Ballmer hat seinen Rückzug angekündigt – wie das zum Wall Street Journal gehörende Blog AllthingsD berichtet auch auf Druck des Aufsichtsrats. Derweil sucht man bei Microsoft nach einem Nachfolger. Keine einfache Sache, nachdem den Redmondern in den letzten Monaten einige alteingesessene Führungskräfte abhanden gekommen sind, darunter der Leiter der Windows-Sparte Steven Sinofsky, der dieser Tage beim Risikokapitalgeber Andreessen Horowitz anheuerte. Auch der Leiter des Office-Geschäfts Kurt DelBene verließ das Unternehmen im Juli nach über 20 Jahren. Als möglicher Nachfolger gilt der Internet-Experte und Executive Vice President der Business Development Group Tony Bates (Ex-CEO von Skype).

Auf Ballmers Nachfolger – immerhin erst der dritte Microsoft-Chef in den knapp 40 Jahren der Unternehmensgeschichte – kommen große Aufgaben zu: Microsoft hat den Wandel weg vom klassischen PC-Geschäft hin zu mobilen Geräten noch immer nicht zufriedenstellend vollzogen und kommt je nach Studie gerade einmal auf einen Marktanteil von knapp vier bis gut sieben Prozent bei Windows-Phone-Geräten. Da hilft auch das mehrfache Senken des Preises für die Microsoft-Surface-Tablets nicht viel.

Doch auch Google sucht sein Heil in niedrigeren Preisen für seine Nexus-Geräte: Das Unternehmen senkt (zunächst nur im Play-Store) den Preis für das Nexus 4 um 100 Euro. Die 8 GB-Version von Googles Referenzgerät kostet damit gerade einmal noch 199 Euro. Das heizt naturgemäß die Spekulationen um ein Nachfolgemodell an, einen konkreten Termin dafür gibt’s allerdings noch nicht – zum Jahreszyklus würde der Oktober passen. Allerdings sollte Google aufpassen, wenn es das top-ausgestattete und mit aktueller Android-Version erhältliche Gerät so verramscht. Einen solchen Preisverfall würde sich Apple nicht leisten und das ist für den Markenwert auch gut so.

Unsicherheit herrscht dagegen immer noch bei Nutzern über das Thema Datensammeln und Privatsphäre. Nun hat Facebook erstmalig einen Transparenzbericht herausgebracht. Danach haben deutsche Behörden im ersten Halbjahr 2013 in 1886 Fällen Nutzerdaten angefordert. Facebook gab allerdings nur in 37% der Fälle die gewünschten Informationen heraus – im Gegensatz zu den USA, wo in 79% der Fälle Daten an die Behörden übermittelt wurden. Was wir daraus lernen? Selbst die deutschen Behörden beißen sich an Unternehmen wie Facebook die Zähne aus.

Zur Beruhigung der Bevölkerung trägt das nicht unbedingt bei. Die Nutzer setzen derweil immer mehr auf Internetservices „Made in Germany“. So berichtet der Spiegel, dass sich sowohl bei Freenet als auch bei GMX und Web.de die Zahl der Neuregistrierungen in den letzten Wochen signifikant erhöht habe. Beispielsweise meldet die 1&1 AG einen sechsstelligen Anstieg der Nutzerzahlen und Freenet spricht von 80% mehr Neuregistrierungen. Das ist aus Sicht der deutschen Internetwirtschaft erfreulich, aus Sicht der Nutzer durchaus verständlich. Denn ein Server auf deutschem Territorium unterliegt anderen rechtlichen Rahmenbedingungen als einer in den USA.

Das Urteil der Woche kommt dieses Mal vom BGH: Dort wurde eine Seniorin freigesprochen, der vorgeworfen wurde, einen Hooligan-Film mit Gewalt verherrlichenden Szenen über das Filesharing-Netzwerk Edonkey geteilt zu haben. Das Interessante dabei: Die pflegebedürftige Frau besaß nach eigenen Angaben noch nicht einmal eine E-Mail-Adresse und auch den Internetanschluss habe sie zum fraglichen Zeitpunkt nur noch aufgrund der zweijährigen Mindestlaufzeit Ihres Telefonvertrages gehabt.

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