Schnelldurchlauf | | von Tobias Weidemann

Aufreger der Woche: Amazon würzt sein Geschäft mit "Cinnamon" und HuffPo mit Promis

Die Huffington Post Deutschland ist online. Und sorgte vom Start (Donnerstag) weg für Aufruhr. Umstritten ist das Konzept: Nicht nur wegen Cherno Jobatey, dessen Anchorman-Funktion sich nicht jedermann erschließt, und den prominenten Bloggern von Boris Becker bis Uschi Glas. Es geht um den Content: Unter Burda-Flagge versteht sich die HuffPo nicht als Online-Magazin, sondern als „Engagement-Plattform“, die vor allem Inhalt über unbezahlte Blog-Beiträge generieren will. Von Ausbeutung sprechen die Kritiker, von einer Riesenchance für Meinungsmacher die Befürworter. In drei Jahren soll die deutsche Huffington Post profitabel sein, in fünf will sie zu den Top-3-Newsportalen in Deutschland gehören - Bild.de eingeschlossen - mit zehn bis 15 Millionen Euro Netto-Umsatz und vier Millionen Unique Usern, gab Christoph Schuh, Vorstand von HuffPo-Medienpartner Tomorrow Focus in München vor. Die teilweise recht heftige Empörung deutscher Journalisten über das HuffPost-Prinzip scheint Arianna Huffington nicht verstehen zu können: „The new world is not about competition but about win-win.“ Anyway, die meisten kommentieren den Launch recht bissig: Stefan Niggemeier, Christian Jakubetz, Jürn Kruse (taz)  Mike Schnoor, Rainer Stadler (NZZ).

Und sonst? Die Buchmesse ist in Frankfurt gestartet und wieder einmal stehen E-Books und elektronische Lesegeräte im Fokus. Doch ob die Party mit den nur hierfür nutzbaren E-Book-Readern wie dem Kindle noch lange läuft, ist ungewiss. Kürzlich hatte der Branchenverband Bitkom seine Zuwachszahlen für E-Book-Reader nach unten korrigiert. 832.000 Geräte sollen in diesem Jahr verkauft werden, das sind zwar immerhin 22 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Gleichzeitig sehe man aber geringere Steigerungsraten als erwartet, weil viele Gelegenheitsleser lieber zum vielseitigeren Tablet greifen.

Zum ersten Mal auf der Buchmesse ist Amazon vertreten. Doch weniger damit erregte das Unternehmen in den letzten Tagen Aufsehen als vielmehr mit seinem geplanten TV-Dienst. So arbeitet Amazon an einer Video-Streaming- beziehungsweise TV-Settop-Box mit dem Projektnamen „Cinnamon“. Sicher ist: Ein solcher Vorstoß mischt den Markt auf, das hat bereits Apple seinerzeit vorgemacht. Hinzu kommt, dass TV im US-Heimatmarkt nach wie vor ein boomendes Geschäft ist: Große Budgets wandern seit langem schon von Hollywood in Richtung TV. Sogar Feuilletonisten feiern aktuell angesichts von Serien wie „Breaking Bad“ oder „Homeland“ ein „goldenes TV-Zeitalter“. Ausreichend Erfahrungen in puncto Infrastruktur und Serverlogistik hat Amazon schon durch die Abwicklung der Musik-Downloads und Kindle-Belieferung mit E-Books gesammelt – der Einstieg in digitales Bewegtbild ist somit nur logisch und dürfte auch den mobilen Endgeräten der Kindle-Fire-Reihe neuen Schub verleihen.

Und noch was Neues gibt’s von Amazon: Das Unternehmen bietet externen Händlern seinen Bezahldienst per Button auf der eigenen Seite an. Der Kunde kann sich so einfach mit seinen Amazon-Daten einloggen und Bezahlvorgänge auf der Seite des Händlers vornehmen. Die Leidtragenden dürften hierbei Dienste wie Paypal, Wirecard oder Clickandbuy sein. Das neue "Login and pay with Amazon"-Feature funktioniere, so das Unternehmen, sowohl auf klassischen PCs als auch auf Smartphones und Tablets.

A propos Tablet: Bei Apple spekuliert man weiter um das Veröffentlichungsdatum der nächsten iPad-Generation. Am 22. Oktober könnte es soweit sein, wenn man unternehmensnahen Quellen glaubt, die auch gleich schon einige Details parat haben: Neben dem iPad 5 (angeblich schmaler als seine Vorgänger) soll ein überarbeitetes iPad Mini veröffentlicht werden., das aller Voraussicht nach auch mit dem vom großen Bruder bekannten Retina-Display ausgestattet wird. Ob der umstrittene Fingerabdrucksensor zum Einsatz kommt, ist ungewiss. Der Termin wäre klug gewählt, stünde er doch in direkter Konkurrenz zur Präsentation eines Nokia Phablets und der zweiten Surface-Generation von Microsoft, die laut ZDNet beide ebenfalls an diesem Tag präsentiert werden sollen.

Mit Facebook-Fanseiten und deren Vereinbarkeit mit dem deutschen Datenschutz musste sich diese Woche das Verwaltungsgericht Schleswig beschäftigen. Es geht dabei um eine Anordnung des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz vom November 2011, wonach Unternehmen ihre Fanseiten deaktivieren müssten, da diese gegen deutsche Datenschutzgesetze verstoßen würden. Mit dieser Anordnung hatte ULD-Chef Thilo Weichert für Kopfschütteln und Verwirrung gesorgt. Das Gericht entschied nun angesichts von drei Musterklagen von Unternehmen, dass die Unternehmen nicht für den Datenschutz bei Facebook selbst verantwortlich gemacht werden können. Es ließ aber immerhin eine Berufung gegen das Urteil zu, weil der Fall "von grundsätzlicher Bedeutung“ sei. Es ist zu erwarten, dass hier der Gesetzgeber sich noch ausfürhlich mit beschäftigen wird.

Unterdessen rüstet Facebook auf: Das Unternehmen will in Zukunft deutschen Fernsehsendern Auswertungen von Nutzerpostings, Likes und Erwähnungen von Fernsehsendungen in seinem Netzwerk anbieten – und das sogar in Echtzeit. Mögliche Partnerschaften soll es unter anderem mit dem ZDF und der ProSiebenSat.1-Gruppe geben, wie die W&V berichtet. Diese Unterstützung bei der Second-Screen-Auswertung kommt nicht von ungefähr: Konkurrent und Börsenaspirant Twitter bietet ähnliche Auswertungen bereits seit Ende vergangenen Jahres in Zusammenarbeit mit Nielsen an. Für die TV-Anbieter kann das nur hilfreich sein, verbessert diese „Zweitquote“ nicht nur die Aussagefähigkeit über die Wünsche der Nutzer, sondern holt auch die jungen, technik- und Second-screen-affinen Zielgruppen ab.

Aufreger der Woche: Amazon würzt sein Geschäft mit "Cinnamon" und HuffPo mit Promis

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