Wochenrückblick | | von Yvonne Göpfert

Alles gratis – am liebsten ohne Werbung

Werbung im Netz ist eine diffizile Sache. Die Anbieter finanzieren sich damit, aber die User wollen keine Werbung sehen. Angeblich. Eigentlich seltsam, wo doch 88,5 Prozent der Deutschen Video-Werbung auf redaktionellen Webseiten akzeptieren. Das will zumindest die Hochschule Fresenius Ende letzten Jahres bei einer Befragung von 1.000 Konsumenten herausgefunden haben. Wichtig sei, dass die Werbung zum redaktionellen Inhalt passt und dass ein Mehrwert erkennbar sei. Unter den Videobloggern ist man sich nicht ganz sicher, ob die User nun Werbung mögen oder nicht. Und verzichtet daher sicherheitshalber gleich mal auf Kennzeichnung derselben. Die Landesmedienanstalten haben bereits mahnend ihren Zeigefinger erhoben und eine Leitfaden für Werbung in Youtube-Videos veröffentlicht.

Doch das Problem Adblocker bleibt. Vielleicht sind die verbleibenden 11,5 Prozent der Fresenius-Studie einfach nicht davon überzeugt, dass die Werbung zum Umfeld passt. Und installieren sich daher einfach völlig gedankenlos Adblocker. Axel Springer findet das schon lange nicht lustig. Wer versucht, die Werbeblockersperre von Bild.de zu umgehen, bekommt jetzt Post vom Anwalt. Denn Axel Springer wertet das als Raubgut von urheberrechtlich geschützten Texten. Und auch Gruner&Jahr macht mobil: Wer einen Adblocker installiert hat, für den sind in Zukunft Portale wie stern.de und geo.de dicht. Doch anders als Springer nutzt Gruner&Jahr die Not, um zu testen, wie es inzwischen um die Zahlungsbereitschaft im Netz steht: Die Leser sollen wählen können, ob sie Werbung zulassen oder 99 Cent pro Tag beziehungsweise 4,99 Euro pro Woche für werbefreie Seiten bezahlen wollen. Wir sind gespannt ob die harte Linie von Axel Springer oder der sanfte Weg von Gruner&Jahr der Markenbindung förderlich ist.

Auch Youtube soll demnächst gegen Bezahlung werbefrei werden. Mit "Youtube Red" kann man sich für 9,99 Dollar im Monat die Werbeclips vor dem Start der Videos sparen. Zusätzlich soll es auch exklusiv verfügbare Inhalte von Youtube-Kanälen nur für Redtuber geben. In USA ist das Angebot bereits gestartet. Sicher wird es nicht allzu lange dauern, bis man auch in Deutschland zahlen darf. Ein bisschen streamt Google damit in Richtung Netflix oder Amazon Prime. Es wird also interessant zu verfolgen, ob sich Youtube irgendwann auch zum Pay-Kanal mausert. Das einzige, was dann noch gratis abzurufen wäre, wären Werbespots. Aber wer will die sehen - siehe Adblocker?! Oder muss Werbung einfach so gut werden, dass sie auch so aufgerufen wird?

Für Musik und Videos sind die Nutzer ja durchaus bereit, zu bezahlen. Das zeigt die Untersuchung des Yougov-Brandindex. Dazu wurden 700.000 Online-Interviews repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren ausgewertet. In der Kategorie Video & Audiostreaming ist die Marke Youtube mit 35,0 Indexpunkten zwar noch der top Star. Aber dann folgen auch schon Amazon Instant Video (21,3 Punkte) auf Platz 2 sowie Netflix (16,7 Punkte) und Spotify (16,2 Punkte) auf den weiteren Plätzen. Deezer gehört mit 11,4 Punkten ebenso zu den Top 5. Aber auch hier gibt es ja eine Gratis-Version.

Alles gratis – am liebsten ohne Werbung

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!

Leserkommentar

Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

* Pflichtfeld
** Pflichtfeld, wird nicht veröffentlicht