Ad-Blocker-Streit: Investiert euer Geld besser in neue Werbeformen
© Foto:Yvonne Göpfert

Wochenrückblick | | von Yvonne Göpfert

Ad-Blocker-Streit: Investiert euer Geld besser in neue Werbeformen

Seit Jahren streiten Verlage bzw. Werbevermarkter mit der Kölner Firma Eyeo über das Thema Adblocker. Eyeo betreibt seinen Werbe-Blocker Adblock Plus mit großem Erfolg. Für die Verlage bedeutet dieses Tool Umsatzverluste von 10 bis 20 Prozent, weil Werbung nicht ausgeliefert und ergo nicht abgerechnet werden kann. Nun können Verlage bei Eyeo in die Whitelist aufgenommen werden  - gegen einen kleinen Obulus. Böse Zungen sprechen von einem Modell der Schutzgelderpressung oder ganz einfach von moderner Erpressung. Auf juristischer Ebene ist von Marktmissbrauch, Verstößen gegen das Urheberrechte und Aushöhlung der Pressefreiheit die Rede. Das waren die Argumente, die die "Süddeutsche Zeitung", der Werbevermarkter IP Deutschland und der TV-Sender ProSiebenSat1 vor dem Oberlandesgericht München vorgebracht hatten. Vergebens.

Nun ist der finanzielle Verlust für Verlage und Vermarkter zwar spürbar, doch der Blick aufs Geld verdrängt das eigentliche Problem: Die Nutzer wollen von aufdringlicher und störender Werbung nicht belästigt werden. Doch wie positiv kann Werbung überhaupt wirken, wenn sie gehasst wird?

Nun gibt es ja seit über einem Jahr den Industrieverband Coalition for Better Ads, der "begehrte Werbeformate"  finden soll, die dazu führen, die Adblocker-Rate zu senken. Pop-Ups, Autoplay-Videos mit Ton, Vorschaltseiten mit Countdown und große Werbebanner zählen definitiv nicht dazu, wie eine Umfrage des Industrieverbands unter 25.000 Nutzern ergeben hat. 

Effektive Werbealternativen

Doch wo sind die Alternativen? Intelligentes Storytelling beispielsweise, das die Neugier der Nutzer anspricht, ist die stärkste Option, die Kreativen zur Verfügung steht. Dass das funktioniert, zeigen all die viralen Hits, die immer wieder durchs Netz wabern.

Content Marketing ist eine weitere effiziente Werbemöglichkeit, die auch Verlage zu ihrem Vorteil nutzen können. Die Inhalte-Empfehlungs-Agentur Outbrain beispielsweise zeigt, welche Möglichkeiten der Vermarktung es gibt. Die Idee ist bestechend einfach: Der Leser interessiert sich für ein bestimmtes Thema, z.B. Auto-Tests oder Garten-Tipps. Damit lässt sich basierend auf dem Interesse des Leser eine Lese-Empfehlung ausspielen, die zum Interesse des Nutzers passt – sei es als Bildergalerie, sei es als Text oder Video. Der Vorteil: Die Aufmerksamkeit ist hoch, höher als sie es bei anderen Werbeformen wie zum Beispiel einem Banner am Seitenrand (Desktop) ist. Zudem ist dieses Werbeformat auch für Mobile bestens geeignet.

Und natürlich sind auch "Stories" auf Instagram, Snapchat und Co bei Werbungtreibenden sehr beliebt. Hier müssen sich Verlage überlegen, wie sie dieses Format für ihre Bedürfnisse adaptieren können, um ein Stück vom Werbekuchen abzubekommen, das derzeit Facebook und Snap einheimsen.

Vielleicht wäre es daher sinnvoller, kein weiteres Geld in Klagen gegen Adblocker zu stecken und damit weiteres Geld zu verlieren, sondern die finanziellen Mittel lieber in neue Werbe- und Kommunikationsformen zu investieren. Und so den Nutzer und die Werbewirtschaft glücklich machen.                               

Ad-Blocker-Streit: Investiert euer Geld besser in neue Werbeformen

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!