Jan Brockmann, Metapeople
Jan Brockmann, Metapeople © Foto:Metapeople

F8-Entwicklerkonferenz | | von einem Gastautor

5 Neuerungen, die ich Facebook jetzt zutraue

Facebook lädt in dieser Woche zu seiner jährlichen Entwicklerkonferenz F8 ins Fort Mason Center in San Francisco ein. Doch auch Marketingexperten, Werbungtreibende und Verlage sind gespannt auf die Ankündigungen, die traditionell auf dieser Veranstaltung stattfinden. Jan Brockmann, Director of Operations bei der Duisburger Performance-Agentur Metapeople, wagt den Blick in die Glaskugel. So geben die an beiden Tagen der F8-Konferenz geplanten Sessions "Messenger: Connecting People and Businesses" und "Messenger: The Future of Communications" Anlass zur Vermutung, dass sich beim viel diskutierten Punkt "Werbung im Facebook Messenger" etwas tut.

Die fünf wichtigsten Themen:

1. Der Facebook Messenger unterstützt den Echtzeit-Support

Sehr wahrscheinlich wird in San Francisco die halbautomatisierte Verbreitung von Publisher-Beiträgen über den Facebook Messenger angekündigt. Denn in der eigenständigen Messenger-App laufen bereits seit einigen Wochen entsprechende Tests mit Verlagshäusern. In Deutschland etwa mit der "Bild"-Zeitung, die darüber Artikel-Teaser mit einem Link zum externen Inhalt verschickt. Auch für die Instant Articles von Medien, die komplett auf Facebook erscheinen, wäre der Messenger mit seinen mittlerweile über 800 Millionen Nutzern ein attraktiver Distributionskanal. Und wenn zwischen den Nachrichten gesponserte Beiträge eingeblendet würden, die sich die Publisher von den Werbekunden bezahlen lassen, gäbe es auch ein für beide Seiten lukratives Finanzierungsmodell.

Wahrscheinlicher als eine Ankündigung von direkten Werbemöglichkeiten ist aber, dass der Messenger künftig als Support-Kanal genutzt werden kann. Indem Unternehmen beispielsweise direkt mit Kunden chatten und deren Fragen beantworten. Seit Kurzem erlaubt es eine Entwicklerschnittstelle, Chat Bots für den Messenger zu entwickeln. Also Systeme, die automatisch auf den Input der Anwender reagieren und beispielsweise Bestellungen annehmen, Restauranttische reservieren oder Flüge umbuchen.

Für die Verbraucher würde das bedeuten, dass sie ohne Umwege direkt im gewohnten Umfeld Kontakt mit einer Marke aufnehmen können und über den gleichen Weg eine kompetente Antwort erhalten. Was aber für die Serviceabteilungen der Unternehmen eine ziemliche Herausforderung darstellt. Denn ein solcher Echtzeit-Support ist mit der Telefon-Hotline vergleichbar und erfordert erhebliche personelle und technische Ressourcen für eine qualifizierte Abwicklung.

2. Der Messenger bekommt einen eigenen Bot Store

Auf der F8-Konferenz könnte ein eigener Bot-Store für den Messenger angekündigt werden. Ähnlich wie bei den populären Messengern Slack oder Telegram könnte der Messenger mit weiteren Funktionen ausgestattet werden, wie es in den USA beispielsweise mit der Integration von Mobile Payments oder Uber bereits Realität ist. Ein Beispiel für diese Art der automatisierten Kommunikation im Messenger zeigt der News-Dienst Quartz. Dieser demonstriert, dass durchdachte Konzeption und technische Umsetzung sinnvolle kontextsensitive, aber automatisierte Push-Nachrichten erzeugen kann. So entwickelt sich Messaging vom Kommunikationsinstrument zur Plattform.

3. Schnittstellen zum CRM-System und mehr Personalisierung

Nervige Werbung wird es wahrscheinlich auch in Zukunft nicht im Facebook Messenger geben. Kunden, die hierüber wegen Service-Fragen mit einem Unternehmen in Kontakt getreten sind, könnten so aber nützliche Angebote erhalten. Dies geschieht dann nach dem Motto: "Sie hatten sich kürzlich über unser Produkt XY informiert. Es ist jetzt wieder im Online Store verfügbar". Kunden können so direkt über Änderungen informiert werden, während Unternehmen die Chance haben sich ein direktes Feedback ihrer Kunden einzuholen.

Über Schnittstellen zum eigenen CRM-System könnten solche Kunden anhand ihrer Facebook-ID identifiziert und Clustern zugeordnet werden. Bei einer späteren Werbeausspielung auf Facebook selbst, wäre das eine ideale Datenbasis für personalisierte Angebote an diese Kunden. Voraussetzung dafür ist, dass die Benutzerdaten aus den unterschiedlichen Plattformen in der Facebook-Welt – von den Fan-Pages über die Messenger-App, Whatsapp und Instagram bis hin zu Atlas, LiveRail oder Internet.org stärker miteinander verzahnt werden und – selbstverständlich unter Einhaltung sämtlicher Datenschutz-Aspekte – leichter ausgetauscht und für die Werbung genutzt werden können. Längerfristiges Ziel muss hier eine Vereinfachung des administrativen Aufwands sein. Denn der ist heute immer noch zu hoch.

4. Business-Anwendungen für Whatsapp und Instagram?

Bei den Zukäufen Whatsapp und Instagram werden weitere Schritte in Richtung Professionalisierung erwartet. So könnte es erste Schritte zu einer echten Werbeform auf Whatsapp geben, mit der die bisher möglichen Broadcasting-Gruppen von Unternehmen ergänzt werden. Bei Instagram wird es langsam Zeit für spezielle Unternehmens-Accounts mit zusätzlichen Features und ein Algorithmus, der auf Basis des Benutzerverhaltens und von Interessen die Anzeige von Fotos steuert, wäre angesichts des immer größer werdenden Bilderstroms ebenfalls eine Möglichkeit. Allerdings schätzen auch viele Nutzer die lineare und ungefilterte Anzeige der Aufnahmen.

5. Atlas wird vom Measurement-Tool zum Adserver

Weitere Vermutungen zur diesjährigen Entwicklerkonferenz betreffen die Atlas-Plattform, mit der Facebook Werbekunden die Möglichkeit bietet, Kampagnen über Geräte- und Browsergrenzen hinweg auszuliefern und deren Erfolg zu messen. Sie wird vermutlich um einige neue Funktionen erweitert, wie zum Beispiel das Ausliefern von Video-Anzeigen. Auch sollen Online-Werbeausgaben besser mit Offline-Käufen in Beziehung gesetzt werden können. So wird Atlas vom Measurement-Tool zum Adserver, über den man auch Medialeistungen direkt buchen kann.

Was sich tatsächlich verändert, werden wir in den nächsten Tagen erfahren.

Jan Brockmann ist Director of Operations bei  Metapeople, der in Duisburg ansässigen Agentur für Performance-Marketing. Bereits 2008 stieß er zu dem Team und war in den folgenden Jahren als Teamleiter strategischer Ansprechpartner für viele namhafte Kunden. 2014 ist er außerdem ins Management aufgerückt, wo er nun den Bereich Paid Media verantwortet.

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