Der Abschiedsbrief von Shahak Shapira.
Der Abschiedsbrief von Shahak Shapira. © Foto:Shapira

Shahak Shapira | | von W&V Redaktion

2,5 Mio. Views: #Yolocaust-Aktion wird wegen Erfolg beendet

Der Autor Shahak Shapira, der Selfies auf dem Berliner Holocaust-Mahnmal mit Bildern aus den deutschen Vernichtungslagern verknüpft hat, stellt seine "Yolocaust"-Aktion nach einer Woche wieder ein. Eine Sprecherin sagte am Freitag, Shapira habe die Fotos aus dem Netz genommen. Nach Angaben Shapiras sei die Seite, auf der er das Verhalten von Mahnmal-Besuchern aufgespießt hatte, von mehr als 2,5 Millionen Menschen gesehen worden. Die zwölf Menschen, die auf den Selfies abgebildet gewesen seien, hätten sich inzwischen bei ihm gemeldet. Die meisten hätten entschieden, die Fotos von ihren Facebook- oder Instagram-Profilen zu löschen.

So habe ihm ein junger Mann, der ein Bild mit dem Titel "Auf toten Juden herumhüpfen" ins Netz gestellt hatte, sich dafür entschuldigt. "Ich wollte niemanden beleidigen. Nun sehe ich meine eigenen Worte in den Nachrichten", habe er geschrieben. Über Shapiras Projekt hatten Medien weltweit berichtet.

Außerdem hatte Shapira eine Diskussion darüber angestoßen, wie wir in heutigen Zeiten eine angemessene Erinnerungskultur pflegen. Der Kulturjournalist Fabian Wolff etwa vermisst den Erkenntnisgewinn. Chajm Guski, der als Kommentator für die "Jüdische Allgemeine" arbeitet, empfindet den Zuspruch für Shapira als "Gratismut". Historische Bilder aus den Konzentrationslagern für "drastische Satire" zu verwenden, hält Guski generell für heikel. Zuspruch erhält der junge Israeli, der in Berlin lebt, dagegen von Samira Lazarovic: "Darf man das einfach? Ja. Denn Shapira ersetzt gar nicht den Diskurs, das Einordnen und Mitnehmen der jungen Generation, er stößt das alles nur noch einmal an," schreibt sie bei "Carta".

Auf der Website hatte Shapira Fotos aus sozialen Medien zusammengestellt, auf denen zumeist junge Touristen am Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin fröhlich posieren. Bewegte man den Mauszeiger über die Bilder, wurden die Protagonisten in Bilder aus Vernichtungslagern montiert. So hüpften, turnten und tanzten die Touristen nicht mehr auf dem Mahnmal herum, sondern optisch auf ermordeten Opfern der Nazis.

So sah das aus:

 

am/dpa

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