Reputation Management | | von Annette Mattgey

Warum Bettina Wulffs Sieg gegen Google trotzdem eine Niederlage ist

Oberflächlich betrachtet sieht es aus wie ein Erfolg:Google löschte einige der von Bettina Wulff beanstandeten Suchresultate, die unwahre Gerüchte über ihre Vergangenheit kolportieren. Dass es lediglich ein Pyrrhussieg war, meint dagegen Hans-Joachim Gras, Berater für Online-Reputation-Management aus der Kieler Agentur New Communication, und erläutert, was Unternehmen daraus lernen können.

Google macht wie erwartet nur das Unvermeidliche: Die Mutter aller Suchmaschinen entfernt lediglich Links zu Beiträgen mit nachweislich falschen Tatsachenbehauptungen. Aus Sicht von Bettina Wulff geht dies jedoch am Kern des Problems vorbei. Denn das sich selbst erhaltende Gerücht über ihre Vergangenheit nährt sich gerade nicht aus Tatsachenbehauptungen, sondern aus Spekulationen. Und aus Vorschlägen, die Google selbst für die Suche macht (Google Suggest).

Googles Argumentation war vorhersehbar, ist jedoch widersprüchlich. Es heißt, Google Suggest spiegele nur das Suchverhalten der Nutzer wider. Schaut man sich das Suchverhalten in den letzten Wochen mit Google Trends näher an, so zeigt sich, dass z.B. die Suchworte „Escort“ oder „Prostituierte“ gar nicht mehr zu den beliebtesten Kombinationen gehören (siehe unten). Googelt man jedoch heute „Bettina Wulff“, schlägt die Suchmaschine weiterhin genau diese Worte vor:

 

Gegenüber Einzelpersonen und mittelständischen Unternehmen sitzt Google aber immer am längeren Hebel. Rechtstreitigkeiten kosten viel Geld, Zeit und haben einen ungewissen Ausgang. Hier sind meines Erachtens Aufsichtsbehörden und Politik gefragt.

Betroffenen Unternehmen rate ich zu einem pragmatischeren Umgang mit dem Problem:

1.            Schaffen Sie ein mediales Gegengewicht zu den unerwünschten Inhalten

2.            Haben Sie Geduld

Wenn sich das Suchverhalten der Massen ändert, ändern sich in der Regel auch die Vorschläge von Google Suggest. Mit rein technischen Mitteln lässt sich nur sehr behutsam etwas ausrichten. Intelligente Kampagnen, die darauf abzielen, Suchanfragen zu generieren, können recht schnell Wirkung zeigen. In jedem Fall kostet der Kampf gegen die virtuellen Gerüchte Geld.

Manchmal ist auch Abwarten eine probate Strategie. Im Falle von Frau Wulff war das Interesse tatsächlich schon längst abgeklungen (siehe Google Trends unten). Jede weitere Meldung zu dem Thema kann das Interesse aber potenziell wieder anfachen – und somit auch in den Suchmaschinen-Indizes aktuell halten. Und das heizt erst recht den digitalen Streisand-Effekt an.


Hans-Joachim Gras, Berater für Online-Reputation-Management bei der Werbe- und Marketing-Agentur New Communication, ist studierter Betriebswirt und Wirtschaftsinformatiker sowie Autor der Studienreihe „Wie Filialisten im Internet bewertet werden“. Mit seinem Reputation Control Team analysiert und optimiert er die Online-Reputation von Marken und Unternehmen. Gleichzeitig ist er Autor des Reputation-Management-Blogs, Moderator der XING-Gruppe „Reputation“ und Referent auf zahlreichen Fachkongressen und Symposien.

Warum Bettina Wulffs Sieg gegen Google trotzdem eine Niederlage ist

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!

(1) Leserkommentar

Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

* Pflichtfeld
** Pflichtfeld, wird nicht veröffentlicht