Aufreger der Woche | | von Irmela Schwab

Zwischen Twitter-Skepsis und Big Data-Hype

Na gut, hat sich Tim Cook angesichts der Medienschelte gedacht, die bei der Vorstellung seiner letzten beiden iPhones über Apple hereinbrach. Da hätte man doch mehr erwarten dürfen, maulte die Branche. Mit dem Plastiktelefon, wie das iPhone 5C verächtlich bezeichnet wird, hätte man ruhig neue Zielgruppen erschließen können, indem man es unter 200 Dollar angeboten hätte. Die Kritiker hatten schon recht: Schließlich verliert Apple langsam aber sicher Marktanteile gegen Android-Phones. Das wurmt auch Cook, der nun zumindest Abstriche beim iPad vornimmt. Neben dem neuen iPad Air gibt es nun die erwünschte Billigvariante: Das iPad Mini, das letztes Jahr herauskam, kommt für 299 Dollar in den Handel. Dazu gibt es einen Gratiszugang zu allen iWork-Programmen, für diejenigen, die sich zum Kauf eines Mini entscheiden. Cook nennt das die “bisher größte iPad-Verkündigung”.

Tatsächlich hätten es iPad & Co. diese Woche wohl geschafft, damit wohl zum heißesten Gesprächsthema zu werden -  in einem Atemzug mit Twitters Börsengang. Der Kurznachrichten-Dienst will seine Aktien am 15. November nun zwischen 17 und 20 Dollar anbieten. Insgesamt wird das Unternehmen auf ingesamt 11,1 Milliarden Dollar geschätzt. Das ist weniger als Groupon und Facebook: Während die Daily Deal-Seite 2011 mit 12,9 Milliarden Dollar antrat, waren es beim Social Network im vergangenen Jahr 81,2 Millarden Dollar. Wie Twitters Entwicklungschancen stehen, wird derzeit eifrig diskutiert. Die meisten Presseberichte stimmen allerdings einen Abgesang an. Auch Digital Leader Dominik Frings findet, dass Twitter mit seinen weltweit knapp 200 Millionen plus-Nutzern einfach nicht genug Relevanz habe.

Relevant dagegen ist  - und damit hat es das Ereignis auch zum Aufreger Nummer eins der Woche geschafft, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel zum grotesken Vorzeige-Case wird, was man mit iPhone, iPad, Twitter & Co - kurz der gesamten Technologie - alles so anstellen kann: Etwas, das ursprünglich sicherlich nicht im Sinne des Erfinders war. Denn nachdem die Bundeskanlerzin noch im Juli noch sicher dabei war, dass die National Security Agency (NSA) im Rahmen des Spitzelprogramms Prism nicht sie persönlich überwacht habe, enthüllte nun der “Spiegel” das Gegenteil. Aus den Recherchen des Magazins geht hervor, dass Merkel auf ihrem Parteihandy belauscht wurde, das nicht vom zuständigen Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) als abhörsicher eingestuft wurde.  

Die NSA ist ganz offenbar dem Rausch von Big Data verfallen - genauso wie die Teilnehmer der Teradata Partners Conference & Expo in Dallas: Dort kamen rund 3500 internationale Experten aus IT und Marketing zusammen. Der Grundtenor: Je mehr man über den Konsumenten weiß, desto besser. Darin scheinen sich Wirtschaft und Politik ausnahmsweise mal wieder einig zu sein.

Zwischen Twitter-Skepsis und Big Data-Hype

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