Wochenrückblick | | von Frederik Birghan

Zwischen Angst und Attacke

Der Suchmaschinenkonzern Google beteuert in Gestalt seiner Vorderen ja gern, die Firma wolle "nicht böse" sein. Larry Page etwa, so erzählen Mitarbeiter gern, sei von der Ausbildung an einer Montessori-Schule geprägt. Außenstehende sehen das zum Teil ganz anders. Springer-Vorstand Mathias Döpfner gestand diese Woche: "Wir haben Angst vor Google." Das US-Unternehmen sei inzwischen ein "globales Netzmonopol". Die Europäische Kommission zeige sich diesem Problem nicht gewachsen. Mehr noch: Mit dem Zukauf eines Drohnen-Entwicklers sei Google bald in der Lage einen exterritorialen "Supra-Staat" zu errichten, malt Döpfner schwarz (hier der Brief im Wortlaut). Andere vermuten eher, dass die Herren in Mountain View damit die Netzversorgung in entlegenen Weltgegenden vorantreiben wollten. Also doch nicht so böse?

Im Silicon Valley jedenfalls mehren sich Attacken auf Träger der Datenbrille Google Glass, die diese Woche offiziell auf den US-Markt kam: Zuletzt traf es einen Blogger: Eine Frau riss ihm die Brille vom Gesicht und schmetterte sie zu Boden. Die Attacke hat wohl mehr damit zu tun, dass die gut bezahlten Angestellten der digitalen Branche andere Einwohner aus Stadtvierteln verdrängen – Stichwort Gentrifizierung – und weniger mit Überwachungsängsten (auch wenn in den USA die anfängliche Begeisterung inzwischen in Skepsis umgeschlagen hat). Ob ähnliche Angriffe in deutschen Großstädten auf Zahnärzte und Anwälte hülfe? Analoge Brillengestelle hätten, da wette ich, einfach nicht diesen viralen Drive...

Bei den Anlegern konnte Google durch seine veröffentlichten Quartalszahlen auch nicht punkten: Zwar stiegen Umsatz (plus 19 Prozent auf 15,42 Milliarden Dollar) und Gewinn auf 3,45 Milliarden Dollar. Doch Börsianer fanden das zu mickrig und sorgten für eine Abwertung der Anteilsscheine um rund drei Prozent. Das Unternehmen dagegen betonte, langfristig zu investieren und zu planen. Übernahmen wie die von Nest für 3,2 Milliarden Dollar hätten einmalige negative Effekte verursacht. Zugleich laufe der Verkauf von Motorola an Lenovo. Analysten sorgte eher der sinkende Anzeigenpreis und die fehlenden Antworten auf den mobilen Boom.

Immer noch ein Thema: Die Sicherheitslücke "Heartbleed". Wer dies völlig hysterisch fand, wie der Leser der "Washington Post", und seine Passwörter verriet, wurde zügig eines besseren belehrt. Andere sollen sich im Gewirr neuer Passworte und Anmeldernamen schon verirrt haben. Hotlines jedenfalls dürften Konjunktur haben.

Gute und schlechte Nachrichten gab es für die Freunde virtueller Währungen. Die schlechte zuerst: Mit der endgültigen Aufgabe der Bitcoin-Börse Mt. Box dürfte diese Digital-Währung erst mal erledigt sein. Die gute Nachricht wäre, dass Facebook was vorhat: Immerhin wurde eine Bank-Lizenz beantragt! Kann zwar alles mögliche bedeuten, aber Freunde virtueller Währungen haben eben auch virtuelle Visionen...

Zwischen Angst und Attacke

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