iPad | | von Annette Mattgey

Zweischneidige Sache: Kinder mit dem iPad in der Hand

Sind iPads besser oder schlechter als TV-Konsum für Kinder? Diese Frage beschäftigt die Wisenschaftler nicht nur in den USA, wo mehr als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen Zugang zu einem iPad, iPhone oder ähnlichem hat. In Deutschland widmet sich etwa morgen eine Veranstaltung in Hamburg dem Thema "Das digitalisierte Kinderzimmer".   Einer der Gäste, Professor Dieter Braus, hat sich bereits ausführlich dazu geäußert: Aufgrund der noch nicht vollständig ausgebildeten Hirnstruktur hat ein zehnjähriges Kind  noch große Schwierigkeiten, eine virtuelle Welt von der eigenen zu unterscheiden. Lernvorgänge sind an soziale Komponenten geknüpft, z.B. dass jemand eine Geschichte persönlich vorliest. Da können Fernsehen und Computer nicht mithalten: "Die Zeit, die das wache kleine Kind mit Medien verbringt, hat dagegen keinen relevanten Lerneffekt."

Differenzierter betrachten allerdings amerikanische Kinderneurologen die Wirkung des iPads auf Kinder. Der Psychologie-Professor Daniel Anderson hat herausgefunden, dass Kinder während einer Stunde TV-Konsum bis zu 150mal wegschauen. Außerdem haben sie Schwierigkeiten, wo genau sie auf dem Bildschirm hinsehen sollen. Eine gut designte iPad-App bezieht das Kind besser ein, weil die Fläche, wo es darauf tippt, und die, wo etwas passiert, übereinstimmen. Forscher hoffen daher, dass das Gerät Kindern beim Lernen hilft. Eine Studie an Vier- bis Siebenjährigen hat gezeigt, dass sie in einem Vokabeltest besser abschnitten, nachdem sie via App geübt haben. Ihr Vorsprung lag etwa bei  27 Prozent.

Viele Studien gibt es noch nicht: Das iPad wird seit zwei Jahren verkauft, wissenschaftliche Arbeiten brauchen oft drei bis fünf Jahre, um die Wirkung von Medien auf die Entwicklung von Kindern fundiert untersuchen zu können. Dabei wäre das dringend geboten: Denn das iPad ermöglicht Kleinkindern so früh wie noch nie zuvor Zugang zu einem technischen Gerät - schon bevor sie eine Maus bedienen oder einen Joystick halten können.

"Bedauerlicherweise machen Eltern mit kleinen Kindern gerade ein Echtzeit-Experiment mit", sagt Entwicklungspsychologin Glenda Revelle. Die einen teilen es mit ihren Kindern und erlauben den Zugang zu bestimmten Apps als Lernprogramme. Andere verbieten es ganz oder nutzen es nur bei langen Autofahrten als Unterhaltungsprogramm.

Ängste haben die Eltern vor allem in zweierlei Hinsicht: dass das Tablet den Nachwuchs zu Stubenhockern macht und ihre soziale Kompetenz einschränkt. Unsicher sind sie auch, wie das Gerät das Gehirn beeinflusst. Binnen der ersten drei Lebensjahre baut sich das Gehirn von 2500 Synapsen auf 15.000 auf. Je mehr in dieser Zeit ferngesehen wird, desto höher die Gefahr von Aufmerksamkeitsdefiziten, sagt Kinderarzt Dimitri Christakis. Das iPad, fürchtet er, könne genauso oder sogar noch stärker bei Kleinkindern wirken: "Eine der Stärken des iPads - seine Interaktivität - könnte gleichzeitig seine Schwäche sein."

39 Prozent aller Zwei- bis Vierjährigen und 52 Prozent aller Fünf- bis Achtjährigen hatten schon mal ein Mobilgerät in der Hand, um zu spielen, Videos anzusehen oder andere Apps zu nutzen, ermittelte die Organisation Common Sense.

Zweischneidige Sache: Kinder mit dem iPad in der Hand

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