SXSW | | von Annette Mattgey

Zukunftsvision: Wenn die Wearables unter die Haut gehen

In jeder Hinsicht heißer als auf der Cebit ging es diese Woche in Austin, Texas, zu. Das SXSW (South by Southwest) versammelt traditionell nicht nur Anzugträger, sondern Kreative, Musiker und Gründerpersönlichkeiten. Die politischeren Töne waren in diesem Jahr wieder deutlicher zu hören, erzählt Adrian Rosenthal, Head of Digital and Social Media bei MSL Germany im LEAD digital-Interview. Ihn haben vor allem die Zukunftsaussichten der Wearables fasziniert.

Haben Sie dort "The Next Big Thing" gefunden?

Wie auch schon in den letzten zwei bis drei Jahren gab es auch 2014 keinen Trend, keine Innovation und auch keine neue Plattform, die als The Next Big Thing in die Annalen der SXSW eingehen wird. Vielmehr haben die Trends des letzten Jahres auch dieses Mal wieder einen Löwenanteil der mehr als 1.000 Sessions eingenommen: Storytelling & Content-Marketing,Wearables & Quantified Self oder Big Data. Alle diese Bereiche wurden jedoch in neuer Tiefe und Breite als noch vergangenes Jahr diskutiert.

Welches Thema haben Sie in Austin dieses Jahr besonders intensiv verfolgt?

Ich habe versucht, jeden Tag mindestens eine Veranstaltung zum Thema Wearables, von denen es täglich mehrere gab, anzuschauen – und auch einige Devices auf der angeschlossenen Trade Show unter die Lupe zu nehmen. Ich nutze selber seit einigen Monaten ein Nike Fuelband und bin fasziniert von Quantified Self, kam mir damit aber fast schon altmodisch vor. Andy Goodman sprach in einem der Talks zum Thema bereits von Embedabbles, also Devices, die im Körper sitzen und mit Blick auf das Thema Mobile Health natürlich noch einmal ganz andere Perspektiven eröffnen. Zudem habe ich mir die Smartwatch Pebble besorgt, die ich mir in den nächsten Tagen genauer angucken werde.

Was hat sie vor Ort überrascht?

Zum Interactive-Teil der SXSW kommen mittlerweile Teilnehmer aus der ganzen Welt. Auch wenn die großen Platzhirsche – seien es Facebook, Paypal oder Yahoo – nach wie vor aus den USA kommen, ist es immer wieder interessant zu sehen, wie es trotz der immer weiter voranschreitenden digitalen Vernetzung von Land zu Land bzw. Region zu Region immer noch Unterschiede gibt. Xing zum Beispiel, dieses Jahr einer der Partner des German Haus auf der SXSW, ist nach wie vor das stärkste Business-Netzwerk in Deutschland. Besonders fällt dies bei den mobilen Messenger Apps auf. Während Whatsapp in Deutschland mit mehr als 30 Millionen Nutzern immer noch dominiert, spielt der Dienst in den USA eher eine kleinere Rolle. In Asien sind hingegen Dienste wie Line und WeChat beliebt. Wir waren mit fast 40 Kollegen aus der ganzen Welt vor Ort und hatten natürlich die Herausforderung, uns auch hier ständig austauschen zu können – und haben schließlich auf Whatsapp gesetzt, weil dies doch von der Mehrheit genutzt wird.

Warum ist es für sie wichtig, in Austin zu sein?

Die Welt wird immer digitaler, das ist nun wirklich kein Geheimnis mehr. Die SXSW ist dabei der ideale Ort, um eben diese fortschreitende Digitalisierung der Kommunikation und auch von Produkten zu beobachten und zu diskutieren, die neuesten Trends unter die Lupe zu nehmen, Tools und Plattformen auszuprobieren. Und sich vor allem auch – mit Hilfe virtueller Tools – direkt in Austin mit Gleichgesinnten zu vernetzen. Dieses Jahr haben sich mehr als 150 deutsche Teilnehmer in einer Facebook-Gruppe versammelt und sich ausgetauscht, von denen viele sogar zusammen in eigens angemieteten Häusern wohnten. Und da auch viele Kunden vor Ort sind, haben wir als Agentur gleich das globale Meeting der Digital-Experten der MSL Group vor Ort abgehalten, das einen Tag vor der SXSW stattfand. Danach konnten wir direkt auf der SXSW perfekt die Inhalte unserer Workshops vertiefen.

Welche Persönlichkeit hat Sie am stärksten beeindruckt?

Geht es nach dem Buzz in sozialen Netzwerken, haben mit Edward Snowden und Julian Assange zwei Personen, die nicht vor Ort, sondern nur per Livestream zugeschaltet waren, den meisten Buzz erzeugt. Mir selber bleiben vor allem zwei Sessions in Erinnerung: Brandon Stanton, der über sein (mittlerweile auch in Buchform erhältliches) Blog Humans of New York sprach, von dem ich schon lange ein Fan bin, da es tolles visuelles Storytelling ist. Sein Motto kann man daher auch ganz einfach zusammenfassen: It’s the story, stupid! Zudem die Keynote vom Astrophysiker Neil deGrasse Tyson, der einfach unglaublich unterhaltsam inspirieren kann. Und natürlich beeindruckt mich die unvermeidliche Grumpy Cat immer wieder nachhaltig.

Mehr Anonymität oder mehr Offenheit – wohin tendiert die Digital-Szene auf der SXSW?

Ich würde sagen, dass es in beide Richtungen geht. Auf der einen Seite werden immer mehr Daten eingesammelt – und gerade auch im Kontext des Self-Trackings stellen immer mehr Leute ihre Daten zur Verfügung uns ins Netz. Auf der anderen Seite hat eine gewisse Sensibilisierung beim Thema Datenschutz und dem Umgang mit den eigenen Daten stattgefunden, auf jeden Fall mehr als in den vergangenen Jahren. Das ist im Zuge der Geschichte um Edward Snowden natürlich nicht überraschend.

Ihr Ausblick auf nächstes Jahr – und werden Sie wieder dabei sein?

Der Interactive-Teil wird weiter wachsen und stärker werden - und es scheinen auch immer mehr Teilnehmer aus Deutschland zu kommen. Zudem hat die diesjährige SXSW nicht nur im Kontext der Snowden-Affäre deutliche politischer Untertöne, ob zu Datenschutz oder digitalen Bürgerrechten, als zuletzt bekommen, die auch noch einmal von Bruce Sterling in seiner Abschlussrede thematisiert wurden. 2015 werde ich definitiv wieder dabei sein. Die SXSW ist bei mir inzwischen fester Bestandteil des Terminkalenders, da ich nirgends so eine Mischung aus thematischer Breite und Tiefe, Networking und Inspiration bekomme wie hier. Nur das Wetter muss wieder besser werden als dieses Jahr.

Adrian Rosenthal leitet als Head of Digital and Social Media die standortübergreifende Digital-Practice von MSL Germany und war dieses Jahr  zum dritten Mal auf der SXSW.

Zukunftsvision: Wenn die Wearables unter die Haut gehen

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