Mobilegeeks | | von Annette Mattgey

Zahlt Google 25 Millionen Dollar an Adblock Plus?

Mit neuen Vorwürfen legt Sascha Pallenberg, Betreiber des Blogs Mobilegeeks, gegen Adblock Plus nach. Vermutungen, dass man sich von der Blockade durch die Werbefilter-Software freikaufen könnte, gab es schon lange. Im vergangenen Jahr kochte die Debatte hoch, als sich verschiedene Medienhäuser zusammengeschlossen hatten, um eine Kampagne gegen die Verwendung von Werbeblockern zu starten. Schon damals offenbarten einige Website-Betreiber, dass sie unmoralische Angebote von Eyeo bekommen hätten, wie sie die Blockade umgehen und als "Acceptable Ads" gelistet werden können. Eyeo ist das Unternehmen, das hinter AdBlock Plus steht. Nach außen gibt sich Adblock Plus den Anschein, die Acceptable-Ads-Initiative sei eine nutzergesteuerte Bewertung von Werbeformaten, die dazu führt, dass nur wenig störende Onlinewerbung durch den Filter gelassen wird.

Doch nicht allein die Art der Werbung entscheidet, wer auf dieser White List erscheint, sondern offenbar auch die Finanzen, wie Pallenberg schreibt. 148 Firmen und Internetseiten sind derzeit als Adblock-Plus-Partner aufgeführt, darunter etwa web.de, gmx.de und smartshopping.com. Und auch Google zählt seit vergangenem Jahr zu den "Auserwählten". Kein Wunder, dass bei Google das Interesse groß war, schätzt man doch Googles Einnahmenverluste durch Werbeblocker auf 887 Millionen Dollar. "Die Aufnahmeprozedur im angeblich benutzerkontrollierten Forum glich dabei einer Farce sondergleichen", schreibt Pallenberg. Von größeren Unternehmen verlange Adblock Plus eine Art Aufwandsentschädigung zur Pflege der Whitelist. Aus nicht näher genannten Quellen will Pallenberg erfahren haben, dass der Obulus, den Google für die Freischaltung bei Adblock Plus abdrücken muss, bei 25 Millionen Dollar liegt. Auch Amazon und Yahoo sollen unter den Geldgebern sein.

Pallenberg wartet außerdem mit einigen anderen pikanten Details auf: Bei automatisierten Updates des Adblockers seien die Voreinstellungen der Nutzer einfach frech überschrieben worden. Sie hatten vorher das Anzeigen der Acceptable Ads manuell ausgeschaltet. Nun bekommen sie ungefragt wieder die ungewünschte Werbung auf den Bildschirm.

Ob sich durch seine Wühlarbeit etwas ändert und Verlage, Agenturen und Website-Betreiber sich zur Wehr setzen, bezweifelt Pallenberg.

Seine Prognosen (hier in Auszügen) sind eher düster:

Prognose Nummer 1: Es wird sich gar nichts ändern, Adblock Plus kann weitermachen wie bisher. Offenbar haben alle großen, relevanten Werbeagenturen und Vermarkter und ihre Fachverbände weder die Eier noch das Personal noch den finanziellen Druck, irgendetwas am "Problem Adblocker" zu ändern.

Prognose Nummer 2: Die letztendlich Gearschten sind die Benutzer, die entweder weiterhin all die hippen und angeblich so conversionsstarken Blinkebanner präsentiert bekommen oder aber in Zukunft mit ihrem Adblocker gegen jede Menge Paywalls und andere Nickeligkeiten laufen.

Prognose Nummer 3: Die Betreiber der kleineren und mittelgroßen Internetseiten, denen gar nichts anderes übrig bleibt, als diese Blinke-Werbung anzuzeigen - weil ihnen die Agenturen und Restplatzvermarkter gar nichts anderes anbieten - werden in Scharen zur großen Tante Google wechseln und versuchen, ein paar irgendwo platzierte Textlinks in den Acceptable Ads zu platzieren. Spätestens dann hat sich Googles Investment in Adblock Plus gelohnt.

Prognose Nummer 4: Richtig gearscht sind aber auch die eigentlichen Werbekunden, die Jahr für Jahr Milliarde um Milliarde in ihre Werbeetats pumpen, die dann geblockt und ungesehen im abgezweigten und auf Conversion getunten Agentur-Budget versickern.

Prognose Nummer 5: Liebe Journalisten, liebe Blogger, liebe Fotografen und Filmer. Ihr seid die Content-Lieferanten im Internet, ohne euch geht gar nichts. Neben euren Texten, Bildern und Videos - gekennzeichnet mit eurem Namen - stehen die Werbeanzeigen. Wenn ihr euch selbst vermarktet, dann hört auf, euch zu prostituieren. Spielt nicht mit den Schmuddelkindern, arbeitet mit und nicht gegen eure Leser. Bildet Kooperationen, gebt einander Tipps. Die Währung der kommenden Jahre heißt Reputation - wenn ihr die verspielt, ist's vorbei mit der Karriere.

Prognose Nummer 6: Liebe Verlage. Schließt euch zusammen, bildet ebenfalls Vermarktungs-Kooperationen, werdet euch endlich darüber einig, was Texte, Bilder und Videos im Internet heute wert sind. Hört auf, euch von irgendwelchen Restplatz- und Real-Time-Vermarktern für die Schönung der agenturinternen Traffic-Statistik missbrauchen zu lassen.

Welche Geheimnisse Pallenberg noch ausgegraben hat, lesen Sie hier in seinem aktuellen Blogbeitrag bei Mobilegeeks.

Adblock Plus regiert auf Pallenbergs Anschuldigungen mit folgendem Statement:

"Wie wir auf unserer Webseite ausführlich erklären, zahlen einige Teilnehmer unserer Acceptable Ads Initiative eine Gebühr. Über die genaue Höhe dieser Gebühr machen wir keine Angaben.
Wir haben seit der Einführung unseres Programms über dessen Inhalte und die finanzielle Unterstützung durch größere Webseiten transparent informiert. Alle Ergänzungen zum Acceptable Ads Programm kündigen wir in unserem öffentlichen Nutzerforum an."

Zahlt Google 25 Millionen Dollar an Adblock Plus?

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!

Leserkommentar

Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

* Pflichtfeld
** Pflichtfeld, wird nicht veröffentlicht

Pallenberg: Ende von Google+ ist "absoluter Dummfug"

von Annette Mattgey

Er kann sich aufregen wie kein zweiter: Sascha Pallenberg, Mobile Geeks, hat die Nase gestrichen voll von Möchtegern-Tech-Journalisten, die das Ende von Google + prophezeien. Anlass der neuerlichen Abgesänge auf G+ ist der Abgang von Vic Gundotra, einem hochrangigen Google-Manager, der G+ aufgebaut hat. Das US-Blog Techcrunch will aus zuverlässigen Quellen gehört haben, dass die rund 1000 G+-Mitarbeiter nun auf andere Abteilungen verteilt werden und G+ lediglich als Plattform und nicht als Produkt angesehen werde. Google dementiert das heftig: Die Personalie habe keinen Einfluss auf die G+-Strategie. "Wir haben ein unglaublich begabtes Team, das weiter an Google+, Hangouts und Photos arbeitet."

Pallenberg verweist auf die durchaus sehenswerten Zahlen: "540 Millionen aktive User, davon 300 Millionen im Stream und dann sind die auch noch so frech und laden pro Woche 1,5 Milliarden Fotos auf diese Plattform." Keine Spur von einer Geisterstadt. Die Diskussion, ob G+ ein soziales Netzwerk vergleichbar mit Twitter und Facebook sei, findet Pallenberg unnötig: "Google+ ist Google und damit vor allen Dingen Teil einer Langzeitstrategie".

Die üblen Prophezeiungen hinsichtlich G+ sind nicht neu, genüsslich führt Pallenberg eine ganze Armada von Artikeln auf, die seiner Meinung nach von "Qualitaetsjournalisten und von Rotwein benebelten Techbloggerinnen " stammen.

Der vollständige Rant von Sascha Pallenberg findet sich hier auf seinem Blog Mobile Geeks.

von Annette Mattgey - Kommentare Kommentar schreiben