Nico Lumma ist COO des Next Media Accelerator.
Nico Lumma ist COO des Next Media Accelerator. © Foto: NMA

Hackathon in Hamburg | | von Frank Zimmer

Wo Nico Lumma bessere Ideen für digitale Werbung findet

Innovative Werbung entwickeln und kreative Lösungen finden: Früher war das die Aufgabe von Agenturen. Weil die Digitalisierung mehr verlangt, als viele Werber liefern können, gibt es so genannte Hackathons. Nico Lumma* organisiert gerade einen in Hamburg und erzählt, was dahinter steckt.

Herr Lumma, zuerst zum Punkt, den niemand gerne anspricht. Ich frage natürlich auch nur für einen Freund: Was genau ist ein Hackathon?

Nico Lumma: Bei einem Hackathon kommen Menschen mit den unterschiedlichsten beruflichen Hintergründen und Motivationen zusammen, um gemeinsam an Projekten zu arbeiten. Dabei werden klassischerweise am ersten Tag die Ideen vorgestellt und dann finden sich Teams zusammen. Danach werden die Projekte konzipiert und dann wird programmiert, designt und natürlich auch eine Präse gebaut, die das Projekt vorstellt. Am Ende eines Hackathons gibt es dann 10 bis 12 Projekte in unterschiedlichen Stadien und die besten Teams bekommen Preise verliehen.

Bei eurem nächsten Hackathon in Hamburg geht es um neue Möglichkeiten der digitalen Werbung. Manche Leute behaupten ja, digitale Werbung ist am Ende, weil Content-Marketing sie ersetzt und alles andere sowieso der Algorithmus und Big Data regeln. Wie sehen Sie das?

Nichts ist am Ende, die digitale Werbung ist gerade erst dabei, halbwegs erwachsen zu werden! Wir stehen vor der unglaublich spannenden Herausforderung, dass die mobile Nutzung in einer atemberaubenden Rasanz zunimmt, aber die traditierten Werbeformen kaum funktionieren. Wie wird Werbung auf dem Smartphone aussehen? Wo bleiben die Lösungen, die Native Advertising wirklich skalieren lassen und für lokale Werbungtreibende nutzbar machen? Was ist mit Videowerbung auf dem Smartphone, wie müssen da die Formate aussehen, damit sie nicht nerven? Was machen wir mit Werbung innerhalb von VR oder 360-Grad-Videos? Die Potenziale sind riesig, aber die Fragezeichen ebenso. Daher machen wir einen Hackathon, um viele Menschen aus der Branche zusammenzubringen, damit gemeinsam neue Idee entstehen.

Für so etwas waren früher Agenturen zuständig. Kommt von denen zu wenig?

Agenturen freuen sich über Nägel und Löwen, aber wenn es um digitale Werbung geht, vor allem auf Smartphones, dann sieht es mau aus in Deutschland. Da wird vor allem abgewartet, anstatt selber kreativ zu werden. Daher freue ich mich, dass wir mit Pilot, Spiegel QC, Emetriq und Score Media Sponsoren für den Hackathon gefunden haben, die mithelfen wollen, dass es neue kreative Lösungen für die Branche geben wird. Denn vom Abwarten alleine entstehen keine neue Produkte für den boomenden Mobile-Markt.

Welche Medienhäuser stehen hinter der Initiative?

Der Next Media Accelerator ist eine Initiative der dpa Deutsche Presse-Agentur und weiteren Investoren aus der Medienbranche, darunter Axel Springer, Gruner + Jahr, Spiegel, Zeit Verlag, Werbe Weischer, Libri und sieben größere Regionalzeitungsverlagen. Als Accelerator für die Medienbranche wollen wir auch außerhalb der Investition in frühphasige Startups Impulse für die Branche geben, u.a. mit Hackathons, die wir durchführen. Der Hackathon Future of digital Advertising ist bereits der vierte Hackathon dieses Jahr, nachdem wir bereits erfolgreich mit der "Mittelbayerischen Zeitung", der "Tagesschau" und der Verlagsgruppe Handelsblatt dafür gesorgt haben, dass neue Ideen entwickelt und umgesetzt werden.

Werden diese Ideen veröffentlicht oder bleiben sie unter Verschluss der Veranstalter?

Alle Teams pitchen ihre Ideen und danach entscheidet die Jury über die Verteilung der Siegerprämien. Die Ideen werden natürlich nicht unter Verschluss gehalten, sondern sollen für Impulse sorgen, vielleicht auch für neue spannende Projekte in der Branche. Wir sehen einen Hackathon als die ideale Möglichkeit an, mit neuen Leuten ins Gespräch zu kommen, aber auch als Chance, für die eigene Agentur zu werben. Denn was zahlt besser auf das Employer-Branding einer Agentur ein, als eine Handvoll Leute zum Hackathon zu schicken, damit neue Ideen entwickelt werden können?

Das klingt einleuchtend. Aber nutzen die Agenturen diese Möglichkeit auch? Viele Hamburger Agentur-Dickschiffe tun sich mit der Digitalisierung ja manchmal ebenso schwer wie wir Medien. Welche Hamburger Agenturen wirken auf Sie besonders offen und innovativ?

Damit die Digitalisierung gelingt, müssen unbedingt die entscheidenden Köpfe des Unternehmens digital denken. Das klingt jetzt platt, aber das macht letztendlich den Unterschied. Man kann das gut bei Thjnk sehen, dort hat Michael Trautmann mit seiner digitalen Neugier den Weg vorgegeben, aber auch bei Jung von Matt, bei denen Raphael Brinkert zeigt, wie man Sport und Social Media kongenial miteinander verknüpft.

Wir sind auf die Ergebnisse des Hackathons gespannt. Für alle, die nicht dabei sein können: Wann, wo und in welcher Form zeigt ihr die besten Ideen?

Wir werden wie immer den Hackathon auf http://nma.vc dokumentieren. Und wir machen auch gerne weitere Hackathons für die Branche, Themen gibt es ja genug und Herausforderungen für etablierte Geschäftsmodelle erst recht.

* Nico Lumma, früher Social-Media-Chef von Scholz & Friends, ist Chief Operating Officer der dpa-Tochter Next Media Accelerator. Außerdem bloggt er unter Lummaland, zeigt im Netz Neues Zeugs und schreibt Digital-Kolumnen für "Bild". Der "Future of digital Advertising" - Hackathon startet am 7. Juli in Hamburg. Hier gibt es weitere Informationen.

Wo Nico Lumma bessere Ideen für digitale Werbung findet

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