Musik im Web | | von Annette Mattgey

Wer streamt, geht auch in Konzerte

Wie ticken die heutigen Konzertbesucher? Wie erfahren sie von neuen Künstlern und welche Angebote on- wie offline schätzen sie? Das wollte der Online-Ticketing Anbieter Eventbrite herausfinden. Streamingdienste reizen Musikfans dabei eher zu mehr Konsum an. Das war einer der zentralen und strittigen Punkte der Debatte, wie sich neue Konsumgewohnheiten von Musikfans auf die Industrie auswirken. Gemeinsam mit dem unabhängigen Forschungsunternehmen MusicWatch führte Eventbrite eine Umfrage unter 1.000 US-Amerikanern im Alter zwischen 18 und 49 Jahren durch, die im letzten Jahr mindestens ein Konzert besucht haten.

Ziel der Umfrage war es herauszufinden, wie sich die Music Discovery (die Art und Weise, wie man neue Musik entdeckt) auf die Teilnahme an Live-Events auswirkt und welche weiteren Faktoren dazu beisteuern, dass Fans ihre Online-Erfahrung in Offline-Käufe, von zum Beispiel CDs oder Konzerttickets, umwandeln.

Neben den traditionellen, linearen Kanälen wie TV und Radio werden Audio- und Videostreamingdienste wie Pandora, Spotify und Youtube immer wichtiger für die Music Discovery. Fast die Hälfte der Befragten (42 Prozent) gab an, über Streamingdienste neue Künstler und Bands zu entdecken. Die Musikindustrie beunruhigt diese Entwicklung, da sie befürchtet, dass die Music Discovery via Streamingdienste zu lediglich mehr Streaming führt und die materiellen (z.B. Konzerttickets, CDs) und digitalen Verkäufe (z.B. Downloads) weiter zurückgehen.

Aber dies ist laut Studie nicht der Fall. Die Hälfte der befragten Personen, die einen neuen Künstler oder eine Band über einen Streamingdienst entdeckt haben, kaufen beispielsweise auch Konzerttickets. Neben dem Streamen reiner Audiodateien birgt auch das Videostreamen von Konzerten und Festivals ein starkes Potential für die Musikbranche. So konnte zum Beispiel im Jahr 2011 das Coachella Festival per Stream online verfolgt werden, was im darauffolgenden Jahr zu einem erheblicher Anstieg der Ticketverkäufe führte.

Keine Ausnahme: 70 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, dass die Wahrscheinlichkeit ein Konzertticket zu kaufen enorm hoch ist, wenn sie die Veranstaltung vorher online streamen konnten.

Social Media-Einbindung lässt Ticketverkäufe steigen

Musikinteressierte nutzen aber nicht nur Streamingdienste zur Music Discovery. Zwei von drei Befragten gaben an, neue Musik über Social Media-Kanäle wie beispielsweise Facebook, Twitter oder Snapchat, entdeckt zu haben. Hierbei haben besonders die geteilten Posts von Freunden ein großes Potential neue Fans zu generieren. Nach der Empfehlung eines Künstler oder einer Band über einen Social Media-Kanal hören sich die neu gewonnenen Fans nicht nur deren Songs an, sondern über die Hälfte kaufen sich auch deren Konzerttickets. Dies ist vor allem damit zu begründen, dass man gemeinsam mit Freunden zu dem Konzert gehen möchte. Konzerte haben das größte Potential Fans an einen Künstler zu binden

Zwar entdeckt der geringste Anteil der Befragten neue Künstler und Bands auf Konzerten oder Festivals, aber hier ist die Wahrscheinlichkeit am größten, dass dieser Personenkreis weitere Tickets der Musiker kauft. Neben dem Erwerb von Konzerttickets kaufen diese Fans zudem doppelt so häufig Merchandise-Artikel des neu entdeckten Künstlers.

Konzertbesucher sind für die Musikindustrie am wertvollsten

Auch wenn die lineare Form der Entdeckung, beispielsweise durch das Radio, immer noch sehr häufig genutzt wird, ist Music Discovery heutzutage meistens ein kombinierter Prozess aus Streaming, Social Media und die Teilnahme an Live-Shows. Diese Entwicklung ist einer der Hauptgründe für den Aufwärtstrend in den Ausgaben für Live-Events. Zudem wird zu Live-Shows gehen immer beliebter – und dadurch für die Industrie gewinnbringender. Fans, die sich Karten für große oder kleine Musikshows kaufen, geben fast zwanzigmal mehr für Musik aus, als Personen, die nicht zu Konzerten gehen. So geben Konzertbesucher beispielsweise viermal mehr Geld für CDs und Downloads aus. Für Merchandise-Artikel geben sie sogar zehnmal mehr aus, als Personen, die keine Konzerte besuchen. Außerdem bezahlen Konzertgänger doppelt so häufig für digitale Musik-Abos. Live-Shows sind somit der beste Weg, Fans an den Musik-Act zu binden und ein wichtiger Bestandteil der Promotion eines Künstlers oder einer Band.

Wer streamt, geht auch in Konzerte

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