Cebit | | von Annette Mattgey

Wearables: Schönes Spielzeug oder Technologie der Zukunft?

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Gesellschaft/Gesundheit/Vorsorge/Internet/
(KORR-Bericht)
Wearables: Schönes Spielzeug oder Technologie der Zukunft?
Von Ruppert Mayr, dpa
(Foto - Archiv) =
Wearables - nah am Körper tragbare Minicomputer - finden sich als
Uhren oder Brillen bei immer mehr Bundesbürgern. Industrie und
Wirtschaftsberater versprechen phänomenale Effekte. Deutschlands
Ärzte sind skeptisch.
Berlin (dpa) - Sie überwachen Blutdruck- und Zuckerwerte,
Kalorien-Aufnahme und -Verbrauch, die Bewegung im Schlaf oder
Muskelaktivitäten am Tag: eng am Körper tragbare Minicomputer. Die
sogenannten Wearable Devices, kurz Wearables, stehen wohl vor dem
Durchbruch auch in Deutschland. Die Cebit hatte ihnen sogar einen eigenen Bereich gewidmet. Bereits 17 Prozent der Bundesbürger
besitzen einen oder mehrere dieser Helfer. Das zeigt eine Studie im
Auftrag der Wirtschaftsberatungsgesellschaft PwC, die der Deutschen
Presse-Agentur in Berlin vorliegt. PwC schwärmt, dass die Geräte
«viele Vorteile des Internets direkt an den Körper bringen». Nicht
alle teilen diesen Enthusiasmus.
Wearables bieten am Körper getragene Internetzugänge - Beispiele:
Smartwatches oder Google Glass. Selbst als Schmuckstücke gibt es sie.
Bei PwC hält man die kleinen Helfer nicht nur im Privatbereich für
gut - sie könnten auch im Beruf ein Stück weit mehr Gesundheitsschutz
bringen. «Wearables machen das Arbeiten effektiver und sicherer»,
sagt der PwC-Technologie-Experte Werner Ballhaus. Mit einer
Datenbrille werde etwa freihändiges Arbeiten selbstverständlich -
wichtig etwa für Such- und Rettungsteams, für Lagerarbeiter oder
Konstrukteure.
Es gibt auch intelligente Textilien, Kleidung mit Sensoren im Stoff.
So misst ein neues T-Shirt dauerhaft Körpersignale und überträgt die
Daten etwa an ein Tablet. Atemfrequenz und Herzaktivität sind so
erfassbar. PwC-Mann Ballhaus macht auf einen möglichen Vorteil
solcher Kleider auch im Job aufmerksam: «Vernetzte Funktionskleidung
verspricht besseren Schutz für Berufsgruppen wie Feuerwehrleute.»
Was ist von Fitness-Funktionen und Uhren mit Mehrwert im
Gesundheitsbereich zu halten? Möglicher Nutzen liegt auf der
Hand: Viele Patienten vergessen etwa, wann sie ihre Medizin einnehmen
sollen. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) versucht
bereits, mit einem eHealth-Gesetz zur elektronischen Gesundheitskarte
solche Medikamentierungsprobleme insbesondere bei älteren Menschen
besser in den Griff zu bekommen.
Und auch ein fordernder Signalton in dem Moment, wenn das Joggen
ansteht, könnte der gesundheitlichen Vorsorge gute Dienste erweisen.
Der größte Vorteil von Wearables ist denn auch für zwei Drittel der
Befragten in der PwC-Studie der Beitrag zur Gesundheitsvorsorge.
Jeder Vierte wäre demnach bereit, für ein solches Gerät bis zu 300
Euro hinzublättern. Und fast drei Viertel würden immerhin noch 100
Euro dafür ausgeben. Ein Multimilliardenmarkt tut sich da weltweit
auf, frohlockt die amerikanische Großbank Morgan Stanley. Experten
wie der Branchenverband Bitkom rechnen mit jährlichen Wachstumsraten
von über 20 Prozent. Mit Spannung wird im April die neue Apple Watch
erwartet - Kosten: ab 399 Euro in der Sport-Ausführung.
Beim Kauf eines Wearables stehen drei Punkte im Mittelpunkt, ergab
die PwC-Studie: ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, eine gute
Bedienung - und Datensicherheit. Die Ärzte in Deutschland sind hier
skeptisch. «Dem Verbraucher muss bewusst sein, dass die Daten
irgendwo abgelegt und gespeichert werden», sagt Roland Stahl, der
Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. «Die Entwicklung bei
den Wearables zeigt, dass viele Menschen offenbar bereit sind, mehr
oder weniger ohne Bedenken Daten weiterzugeben.» Das persönliche
Arzt-Patienten-Verhältnis könne durch keine App ersetzt werden.
Kritiker halten es auch für unheimlich, wenn sich Menschen auf
Messungen verlassen statt aufs Körpergefühl. Und werden
Krankenversicherungen Boni bald nicht mehr nach Fitness-Teilnahme
laut Check-Heft vergeben, sondern nach kontinuierlich erfasstem
Einsatz von Training und gesundem Essen? Werden ungebetene Dritte
sehen, wie viel Bier den Blutzucker des Patienten hochgetrieben hat?
Datenschutzbestimmungen setzen solchen Szenarien Grenzen. Offen ist
auch, ob künftig eher Fitness-Angebote für Gesunde im Vordergrund
stehen - oder doch eher spezielle Anwendungen für Chroniker.
Bei den in der PwC-Studie Befragten hätten immerhin 5 Prozent einer
Weitergabe persönlicher Daten zugestimmt. Um die 50 Prozent wären
bereit, für Geld oder eine bevorzugte Arztbehandlung ihre Daten
weiterzugeben. Doch ein Großteil der Befragten sieht auch Nachteile:
62 Prozent fürchten ein Eindringen in ihre Privatsphäre. 57 Prozent
sehen die Anfälligkeit für Sicherheitslücken als Problem. Es könnte
technologisch auch schnell möglich werden, dass der Arbeitgeber per
Datenbrille sieht, was seine Mitarbeiter gerade machen.
# Notizblock
## Internet
- [Firmenblog des US-Startups Oscar](http://dpaq.de/mYTrS)
- [US-Studie PewResearchCenter "The Future of
  Privacy"](http://dpaq.de/sckBq)
- [ABIresearch-Studie zum Wearable-Markt](http://dpaq.de/X6a6u)
- [New York Times über Oscar](http://dpaq.de/WHDvd)
- [Zeit-Online-Kolumnist Gero von Randow über sein
  Fitness-Armband](http://dpaq.de/3m2lr)
- [Bericht über Generali-Pläne auf sz.de](http://dpaq.de/VpM5E)
- [Ankündigung zur Apple Watch](http://dpaq.de/8QJmw)
- [Deutsches Ärzteblatt zu Wearables](http://dpaq.de/KwHxW)
- [zeit.de zu Google Glasses](http://dpaq.de/LgI5q)
- [Computerworld zu Google Glasses](http://dpaq.de/1sFMy)
- [bild.de zu Smartwatches](http://dpaq.de/Lj82y)
## Orte
- [PricewaterhouseCoopers](Friedrich-Ebert-Anlage 37, 60327
  Frankfurt, Deutschland)
- [KBV](Louis-Lewin-Straße 2, 12627 Berlin, Deutschland)
## Service
- Für PwC-Studie wurden im Februar 1000 Online-Nutzer über 18 Jahre
  befragt.
221526 Mrz 15

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