Blick in die mobile Zukunft | | von Tobias Weidemann

Was wir vom Mobilfunkmarkt in Japan lernen können

Japan ist seit jeher ein spannender Markt in Sachen Internet und Mobilanwendungen. Der durchschnittliche japanische Internetanschluss bietet einen Datendurchsatz von 10,2 Mbit/s und auch der Ausbau an mobilen Internetzugängen ist deutlich weiter fortgeschritten als hierzulande. Dies führt dazu, dass das Handy eine weitaus größere Rolle spielt als hierzulande. Rund 80 Prozent aller Nutzer haben einen Tarif mit Inklusivvolumen, bzw. Flatrate, so das mehr als 84 Prozent regelmäßig mobil ins Netz gehen.

„In vielen Details ist der japanische Markt schon mobiler als die europäischen Märkte“, berichtet Marco Koeder, Digital Marketing Group Director MRM Worldwide, Tokio, anlässlich der Münchner Medientage. „Schon heute werden in einigen Bereichen mehr als die Hälfte der Suchvorgänge über mobile Geräte durchgeführt.“ Spannend dabei: Auch an Orten, an denen ein klassischer PC verfügbar wäre, also im Büro oder daheim, greifen Japaner eher zu mobilen Geräten, wenn es darum geht, schnell etwas zu recherchieren.

Traumhaft aus Sicht der Unternehmen funktioniert auch der dortige Werbemarkt: Viele Anwendungen sind Cases, bei denen der Handybildschirm mehr darstellt als eine verkleinerte Ansicht des klassischen Monitors. Das hängt neben dem hohen Prozentsatz an wirklich schnellen Internetanschlüssen auch mit der technischen Ausstattung der Handys zusammen: Obwohl heute erst 30 Prozent der Handys der Gruppe der Smartphones zuzurechnen sind (und mehr als zwei Drittel damit den klassischen Feature-Phones) sind einige Technologien, die hierzulande erst seit Kurzem angeboten werden, weit verbreitet: Mehr als 80 Prozent der Mobiltelefone taugen auch zum mobilen Fernsehempfang, QR-Codes und RFID sind ebenfalls in der überwiegenden Zahl der Handys integriert und werden auch rege genutzt.

Anders als in Europa, wo lediglich ein Teil der von Providern angebotenen Mobilgeräte gebrandet und mit spezieller Software ausgestattet ist, gibt es in Japan eine Vielzahl an Geräten für ganz spitze Zielgruppen: das Tablet für Rentner mit besonders großen Bedienelementen, das Handy in einer bestimmten Modefarbe für Schülerinnen oder junge Frauen (das dann auch mit entsprechenden Apps, Hintergründen und Links ausgeliefert wird) oder spezielle Modelle für Frauen mit langen Fingernägeln (die über besondere Bedienkonzepte ausschließlich mit einem Daumen bedient werden können).

Das was einige Hersteller in westlichen Märkten in Ansätzen ausprobieren, nämlich das Smartphone zum mitdenkenden, persönlichen Assistenten zu machen, ist in Japan auf der Basis von iConcierge-Diensten bereits weiter fortgeschritten. Durch location based service-Funktionen erhält der Nutzer zudem passende Angebote für alle Lebenslagen – das Thema Couponing wird ebenso selbstverständlich genutzt wie Augmented-reality-Anwendungen. Eine wichtige Erlösquelle sind hier social games, die entweder als free-to-play-Anwendung mit in-app-Kauffunktion oder auf einer Abo-Basis angeboten werden. Ob sich die hohe Bereitschaft der Japaner, für virtuelle Güter zu bezahlen, auf europäische Märkte übertragen lässt oder ob es sich dabei eher um eine gesellschaftliche Eigenart handelt, wird sich zeigen. Sicher ist, dass das Interesse an Spielen bei Erwachsenen in Fernost größer ist als in den westeuropäischen Märkten.

Es kann sich also für Werber und im Internet vertretene Unternehmen gleichermaßen lohnen, einen Blick auf die dortigen Cases zu werfen, um entsprechende Best-practice-Beispiele auch in den westlichen Märkten auszuprobieren. Dabei sollte man allerdings die starken kulturellen Unterschiede nicht aus den Augen verlieren.

Was wir vom Mobilfunkmarkt in Japan lernen können

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