Paolo Anania | | von Paolo Anania

Was passiert da draußen und warum sollte es mich interessieren?

Ein fachfremdes Beispiel zu Beginn: Wer schon einmal versucht hat, sich als Nicht-Jurist im Internet einen Überblick zur Rechtsprechung zu einem Thema zu verschaffen und nach Präzedenzfällen und BGH-Urteilen googelt, stellt sehr schnell fest: Das bringt nichts. Die meisten steigen schon bei Aktenzeichen und kryptischen Gesetzestexten aus. Da sind viel zu viele Textwüsten voller Fachchinesisch mit einer Unzahl von Quellen, um wirklich hinterher schlauer zu sein als vorher. Da denkt man sich: "Gut, dass ich nicht weitermachen muss. Denn dafür gibt's ja Anwälte."

So ähnlich verhält es sich mit der Digitalen Transformation mit all ihren Trends, Technologien und Entwicklungen: Startups mit nur wenigen 100 Mitarbeitern werden für hunderte Millionen verkauft. Es werden Milliardensummen in Unternehmen investiert, deren Geschäftsmodelle so revolutionär sind, dass selbst Experten sich oft schwertun, sie in Gänze zu verstehen, geschweige denn verlässliche Prognosen über die künftige Entwicklung derselben abzugeben.

Auch die etablierten, nach digitaler Zeitrechnung "alten" Giganten bewegen sich schnell: Facebook definiert sich an vielen Stellen neu, kauft hungrig zu, Apple bringt eine neue Musikstreaming-Plattform heraus, Google hat in Kalifornien für autonom fahrende Autos die Straßenzulassung erhalten. Das alles ist irgendwie genau so komplex wie unüberschaubare Gesetztestexte und Gerichtsurteile.

Man wird von der Digitalen Transformation schnell überrollt – während sie sich vorlaut und frech in unser Leben integriert und das Was, Wie und Warum unserer Arbeit neu definiert. Die Digitale Transformation gibt das Tempo vor, es gibt wenig Konstantes und nichts bleibt wie es war. Auch hier findet man sehr viel Fachchinesisch. Nur leider kann hier niemand sagen: "Nope, Ich bin raus." Und dennoch hört man den folgenden Satz sehr oft in deutschen Unternehmen: "Was haben all diese Entwicklungen mir zu tun? Wie und warum soll ich das alles wissen? Ich habe einen normalen Job, in dem ich mein Bestes gebe." Und es ist klar, warum man ihn so oft hört: Wer etwa im Marketing oder Produktmanagement arbeitet, der hat den ganzen Tag genug zu tun, sein immer komplexer werdendes Tagesgeschäft bestmöglich zu bewältigen. Gleichzeitig spüren viele, dass die Digitale Transformation auch in ihrem Unternehmen immer näher kommt und irgendwie irgendwelche Auswirkungen haben wird – aber zwischen dieser diffusen Erkenntnis und dem Wissen, welche Trends, Entwicklungen und Technologien am Ende tatsächlich und konkret eine Rolle spielen werden, liegt gefühlt eine riesige Blackbox.

So fliegen viele irgendwie auf Sicht, während ihr Job unaufhaltsam neu definiert wird. Und zwar nicht nur, weil man immer mehr und immer andere Tools beherrschen muss, die man nicht kennt und die man erst recht nicht einsortieren kann. Sondern auch, weil digitale Projekte nach dem Willen vieler Unternehmensführer getreu dem "Top Down"-Prinzip immer mehr und immer wichtiger werden. Und dann wird von mir als Mitarbeiter auch noch erwartet, dass ich fundierte Handlungsempfehlungen abgeben kann. Grundvoraussetzung: Immer auf dem neuesten Stand sein

Wie das Puzzle namens "Zukunft" sich zusammensetzt, kann niemand wissen. Aber man muss die Puzzleteile kennen.

Dann kann man sich selbst ein Bild machen. Das heißt für die Mitarbeiter in Deutschlands Unternehmen: Sie müssen die digitale Landschaft kennen, beschreiben, einsortieren und kritisch hinterfragen können.

  • Was ist ein Wearable?
  • Was ist ein iBeacon?
  • Wie funktioniert digitale Kommunikation?

Um dieses Wissen anzuhäufen und aktuell zu halten, kann man den Mitarbeiter jedoch nicht einfach mit Google allein lassen. Umso mehr sind die deutschen Chefetagen gefordert. Sie müssen den Mitarbeitern den Freiraum und die Plattform schaffen, um sich mit der Digitalen Transformation auseinander zu setzen.

Ausgewählte Trends müssen fokussiert und so ausgearbeitet werden, dass die Mitarbeiter sie schnell verstehen und interpretieren können. Dies ist keine einmalige, hehre Kampagne, damit das Unternehmen innovativ dasteht. Es geht vielmehr darum, möglichst standardisierte Tools und wiederkehrende Prozesse zu implementieren, mit fest hinterlegten Zielen und dafür bereitgestellten Ressourcen.

Am besten auf eine spielerische Art, denn dann macht es einfach Spaß, sich dem Thema zu öffnen. Ob man dies in Form von Trendpräsentationen und Workshops macht oder existierende digitale Lösungen wie das Intranet oder interne Newsletter nutzt, ist gar nicht so entscheidend. Wichtig ist nur, dem Thema Trendmanagement endlich die Bedeutung beizumessen, die ihm gebührt. Die Effekte fürs Unternehmen sind immens.

Aktives Trendmanagement ist der Grundstein für eine Innovationskultur, die im Sinne einer Modernisierung positiv aufs Markenbild einzahlt. Allem voran jedoch wird nachhaltiges Wissen im Unternehmen aufbaut, das an Kunden und Leistungpartner weitergegeben werden kann und in den weiteren Stufen der Geschäftsfeldentwicklung für nachhaltiges Wachstum in den Märkten von morgen sorgt.

Paolo Anania ist ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.  

Was passiert da draußen und warum sollte es mich interessieren?

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!

Leserkommentar

Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

* Pflichtfeld
** Pflichtfeld, wird nicht veröffentlicht