Studie | | von Anja Janotta

Warum die Deutschen bei der Mediennutzung Traditionalisten sind

Der Journalismus ändert sich, denn immer mehr Nutzer lesen ihre News auf dem Smartphone oder auf dem Tablet. Wie der "Digital News Report" der Nachrichtenagentur Reuters zeigt, ist das Nachrichtenlesen per Handy unterwegs aber länderspezifisch sehr unterschiedlich. In Deutschland ist der mobile Trend längst nicht so ausgeprägt wie in den USA, Großbritannien oder Japan. In Deutschland liegt die Smartphone-Nutzung im Newsbereich bei 34 Prozent - nach 32 Prozent im vergangenen Jahr, in anderen Ländern stieg sie binnen eines Jahres deutlich stärker, auf 44 Prozent beispielsweise in den USA oder auf 57 Prozent in Dänemark. Am höchsten ist die Nutzung in Australien mit 59 Prozent. Deutschland wird hingegen nur von Japan knapp unterboten: Hier lesen 33 Prozent ihre News via Smartphone. Der Tablet-Gebrauch zum News-Konsum stieg in Deutschland nur knapp an. Im vergangenen Jahr gaben 15 Prozent an, dass sie per Tablet innerhalb der vergangenen Woche Nachrichten angesehen haben. Jetzt sind es 16 Prozent. Hier ist der Unterschied zu anderen Ländern weitaus geringer. Aber Tabellenspitzenreiter bleibt Dänemark mit 39 Prozent, das Schlusslicht Japan mit zehn Prozent.

Auch einen weiteren Trend bestätigt die Studie: Dadurch dass immer mehr Bewegtbildinhalte, Social-Media-Nachrichten und neue visuelle Formate das News-Geschehen im Internet bestimmen, werden TV-Berichte für das Publikum immer unwichtiger. Besonders bei den unter 35-Jährigen haben "Tagesschau" und Co kaum noch Relevanz. Reuters sieht prinzipiell die alten Broadcast-Medien auf dem absteigenden Ast. Es gewinnen demnach die News-Modelle, die den User individuell und schnell mit auf ihn zugeschnittenen Nachrichten versorgen. Während die Journalisten sich durch entsprechende Pläne von Google und Facebook über eine gefilterte Wahrnehmung der Welt Gedanken machen, sind den Usern diese Sorgen leidlich egal: Sie sagen, sie hätten durch Hinweise in den sozialen Netzwerken auch Markenseiten besucht, die sie vorher nicht in Betracht gezogen hatten.

Dabei ist die gewünschte Auswahl nicht wirklich groß. Denn die Anzahl an verschiedenen Medienmarken, die per Smartphone genutzt werden, ist sehr eng umrissen. Gerade mal durchschnittlich 1,52 verschiedene News-Quellen surft ein Nutzer mit seinem Handy an. 70 Prozent haben eine News-App auf ihrem Mobilgerät installiert. Aber auch hier ist die Nutzung sehr unterschiedlich. 51 Prozent der Briten sind mindestens einmal in der Woche auf der BBC-App unterwegs, in Deutschland haben aber nur 12 Prozent in der vergangenen Woche die App vom "Spiegel" genutzt.

Und auch sonst weist die Studie den deutschen mehr einen traditionellen Medienkonsum zu. Während anderswo das Fernsehen und Print an Nutzerschaft verlieren, ist hierzulande nur ein leichtes Nachgeben bei Print zu verzeichnen. Der Anstieg der sozialen Medien als News-Impulsgeber ist in anderen Ländern weit deutlicher sichtbar als hier.

(Quelle:Reuters)

Und ganz deutlich: In Deutschland bleibt das Fernsehen noch Informationsmedium Nummer 1. Das ist nicht überall so:

 

(Quelle: Reuters)

Die mobilen Lesegewohnheiten prägen außerdem nicht nur den Journalismus, sondern auch die Werbung. Die Reuters-Autoren konstatieren einen  zunehmenden Einsatz von Adblockern und gleichzeitig eine stetige Kritik der Nutzer, dass die Grenzen zwischen journalistischer und werblich forcierter Berichterstattung immer mehr verwischen.

Für die Studie wurden 20.000 Nutzer in 12 Ländern befragt.

Warum die Deutschen bei der Mediennutzung Traditionalisten sind

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!

Leserkommentar

Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

* Pflichtfeld
** Pflichtfeld, wird nicht veröffentlicht

So nutzen Studenten Medien

von Petra Schwegler

Wollen sich Studenten informieren oder unterhalten, liegen klassische Medien wie lineares TV, Radio und das Buch immer noch vorn. Bei der Organisation der persönlichen Kommunikation der Twens dominiert Whatsapp ganz klar. Das geht aus der Analyse "In Transition" von Campus Media hervor. Sie ist Auftakt einer gleichnamigen Projektreihe, die künftig die Medienwelten von unterschiedlichen Zielgruppen erforschen und die jeweiligen künftigen Erwartungen an Medien dokumentieren will. Ziel sei es, die Konsequenzen und Ausprägungen des digitalen Medien-Umbruchs in relevanten Nutzergruppen zu verstehen, heißt es von der Media-Beratungsagentur.

 

Für die erste Studie wurden von Campus Media zusammen mit der Dualen Hochschule in Ravensburg über 220 Studierende Mitte Januar ausführlich nach ihrer Mediennutzung befragt. Zudem wurde in Kooperation mit dem RTL-Vermarkter IP Deutschland Anfang Februar die App I love MyMedia zur mobilen Messung der genutzten Medien eingesetzt. Über 700 Berichte von mehr als 80 Teilnehmern kamen dabei zusammen. Nicht nur die Ergebnisse der Studie, sondern auch die Erwartungen an die Zukunft der Medien seien anschließend mit Studierenden der Medienwirtschaft diskutiert worden, heißt es.

Weitere Zahlen im Detail: Obwohl Studierende im Schnitt 172 Sender empfangen können, konzentriert sich ihre Auswahl auf zehn bis elf TV-Programme. Die klassische Fernsehvielfalt wird bei den jungen Zuschauern laut Studie durch eine intensive Nutzung von nichtlinearen Angeboten ergänzt. So geben laut Studie 36 Prozent der Studenten an, mehrmals pro Woche Mediatheken oder Video-on-Demand-Angebote zu nutzen. Dabei zeigt sich auch hier, dass die medialen Lebenswelten von Studierenden zusätzlich durch das Studienfach mitgeprägt werden: So nutzen künftige Absolventen der Medienwirtschaft über 58 Prozent VoD-Offerten mehrmals pro Woche (andere: 32 Prozent).

In der untersuchten Medienwelt von Studenten zeigt sich laut Studie der deutlichste Wandel bei der Organisation der persönlichen Kommunikation: Whatsapp wird von 99 Prozent der Befragten täglich genutzt, dabei von 96 Prozent mehrfach. Die Nutzung von Facebook liegt bei täglich 90 Prozent, wobei erwartungsgemäß die "passive" Nutzung überwiegt. Mehr als die Hälfte der Studenten postet demnach eigene Inhalte höchstens einmal im Monat, seltener oder nie. Andere soziale Medien wie Google+ oder Twitter können sich nicht durchsetzen – "ihre Nutzung pro Woche liegt im einstelligen Prozentbereich", weiß das Werk "In Transition". Das Gerät der ersten Wahl ist bei Studierenden das Smartphone: Es ist der zentrale Zugang zu Social Media und Kommunikation. 70 Prozent der Nutzung entfallen demnach auf SMS und Whatsapp sowie auf soziale Netzwerke. "Um auf klassische redaktionelle Inhalte zuzugreifen, wird das Smartphone dagegen kaum genutzt", heißt es weiter.

 

Interessant: Obwohl Datenschutzvorbehalte für Studierende ein wichtiges Thema sind, kann Facebook als kostenlose etablierte Infrastruktur im Alltag seine Vorteile ausspielen – ergab eine der Ergebnis-Diskussionen. Gedruckten Medien wird durchaus eine Zukunft gegeben. Ihr Vorteil: die Haptik. Sie vermittle den Eindruck von besonderer Qualität, heißt es. Aber: Printmedien müssten diesen hochwertigen Eindruck dann aber auch rechtfertigen, um weiterhin relevant zu bleiben. Die klassische Tageszeitung erscheint als Nachrichtenmedium zu inaktuell, ihre Funktion als einordnendes Medium wird allerdings nach wie vor geschätzt. Gerade deshalb werde einer wöchentlichen Erscheinungsweise höherer Nutzwert zugeschrieben. "Ein erweitertes ‚Duales System‘ mit privater und öffentlicher Finanzierung gedruckter Medien erscheint gerade für den Informations-Journalismus denkbar", rät das Werk zum Schluss.

von Petra Schwegler - Kommentare Kommentar schreiben