Coma-Chef André Gebel auf dem Weg in die virtuelle Realität.
Coma-Chef André Gebel auf dem Weg in die virtuelle Realität. © Foto:Coma

André Gebel | | von André Gebel

VR im Test: Losing my Reality

Der große Durchbruch steht kurz bevor und er wird unser digitales Leben nachhaltig verändern. Glaubt man den Herstellern sogenannter VR-Brillen, wird nichts mehr so sein wie bisher. Virtual Reality kreist ja nun schon seit ein paar Jahren in den Köpfen von Entwicklern und Marketingverantwortlichen.

Was also ist in diesem Jahr so anders? An der Software kann es eigentlich nicht liegen. Die ist nach wie vor interessant bis beeindruckend, aber letztlich immer noch nicht überzeugend. Vielleicht sind es die Player, die jetzt angeblich ernst machen und auf den Massenmarkt zielen. Vorreiter Oculus Rift gehört längst zum Zuckerberg-Imperium und spätestens das lässt aufhorchen. Denn wo Google sich gerne mal den ein oder anderen Flop leistet, wie Google Glass oder Google Plus, ist die Weste von Facebook, zumindest was die größeren Investments angeht, noch blütenweiß. 

Doch Euphorie sieht anders aus. Die Szene schimpft. Die Brille sei im Wettbewerbsvergleich zu teuer, die Spiele schöpfen die neuen Möglichkeiten nur unzureichend aus und überhaupt ist Gamepad VR nicht der Schlüssel zum Erfolg. Zerfleischt sich da eine Innovation schon wieder selbst? Genau wie bei Google Glass oder Augmented Reality hat man das Gefühl, dass schon vor dem Start die heiße Luft entweicht. Großer Hoffnungsträger ist neben der HTC Vive vor allem Sony. Denn im Spätherbst erscheint die PlayStation VR. Und im Gepäck sollen angeblich 119 Spiele sein, die speziell für die virtuelle Realität entwickelt werden. Und das könnte dann tatsächlich der Schlüssel zum Erfolg sein. Denn bisher mangelt es einfach an relevanten Inhalten. "Content is King" und das gilt im Besonderen für Gadgets, die man sich über den Kopf streifen muss und einen anschließend zum "Affen machen". Das war schon der Hemmschuh für 3D-TV. Außer Sky strahlt kein TV-Sender dreidimensionale Inhalte aus. Von daher liegen die Plastikbrillen meist in der Schublade und gammeln vor sich hin.

Doch wo liegt der eigentliche Reiz von Virtual Reality? Das Gamer sehnsüchtig auf die neue Technologie warten, kann man ja noch nachvollziehen. Doch was bewegte einst beispielsweise Mark Zuckerberg zum Millionen-Deal? Treffen wir uns zukünftig per Avatar mit unseren Facebook-Freunden in künstlichen Welten? Reisen wir an fremde Orte und begutachten vorab das gebuchte Hotel und die empfohlenen Sehenswürdigkeiten? Machen wir die Probefahrt im neuen Auto virtuell, bevor das erste Fahrzeug überhaupt vom Band rollt? Finden Präsentationen zukünftig nur noch mit Brille im eigenen Büro statt? Was könnte man für Reisekosten sparen. Doch wer will das schon?

Beobachtet man die Menschen in U-Bahnen, Restaurants oder auf Festivals, gewinnt man schon heute den Eindruck, dass jeder für sich alleine im virtuellen Raum unterwegs ist. Der Blick stets fokussiert auf das Display des Smartphones, die Kamera im Selfie-Modus und die Finger klimpern Emojis in irgendeinen Messenger. Persönliches Gespräch? Fehlanzeige. Etwa ein Telefonat? Dafür ist das Smartphone nun wirklich nicht mehr da.

Publishen und Selbstdarstellung sind der Trend und genau da sollte VR ansetzen. Die Menschen wollen nicht nur konsumieren, sondern vielmehr produzieren. Und der erste Anbieter, der es auf einfache Art und Weise schafft, den Menschen Werkzeuge an die Hand zu geben, um eigenen Content wie Fotos und Videos in virtuelle Welten zu transportieren, der wird das Rennen gewinnen. Gefühlt werden wir in diesem Jahr einen Sprung machen, ob es aber der große Schritt sein wird, bleibt offen. Dennoch ist es bereits jetzt eine Spielwiese für Early Adopter wie Siemens oder BMW. Wer genug Spielgeld hat, sollte sich durchaus einen ersten Versuch in virtuellen Welten gönnen. Also schnalle ich mir jetzt die Samsung Gear VR auf, klemme das Smartphone in die Vorrichtung und fliege über ein Meer aus Windrädern. Die Reise beginnt und ist noch längst nicht am Ende.

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André Gebel, Geschäftsführer der Münchner Digitalagentur Coma, ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

VR im Test: Losing my Reality

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