Wochenrückblick | | von Irmela Schwab

Von A-löchern lernen: Time Inc. und Holtzbrinck machen es vor

Silicon-Valley-Unternehmer werden allgemeinhin gerne bewundert. Ihr Erfindungsgeist und Mut zum Angriff inspiriert uns Deutsche. Doch nun kippt die Stimmung allmählich. Internet-Vordenker Sascha Lobo hat der digitalen Elite aus Nordkalifornien jüngst ein "Arschloch-Problem" bescheinigt. LOL. Wie so ein Silicon Valley-A... laut Lobo aussieht? Jemand, der vorgibt, "die Welt verbessern zu wollen, aber extrem gefährlich" sei.

Während Uber sich die Sympathien durch das Sammeln von User-Daten und ihren vermuteten One-Night-Stands verscherzt hat, haben wachstumshungrige Monopolisten wie Google schon vor einer Weile Antitrust-Bewegungen auf den Plan gerufen. Neuerdings will der Internetservice-Gemischtwarenladen auch deutschen Werbern kreativ unter die Arme greifen. Zum Angebot der Plattform Think with Google gehören Best Cases, unter anderem das "YouTube Ads Leaderboard" mit Beispielen für besonders erfolgreiche Werbung auf Youtube. Und das Consumer Barometer liefert Studienergebnisse zum Online-Verhalten von Konsumenten aus vielen verschiedenen Ländern.

Facebook rollt indes mit Facebook at Work den Arbeitsplatz neu auf. Als Netzwerk für die unternehmensinterne Kommunikation konzipiert ähnelt es äußerlich dem bekannten Facebook. In diesem Markt konkurriert Facebook nicht nur mit Google und Microsoft, sondern auch mit Collaboration Tools wie Slack und Yammer

Effizient arbeiten lässt sich nicht nur damit  - sondern setzt auch die richtigen Informationen über den Arbeitgeber voraus. Insbesondere dann, wenn man sich für einen neuen Job entscheiden will. Diesen USP bietet US-Karriere-Seite Glassdoor, die nun in Deutschland Einzug hält. Über das Portal können Arbeitnehmer auf anonymisierte Weise ihre Einschätzungen über Arbeitgeber teilen

Wie man den digitalen Erfindungsgeist der Silicon Valley-Entrepreneure auch immer bewertet, so sorgt er doch ganz klar für eines: Innovation. Die kleinen Ableger von Facebook und Google schaffen zweifellos Mehrwert - und das ohne allzu großen Mehraufwand. Von dem Prinzip können sich brave analoge Unternehmen einiges abschauen. 

Time Inc. etwa hat endlich begriffen, dass durch die digitale Welt nicht nur manches unmöglich geworden ist, nämlich Magazine so profitabel wie früher aufzustellen. Mit dem Portal The Snug zeigt der Verlag nun, dass er ein Gespür dafür gewonnen hat, was alles möglich wird. Indem er die Inhalte seiner Zeitschriften unter dem Oberbegriff "Do it yourself" neu anordnet, hat er er ein "hub for sharing DIY and decor inspiration" aufgebaut. Die Inhalte, die mit Überschriften versehen sind wie etwa "10 things you didn´t know you could paint" (Buzzfeed lässt grüßen!) sind mit Vines angereichert und großen Social Icons, die zum Teilen anregen. 

Nach ähnlichem Schema hat die Verlagsgruppe Holtzbrinck diese Woche verkündet zum größten Verlagsriesen für Bildung und Wissenschaft heranwachsen zu wollen. Wer dabei geholfen hat? Richtig, ein Finanzinvestor: BC Partners hat sich bereits 2013 den Wissenschaftsverlag Springer Science einverleibt. Fusionen zwischen ehrwürdigen Verlagen und nüchtern kalkulierenden Venture Capital-Firmen, oder anders gesagt, eine Heirat zwischen Geist und Geld, die ohne die A-löcher aus dem digitalen Silicon Valley so nicht möglich gewesen wäre.

Von A-löchern lernen: Time Inc. und Holtzbrinck machen es vor

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