Viele Unternehmen sind unzulässig neugierig
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E-Mail-Marketing | | von Stefan Schasche

Viele Unternehmen sind unzulässig neugierig

Generell sollten nur so viele persönliche Daten gesammelt werden wie für die jeweilige Anwendung, etwa den E-Mail-Newsletter, nötig. So die Theorie. Doch wie sieht die Realität aus? Eine aktuelle Studie von Artegic zeigt: Eine ganze Reihe deutscher Marken fragt viel mehr persönliche Daten von den Nutzern ab als nötig und hält sich somit oft nicht an das Gebot der Datensparsamkeit. Untersucht wurden 50 der beliebtesten Marken Deutschlands, darunter Adidas, BMW, Nike, Audi, Mercedes, Apple und Nivea. Von diesen 50 Marken bieten 41 einen Newsletter an.

Grundsätzlich wäre für dessen Versand nur die Erfassung der E-Mail-Adresse notwendig. Tatsächlich geben sich von den Unternehmen mit Newslettern aber lediglich 27 Prozent mit diesem Minimum an Angaben zufrieden. Der Rest erfasst teilweise deutlich mehr Daten und diese dann entweder auf freiwilliger Basis oder gar in Form von Pflichtfeldern. Dabei dürfen "nach dem Gebot der Datensparsamkeit und Datenvermeidung gemäß § 3a BDSG nur solche Daten erhoben werden, die zur Erbringung des Dienstes unbedingt notwendig sind", erklärt Caroline Hevert, Fachanwältin für IT-Recht.

Bei einer Anmeldung zu einem E-Mail-Newsletter darf also nur die E-Mail-Adresse abgefragt werden; weitere Datenerhebungen sind unter den Vorbehalt der Freiwilligkeit zu stellen. Weiterhin dürfe die bei der Anmeldung abgefragte E-Mail-Adresse nur für den Newsletterversand verwendet werden, denn nur auf diesen bezieht sich die Einwilligung des Anmeldenden.

Trotzdem wurden bei den untersuchten Unternehmen in 49 Prozent der Fälle die Anrede beziehungsweise das Geschlecht über Pflichtfelder erfragt, in 44 Prozent der Nachname und in 37 Prozent der Vorname. Für Land und Geburtsdatum interessierten sich immerhin zehn und zwölf Prozent wiederum über Pflichtfelder; jeweils fünf Prozent fragten nach Passwort, Benutzername, Straße und Hausnummer, Postleitzahl und Wohnort. Zwei Prozent wollten die Telefonnummer wissen, und sieben Prozent erfragten sonstige Informationen. Im Schnitt verwendeten die Unternehmen drei Felder, zwei davon waren Pflichtfelder. Insgesamt gaben 82 Prozent der 41 Unternehmen mit Newsletterversand an, im Anmeldeformular neben dem Feld für die E-Mail-Adresse noch andere Pflichtfelder zu verwenden.

Leichtsinnig, wer auf Double-Opt-in verzichtet

Zweiter Aspekt der Studie: Welches Opt-in-Verfahren wird von den Unternehmen verwendet? 71 Prozent haben sich für das Double-Opt-in-Verfahren entschieden, das die größte Rechtssicherheit verspricht. Beim Double-Opt-in muss der Empfänger dem Newsletterbezug nach Erhalt einer Bestätigungsmail durch Anklicken eines in die Mail eingebauten Links zustimmen. "Absolute Rechtssicherheit bietet auch das Double-Opt-in-Verfahren nicht. Das ändert jedoch nichts daran, dass nach derzeitigem Datenschutzrecht kein Weg an diesem Verfahren der doppelten Zustimmung vorbeiführt", sagt Hevert. Das OLG München stehe mit einer Entscheidung aus dem Jahr 2012, dass bereits die ­E-Mail zur Bestätigung des Bezugs eines Newsletters unzulässige Werbung sei, bislang allein da. Für größtmögliche rechtliche Sicherheit solle in der werbefrei gestalteten Bestätigungsmail darauf hingewiesen werden, dass der Empfänger den Erhalt der E-Mail jederzeit ohne Angabe von Gründen abbestellen kann. Jede Newslettermail müsse zudem einen Abmeldelink enthalten.

st/ks

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