Apple | | von Irmela Schwab

Vertane Wachstumschance: Apples neue Smartphones

Mit einer großen Show eine Zäsur zu setzen, wie das Apple-Legende Steve Jobs traditionell tat, wenn er neue Geräte vorstellte, ist keine so leichte Aufgabe: Nachdem Nachfolge-CEO Tim Cook nach gleichem dramaturgischem Schema - dunkle Bühne, dunkle Kleidung - die beiden neuen iPhones vorgestellt hat, fiel der Kurs der Aktie erstmal um drei Prozent.

Wahrscheinlich lag es daran, dass bei der Vorstellung der zwei Telefone die großen Neuerungen fehlten. Zu den Hauptfeatures des iPhone 5S als Nachfolgemodell des aktuellen Flaggschiffs iPhone 5 zählen eine optimierte Kamera, ein schnellerer Prozessor sowie - ganz neu - ein Fingerabdruck-Scanner zur Wiedererkennung des Besitzers. Das ist etwa hilfreich  beim Entsperren des Geräts und zur Authentifizierung beim Kauf von Apps, Musik oder Filmen. Beim Modell 5c, das Vorankündigungen zufolge als Billigmodell angedacht war, liegt der Akzent dagegen auf der Farbgebung: Das neue Handy gibt es in fünf verschiedenen Farben und ist technisch auf dem Niveau des iPhone 5, das nun nicht mehr erhältlich ist - und bei seiner Einführung vor rund einem Jahr mit 680 Euro übrigens nur unwesentlich mehr kostete als das nun doch gar nicht so günstige 5c-Gerät.

Das kostet ohne Vertrag mit 600 bis 700 Euro fast genauso viel  wie das neue Vorzeigemodell 5S, das mit zwischen 700 und 900 Euro zu Buche schlägt. Ohne Vertrag sind es 99 Euro bzw. 199 Euro aufwärts. Mit der Preisstrategie hat Apple für die "Süddeutsche Zeitung"  eine Chance vertan, das iPhone auch in aufstrebenden Märkten wie China und Indien zu etablieren, wo sich die meisten ein hochpreisiges Telefon einfach nicht leisten können.

Doch dass der Aktienkurs fiel, mag vor allem auch mit einem anderen Umstand zu tun haben: Aus dem Markt der hippen Smartphones wird langsam, aber immer sicherer ein saturierter. Zumindest in den hochentwickelten Industrieländern. In diesem Monat haben Samsung, Sony, Qualcomm, Intel und Microsoft neue Produkte vorgestellt oder werden es noch. Und alle setzen auf die Glamour-Show nach Vorbild von Jobs. Schließlich geht es um nichts geringeres als sich Anteile an einem mittlerweile weltweit 400 Milliarden Dollar starken Markt zu erkämpfen. “Bei den Events geht es darum, einen guten ersten Eindruck zu machen”, bestätigt auh Margit Wennmacher, Partner bei der renommierten amerikanischen Venture Capital-Firma Andreessen Horowitz dem "Wall Street Journal".

Auch wenn Apple nach wie vor eine faszinierende Brand ist: Um die Menschen in Atem zu halten, muss sich der Konzern offensichtlich ganz neu erfinden, um tatsächlich wieder für die traditionelle Überraschung zu sorgen.

Vertane Wachstumschance: Apples neue Smartphones

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