SXSW: In diesen 4 Feldern sind die USA weiter als wir
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Analyse | | von einem Gastautor

SXSW: In diesen 4 Feldern sind die USA weiter als wir

Die South by Southwest in Austin/Texas ist heute die größte Interaktivkonferenz der Welt und der wichtigste Impulsgeber der Branche – mit großer Durchsetzungskraft und Tragweite. Da die Digitalisierung inzwischen alle Lebensbereiche betrifft, verschmelzen bei der SXSW 'Interactive', 'Music' und 'Film' immer mehr. Diese Themenvielfalt macht die besondere Atmosphäre in der Stadt aus, führt jedoch nicht zu Beliebigkeit, sondern zur Spezialisierung. Mit den jeweils weltweit besten Vorträgen, Workshops und Panels in einzelnen Tracks wird die SXSW der heutigen Komplexität der digitalen Kontexte gerecht. Stephan Ritter, Director Client Services Sapient Nitro, skizziert exklusiv für LEAD digital die Trends der SXSW 2015:

1. Commerce/Retail

Mehrere Panels zeigen, dass der Handel sich auf seinen Standortvorteil gegenüber den 'Ecommerce Pure Playern' besinnt. Click & Collect oder ähnliche Konzepte sind im US-Markt bereits ein alter Hut. Diskutiert wird stattdessen über die Optimierung der 'Seamless Experience' durch exzessive Datennutzung, wobei Big Data kein Buzzword ist, sondern Realität. Auch Mobile-Technologien spielen hier eine wichtige Rolle: In den USA sind sie längst keine "Bedrohung" mehr wie hierzulande. Der Handel setzt das Endgerät ein, um vor Ort Zusatzservices zu bieten sowie Anknüpfungspunkte, um den Kunden in der späteren Customer Journey wieder zu reaktivieren. Ein weiteres Thema sind die Schwächen veralteter Distributionsinfrastrukturen. Dazu erklärt Jennifer Golbeck, Associate Professor und Director of the Human-Computer Interaction Lab, University of Maryland: "We have to put UPS and FedEx out of business in order to change the way distribution works." Ebenfalls entscheidend ist es, wieder zum 'Curator' für die Kunden zu werden, denn dies ist der wahre Vorteil des Handels gegenüber Logistik-König Amazon.

2. Data-Driven Strategy vs . Editorial Gut Instict

Die Diskussion, wie sich Content entlang der Customer Journey effizient einsetzen lässt und wie er aufgebaut sein sollte, haben die großen Commerce-Player längst entschieden: Exzessive Datenanalyse während der gesamten Decision Journey, Dialog mit den Bestandskunden über soziale Kanäle und kontinuierliches Lernen sind die Voraussetzungen für guten Content und eine authentische Experience. Auf diese Weise nehmen die großen Fashion-Portale und Blogs den Modemagazinen sukzessive in großem Stile Leser weg.

3. John Maeda: #Design in Tech Report

John Maeda ist mit seinem legendären Buch "Simplicity" Vordenker einer ganzen Designrichtung. Der MIT Media Lab-Mann konnte schon immer mit seiner disziplinübergreifenden Denkweise begeistern: "I wanted to connect the worlds of design, technology, and business together, so that people wouldn’t see them as three different things."

Seine "#DesignInTech-Studie" liefert hochinteressante Einblicke. So sind Designer heute für alle Unternehmensbereiche wichtig, da die Experience in digitalen Kanälen mehr denn je das Markenbild prägt und das Design Thinking Silos auflöst. Sechs der wichtigsten Venture Capital-Unternehmen haben das erkannt und im Jahr 2014 Designer in ihre Führungsmannschaften geholt.

4. John Hagel: Narratives, Platforms and Movements

Eine der Konstanten der SXSW ist für mich John Hagel. Der Autor von "The Power of Pull" war jahrelang strategischer Vordenker für McKinsey und Deloitte und sprach – wie immer ohne ein einziges Slide – darüber, wie der Druck für Unternehmen in einer immer komplexeren Welt kontinuierlich wächst. Ihr Erfolg wird von der Fähigkeit abhängen, zu "Movements" zu werden, also zu mobilisieren, zu inspirieren und zu unterstützen. Alle Movements haben eins gemeinsam: Eine "Erzählung" (Narrative), die ein offenes Ende hat und die einzelnen Stories bestimmt, mittels derer die Unternehmen mit ihrem Kunden kommunizieren. Movements, die es schaffen, kontinuierlich zu lernen sowie Engagement-Plattformen aufzubauen, auf denen Interaktion stattfinden und auf Vertrauen basierende Beziehungen entstehen, werden extrem erfolgreich sein – so die These von John Hagel.

Fazit

Der Abstand zwischen den USA und Europa ist in einigen Bereichen weiter gewachsen. So bleibt die kompromisslose Ausrichtung auf Experience und Big Data der großen US-Player beeindruckend. Die Verbindung zwischen Content und Commerce sowie zwischen physischer und digitaler Welt ist hier keine bloße Vision, sondern wurde bereits umgesetzt – mit nachweisbaren Erfolgen.

SXSW: In diesen 4 Feldern sind die USA weiter als wir

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