South by Southwest 2013 | | von Annette Mattgey

SXSW 2013: Von Grumpy Cats und Google-Schuhen

Jeder, der das Festival South by Southwest besucht, erwartet, bei der Geburt des nächsten Foursquare dabei zu sein. Das klappte zwar 2013 nicht, dennoch lohnte sicher der Flug nach Austin. Adrian Rosenthal, Head of Digital and Social Media bei MSL Germany,  beschreibt exklusiv für LEAD digital, was ihn beim SXSW fasziniert hat.

Wenn eine schlecht gelaunte Katze den wohl größten Hype auf der South by Southwest verursacht, hat es nach 2012 auch dieses Jahr kein neues Foursquare oder Twitter gegeben. Trotzdem gab es natürlich ein paar Trends und Entwicklungen, über die in Austin viel geredet und getwittert wurde – darunter auch ein überraschend greifbarer Tend. Was ist 'The Next Big Thing'? Mit dieser Frage und Erwartungshaltung reisen alljährlich im März ein paar tausend Digitalbegeisterte nach Austin, Texas, zur SXSW. Dieses Jahr kamen mehr als 25.000 akkreditierte Blogger, Designer und Startup-Gründer aus aller Welt, darunter auch viele Deutsche.

Seit dem SXSW-Hype um Foursquare  im Jahr 2009 scheint die nächste Killer App Austin zu meiden. 2011 wurde vor allem viel über GroupMe geredet. Auch 2013 kreierten einige Apps viel Buzz, zum Beispiel die Social Discovery App Banjo oder die App Hater (der Name ist Programm). Allerdings kursierte bei einigen Teilnehmern dieses Jahr auch schon eine gewisse App-Müdigkeit

Wenn die am meisten diskutierten Themen jedoch die Grumpy Cat sowie die Google-Brille (die zwar noch nicht auf dem Markt ist, die aber wirklich fast jeder schon einmal testen wollte) sind, hat das Next Big Thing auch dieses Jahr eine Auszeit von der SXSW genommen. Das ist aber auch gar nicht weiter schlimm, und nein, die SXSW hat dadurch kein Problem. Denn erstens geht es bei der SXSW vor allem eh um das Drumherum, um Networking auf den unzähligen Partys, um den Austausch mit Gleichgesinnten, um gemeinsame Hackathons.

Zweitens haben die in den vergangenen Jahren als superheiß gehandelten Kandidaten (Twitter, Foursquare, GroupMe) eines gemeinsam: Es handelt sich um einzelne Plattformen beziehungsweise Apps, die zugleich immer auch Teil eines größeren und langer anhaltenden Trends waren, welcher von multiplen weiteren Plattformen und Entwicklungen getragen wurde. Und daher lassen sich auch 2013 wieder einige eng miteinander verknüpfte Trends und Entwicklungen identifizieren, die zwar auch schon in vergangenen Jahren Thema waren und somit wiederkehrend auftauchen, dieses Jahr aber noch vermehrt im Fokus standen:

Big Data

Ob in der Politik, der Zielgruppenforschung oder im Healthcare-Bereich:Das Big Data-Thema zog sich durch einen Großteil der Veranstaltungen und Diskussionsrunden aus den verschiedensten Bereichen. Denn über Mobile Apps und andere Anwendungen werden mittlerweile ganze Datengebirge gesammelt, die den Himalaya geradezu zwergenhaft erscheinen lassen. Die Frage ist nun, wie diese Daten sinnvoll eingesetzt werden können. In einer Veranstaltung zum Daten-Journalismus sagte James Grimaldi vom Wall Street Journal, dass „Data die Story besser macht.“ Das gilt natürlich nicht nur für den Journalismus, sondern vor allem auch für Brands, die Wege finden müssen, aus den eingesammelten Daten die richtigen Schlüsse zu ziehen, um ihre Zielgruppen optimal zu erreichen und diese mit dem richtigen Content zu versorgen.

Quantified Self

„Das ist, was Nerds gerade tun!“ sagte Foursquare-Gründer Dennis Crowley zum Thema Quantified Self in seiner Keynote, während er selber dabei drei Health-Tracker am eigenen Körper trug. Quantified Self, also das Sammeln, Organisieren und Analysieren von Daten zur eigenen Person, ist dabei natürlich unabdingbar mit dem Thema Data verbunden. Neben Geolocation-Anwendungen wie eben Foursquare kommt das Tracking der eigenen Daten vor allem im Gesundheitsbereich in einer Vielzahl von Apps zum Einsatz. Allerdings ist Quantified Self – zumindest in Deutschland – bisher kaum ein Thema für die Masse, so die Journalistin und Bloggerin Ulrike Langer,  die sich auf der SXSW mit dem Thema beschäftigt hat: "Noch ist die Quantified Self Bewegung im wesentlichen auf Geeks beschränkt, die gerne teure Gadgets als Mode-Accessoires tragen. Erst mit preiswerter und unauffälliger Technik (z.B. eingenähte Mikrochips in der Kleidung) und passiven Messmethoden kann ein Massenmarkt daraus werden."

Maker Culture und DYI

Auch die Maker-Culture stand dieses Jahr wieder im Fokus der SXSW, ähnlich wie zuletzt zum Beispiel auch bei der letzten PICNIC Konferenz in Amsterdam. Vor allem 3D-Drucker wie zum Beispiel des Startups MakerBot und ihre Einsatzmöglichkeiten waren das Thema einiger Sessions und Workshops. Felicitas Hackmann, die für das Hamburger Startup Stuffle in Austin war, ist von der zukünftig wichtigen Rolle der 3D-Drucker überzeugt: Sie werden nicht nur in Schulen zum Einsatz kommen, sondern besonders in der Medizin interessante Beispiele und Fortschritte zeigen. Wie wir dieses Medium in unseren Alltag einbauen, wird – wie bei jedem anderen Medium auch - die Zeit zeigen." Die Maker-Culture ist dabei immer eng mit weiteren Trends wie der Sharing Economy sowie digitalen Kollaborationen verbunden.

Storytelling

Das Thema Storytelling scheint bei der Virulenz des Begriffs fast schon überholt zu sein. Beim Blick auf den Veranstaltungskalender konnte man als Besucher alleine beim schnellen Überfliegen feststellen, dass Storytelling trotzdem weiterhin einer der Top-Trends – und das nicht nur in den Köpfen der jeweiligen Referenten – ist. Ob visuelles Storytelling oder Storytelling auf der Basis von Big Data: für Brands und besonders für Startups ist eine gute Story unheimlich wichtig und muss auch richtig betrieben und aufgebaut werde. Das findet auch Lena Sönnichsen aus dem Hamburger Büro des US-Startups Airbnb, das von Anfang an dezidiert auf die Erzählung einer eigenen Startup-Story gesetzt hat: "Airbnb hat wohl schon Storytelling betrieben, als das noch gar kein Trend war. Kein Wunder bei unseren außergewöhnlichen Geschichten von Gästen und Gastgebern. Trotzdem war es toll, auf der SXSW das Thema noch einmal etwas genauer zu betrachten". 

Hardware

Der Leap Motion Controller, das Nike Fuelband, die Google-Brille (und ja, es gab auch einen Google-Schuh), der 3D-Printer MakerBot oder die Memoto-Kamera: Hardware hat auf der diesjährigen SXSW den Apps überraschenderweise ein bisschen den Rang abgelaufen. Viele der Gadgets können dabei unter dem Stichwort Wearable Tech zusammengefasst werden und dadurch Hand in Hand gehen mit bereits beschriebenen Trends wie Tracking/Quantified Self gehen. Bemerkenswert sei dabei ebenso, so der Blogger und Radio-Moderator Daniel Fiene, der in einem Podcast auch regelmäßig von der SXSW berichtete, die Verschmelzung zwischen Netz- und Kohlenstoffwelt: „Laser scannen Objekte, 3D-Drucker am anderen Ende der Welt drucken diese wieder aus. Brillen werden zu Displays, Uhren zu Fernsteuerungen, Armbänder zu Fitnessgeräten und Schuhe zu Messgeräten: Virtuelle Objekte werden real, und reale Handlungen werden komplett digital. Was jetzt noch Spielerei ist, wird schon bald ganze Geschäftsbereiche verändern.“

Adrian Rosenthal leitet als Head of Digital and Social Media die standortübergreifende Digital-Practice von MSL Germany und war dieses Jahr nach 2011 zum zweiten Mal auf der SXSW.

SXSW 2013: Von Grumpy Cats und Google-Schuhen

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