20 Jahre SMS | | von Tobias Weidemann

Sind die fetten Jahre der SMS wirklich vorbei?

Vor genau 20 Jahren wurde die SMS („Short Messaging Service“) erfunden, die sich über die Jahre insbesondere für jüngere Zielgruppen zu einem wichtigen Service im Rahmen mobiler Kommunikation entwickelte. Ein Grund zum Feiern für die Telekommunikationsbranche ist das Jubiläum jedoch nur teilweise. Die fetten Jahre der SMS als 1:1-Kommunikationsinstrument sind nämlich eigentlich vorüber, insbesondere weil Smartphones mit ihrem umfangreichen Angebot an Kommunikationswegen die SMS alt aussehen lassen.

Die Zahl der versendeten Kurznachrichten steigt zwar weiterhin – 2012 soll die Rekordzahl von 54 Mrd. SMS alleine in Deutschland erreicht werden (Prognose des VATM) und allein der Provider Telefonica meldet mehr als ein Viertel mehr versendete SMS im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Dennoch sind die Margen auf Sinkflug. Lag der Umsatzanteil vor fünf Jahren bei den Mobilfunkprovidern noch oberhalb der 50-Prozent-Marke, werden in diesem Jahr noch rund 35 Prozent der Umsätze aus den Kurznachrichten generiert. Das ist ein Problem für die Anbieter, denn das Versenden von nicht einmal 200 Zeichen ist im Privatkundenumfeld meist ähnlich teuer für den Kunden wie eine Minute Audiotelefonie und damit eine interessantere Einnahmequelle für Telekommunikationsanbieter.

Gleichzeitig bemühen sich die Anbieter, die Relevanz des Short Messaging Service hochzuhalten. „Selbst die neuen Smartphone-Apps, die ihre Kurznachrichten über das mobile Internet senden, beflügeln diesen Trend. Wer sicher sein möchte, dass seine Meldung auch ankommt, der nutzt immer noch die zuverlässige SMS“, sagt René Schuster, CEO von Telefonica Deutschland. Ein wenig einleuchtendes Argument – denn es gibt wenig Anzeichen, dass E-Mails oder andere IP-basierte Kurznachrichtendienste weniger zuverlässig sind als die SMS.

Die Telekommunikationsanbieter sind trotz allem am Umdenken und sehen, dass sie mit entsprechenden Kurznachrichtenanbietern „neuer“ Couleur zusammenarbeiten, wie etwa die Deutsche Telekom, die sich über T-Ventures am US-Startup Pinger beteiligt. „Wir sind in den USA Marktführer bei IP-basierten Messaging-Diensten und wir wollen auch in Europa diesen Status erreichen“, erklärt Gregg Woock, CEO und Mitbegründer von Pinger. Das wird unweigerlich auch auf Kosten der klassischen SMS gehen. Schon heute ist eine große Zahl an SMS entweder massengeneriert – SMS spielen immer noch als Werbemittel eine wichtige Rolle – oder stammt von Maschinen oder Haushaltsgeräten (Statusmeldungen, etc.). „Die Art der Nutzung hat sich weiterentwickelt“, weiß auch Thorsten Trapp, CTO des TK-Dienstleisters Tyntec. „Unter anderem werden heute verstärkt Alarmsignale und Status Updates per SMS versandt.“ Es könnte also sein, dass sie bald mehr SMS-Kurznachrichten von Geschäften und Firmen bekommen als von Ihren Freunden und Familienmitgliedern.

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