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Sind Adblocker auf dem Rückzug?
© Foto:BVDW

BVDW-Quartalszahlen | | von Annette Mattgey

Sind Adblocker auf dem Rückzug?

Erstmals verzeichnet die Branche einen Rückgang der auf dem Desktop geblockten Online-Display-Werbung. Im ersten Quartel 2015 lag die Sperr-Quote bei rund 20,09 Prozent der Page-Impressions, so der Online-Vermarkterkreis (OVK) im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW). Offensichtlich zeigen die Abwehr-Bemühungen der Verlage zumindest kleine Erfolge. Im Vergleich dazu lag die Adblocker-Rate im letzten Quartal 2015 bei 21,52 Prozent.

Oliver von Wersch (G+J Digital Products), stellvertretender Vorsitzender des OVK, sagt: "Der leichte Rückgang der Adblocker-Rate stimmt uns vorsichtig optimistisch und zeigt, dass die Maßnahmen und Aufklärungsaktivitäten des OVK bzw. BVDW sowie der Publisher und Vermarkter inzwischen Früchte tragen. Unsere Nutzer verstehen zunehmend, dass kostenlose Inhalte und Services im Internet in erster Linie durch Werbung refinanziert werden."

Zur Ermittlung der zentralen Adblocker-Rate erheben rund zwei Drittel der OVK-Mitgliedshäuser kontinuierlich und unabhängig voneinander den Anteil der geblockten Online-Werbung auf ihren Angeboten und melden diesen dem BVDW. Der Verband veröffentlicht dann in regelmäßigen Abständen Updates zum aktuellen Umfang.

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EU-Recht könnte Anti-Adblocker der Verlage ausbremsen

von Petra Schwegler

Gut für den User, schlecht für die Bemühungen der Medienhäuser, ihre werbefinanzierten Inhalte im Netz vor den Werbebremsen zu schützen: Den Betreibern von Anti-Adblockern droht womöglich juristischer Ärger.

Wie im Netzauftritt des Digitalmagazins "Wired" zu lesen, hat der Datenschutz-Aktivist Alexander Hanff, CEO des Unternehmens Think Privacy, auf einen entsprechenden Passus im EU-Recht hingewiesen. Demnach stellt es aus Sicht der Europäischen Kommission einen Eingriff in die Privatsphäre von Internetnutzern dar, wenn Publisher den Usern mit Adblockern den Zugang zu ihren Websites verwehren.

Hanff hat vergangene Woche via Twitter dieses Schreiben der EU-Kommission verbreitet:

Der Einsatz von Adblocker-Detektoren fällt demnach aus Sicht der EU-Kommission in den Anwendungsbereich der Datenschutzrichtlinie für elektronische Kommunikation. Der Think-Privacy-Chef hatte zuvor in einem Brief an EU-Präsident Jean-Claude Juncker unter anderem gefragt, inwiefern Artikel 5 Absatz 3 dieser Richtlinie für den Einsatz von Adblocker-Erkennungstechnik zu beachten sei. Und er ist nun offenbar zu beachten.

"Wired" fasst den Kern der Aussagen so zusammen:

"

"Denn um festzustellen, ob jemand einen Adblocker nutzt, muss die Website den Browser der User mithilfe von – meist auf JavaScript basierenden – Skripten durchsuchen. Dies stelle jedoch einen Eingriff in die Privatsphäre dar. Der Nutzer müsse zuvor um Erlaubnis gefragt werden, was jedoch bei Werbeblocker-Sperren nicht der Fall sei. Das Ganze sei vergleichbar mit dem Recht das vorschreibt, dass eine Website ungefragt keine Cookies auf dem Rechner eines Besuchers installieren darf."

"

Dem Magazin zufolge will nun Unternehmer Hanff selbst aktiv werden und auf Basis des EU-Schreibens rechtlich gegen Websites vorgehen, die Anti-Adblocker einsetzen. Er habe sogar die Eröffnung eines Portals angekündigt, auf der User solche Websites melden können, berichtet "Wired".

Hintergrund: Immer mehr genervte User wollen beim Surfen die Werbung ausblenden. Auf 20 Milliarden Dollar bezifferten Forscher den Schaden für die Werbewirtschaft im Jahr 2015, den 200 Millionen Adblocker-Nutzer weltweit verursacht haben sollen.

Dagegen wehren sich seit vergangenem Herbst auch vermehrt deutsche Verlage wie Springer und Gruner + Jahr. Sie setzen seither Werbeblocker-Sperren ein. User mit eingeschaltetem Adblocker wird somit der Zugang zu ihren Websites verwehrt, wie etwa bei Bild.de.

Doch für die Publisher kommt es noch härter: Auch Microsoft plant aktuell, seinen neuen Browser mit einem Adblocker zu versehen. Das Unternehmen ist damit nicht alleine. Erst vor kurzem verkündete der norwegische Anbieter Opera, seinen Browser mit einem Adblocker auszurüsten. Aufsehen erregte Apple, das im Juni 2015 ankündigte, den Safari-Browser mit einem Werbeblocker auszustatten. Unklar, wie sich die neue EU-Einordnung hier auswirken wird.

von Petra Schwegler - Kommentare Kommentar schreiben