Wochenrückblick | | von Yvonne Göpfert

Shopkick, Inbox und neues Fernsehen für Big und Second Screen

Jedes Jahr im Oktober wird zu den Münchner Medientagen gerufen. Google-Fan und CSU-Chef Horst Seehofer sprach sich bei der diesjährigen Eröffnungs-Keynote für ein freies Internet aus, Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzener bei der Telekom, warnte vor Internet-Inseln, die Unternehmen wie Google, Apple oder Facebook schaffen. Paradiesisches Internet für die Nutzer oder eher Verhältnisse wie auf der Gefängnis-Insel Alcatraz?

Als weiterer Dauerbrenner auf den Medientagen galt die Frage, wie sich die Fernsehlandschaft entwickle. Serien bescheren den klassischen TV-Sendern eine Renaissance, doch die jungen Zuschauer wenden sich vom Big Screen ab. Sind neue Fernsehkonzepte und mehr Mut die Lösung? 

Ziemlich viel Mut hat Google an den Tag gelegt – mit seiner Inbox. Dahinter verbirgt sich ein lernender Algorithmus, der eingehende E-Mails als Aufgaben behandelt. Sortiert wird nach Orten, Kontakten, Terminen, Einkauf und anderen persönlichen Daten. So sucht Inbox bei Online-Bestellungen den Link zur Sendungsverfolgung heraus und schickt bei Airline-Mails gleich die Check-In-Seite ins Postfach. Ferner soll die Inbox Projektnamen und Daten erkennen und zu einer Gruppe zusammenfassen. Für jede Mail lässt sich auch noch eine Erinnerung festlegen, dann poppt die Mail noch mal auf – ganz wie in einer To-Do-Liste. Service und Segen oder Spionage und Spontanhölle? Google scannt unsere Mails nicht mehr länger nach Schlagwörtern. Stattdessen wird versucht zu verstehen, was wir den ganzen Tag treiben. Mit dieser Analyse stapelt Google wieder ein paar feine Details mehr über unseren Alltag in seinem System. Die Zeit wird zeigen, ob der Nutzer für so viel fürsorgliche Hilfe auch empfänglich ist. 

Verbraucher können noch selbst entscheiden, ob sie Google nutzen wollen. In der Verlagswelt sieht das schon anders aus. Google hatte gedroht, ab dem 23. Oktober so manche Publikation nur noch mit Überschrift in den Suchergebnissen anzuzeigen. Treffen sollte es all jene Verlage, die sich ihr Listing mit Hilfe der Verwertungsgesellschaft Media und dem Leistungsschutzrecht von Google vergüten lassen wollten. Wer mit Snippets und Vorschaubildern in allen Diensten wieder vollständig angezeigt werden wollte, musste Google ausdrücklich bestätigen, in die Anzeige von Snippets und Vorschaubildern einzuwilligen. Und wie zu erwarten sind aufgrund des wirtschaftlichen Drucks viele Verlage eingeknickt.

Die VG Media kämpft jedoch weiter: Sie ist nicht nur kartellrechtlich, sondern auch zivilrechtlich beim Deutschen Patent- und Markenamt gegen Google vorgegangen. Google sieht dagegen den Kampf beendet. Man gibt sich versöhnlich: „Google arbeite auch in Zukunft gerne mit Verlagen an neuen Modellen, um deren Webseiten und Apps besser zu promoten, den Traffic zu erhöhen und das digitale Publishing anderweitig zu unterstützen.“ Aber Geld, das ja doch nur den Charakter verdirbt, solle besser nicht fließen.

Sehr großen Geldsegen erhofft man sich dagegen bei der jüngst gearteten App Shopkick. Aus dem Silicon Valley wurde sie nun nach Deutschland gespült und soll Obi, Douglas und 1400 weiteren Händlern mehr Kunden in ihre Shops locken. Allein das Betreten der heiligen Konsumgüterhallen bringt Punkte, sogenannte „Kicks“, die der Kunde in Prämien und Rabatte umwandeln kann. Zudem gibt maßgeschneiderte Angebote direkt auf Handy – via iBeacon, ganz ohne Google. 

Ganz ohne Nokia wiederum geht es bei Microsoft zu. Nokia – das war einmal. Neueste Ankündigungen aus dem Hause Microsoft lauten „Selfie-Smartphone Lumia xxx“ bald erhältlich.“ Kein Wort von Windows Phone. Keine Silbe von Nokia. Die Markenlizenz an Nokia soll Microsoft allerdings sowieso nur für 18 Monate erworben haben. Ab 2016 dürfte Nokia unter seinem eigenen Namen auch wieder Smartphones vertreiben. Ob es eine Renaissance der ehemaligen Gummistiefel- und später Handymarke gibt? Wir werden sehen.

Shopkick, Inbox und neues Fernsehen für Big und Second Screen

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