Wochenrückblick | | von Irmela Schwab

Schicke Uhren, schlechte Führung

Ein Bild, aufgenommen vor einem Apple-Store, sagt tausend Worte: Eine lange Menschenschlange steht vor dem Geschäft, wartet darauf endlich eingelassen zu werden. In den USA verzeichnen Einkaufsmalls, die ein Apple-Geschäft in der Flaniermeile haben, schon eklatante Umsatz-Zuwächse. Der Andrang könnte sich vermutlich noch steigern: In dieser Woche hat der Computerfabrikant seine Luxusuhr vorgestellt. 

Die kann sich der Apple-Fan wie andere Geräte des Händlers auch nach dem Baukasten-System zusammenstellen: So kann er drei verschiedenen Ausführungen Apple Watch, Watch Sport und Watch Edition mit verschiedenen Armbändern kombinieren. Vorausgesetzt er hat das nötige Kleingeld: “Mit Preisen von bis zu 10.000 Euro zielt die Apple Watch deutlich auf das Luxussegment – also auf Käufer, die bislang vielleicht in eine Rolex investierten”, urteilt Lars Kreyenhagen, Mitgründer und Geschäftsführer von Karl Anders in W&V.

Der Anspruch an Langlebigkeit und Präzision - vergleichbar mit einer Rolex -  macht sie für Agenturchef Kreyenhagen zum bislang besten Produkt im Bereich der Wearables. Allerdings: “Die Langlebigkeit des Designs steht im Widerspruch zur gewohnten Halbwertszeit technischer Geräte. Passt Technik, die nach drei Jahren veraltet ist, zu einem Produkt, das man im Zweifel Jahrzehnte am Handgelenk trägt? Eher nicht.”

Nun hat die Digitalisierung aller Produkte nach Musik, Telefonie und TV also auch das Ottonormalverbraucher-Segment der Uhren erfasst. Kein Wunder, dass viele Nachrichtenmagazine und Tageszeitungen sowie Newsportale die Rubrik Technik aufgewertet und personell ausgebaut  haben. Ein Trend, dem das amerikanische Technologie-Portal Gigaom zum Opfer gefallen ist. “Wenn das ´Wall Street Journal´ bis zur ´New York Times´ doppelt so viel über Technologie schreibt wie zuvor, was ist dann unser Mehrwert?”, fragt Rafat Ali, Aufsichtsrat bei Gigaom. 

Und das ist nur die eine Seite. Schließlich machen sich die vielen Tech-Sites, die kaum einer kennen, geschweige lesen kann, selbst Konkurrenz. So berichtet der britische Tech-Dienst M&M Global, dass der chinesische E-Commerce-Gigant Alibaba satte 200 Millionen Dollar in den amerikanischen Messenger Snapchat investiert hat. Die chinesische Messaging App WeChat ist dafür auf der Apple Watch vorinstalliert. 

Technologie macht vor keiner Grenze halt. Sie macht es sogar möglich, dass Produkte direkt von Anzeigen weg - egal ob digitale Banner-Ad oder Printwerbung - gekauft werden können. Zu diesem Ziel hat sich Kosmetikartikler L'Oreal mit dem Dienstleister Powa Technologies  zusammengetan. Über dessen 2-D Barcode-Technologie kann jeder Touchpoint in eine E-Commerce-Option gewandelt werden, verspricht das Unternehmen. Nach dem Motto: Einfach Tag scannen und bestellen.

Bei diesem Wirbelwind an Innovationen, die gravierenden Veränderungen in der gesamten Industrie nach sich ziehen, gerät oftmals die Personalführung ins Schleudern. So werde in der digitalen Arbeitswelt gut jede dritte Kündigung wegen schlechter Mitarbeiterführung und fragwürdigem People Management ausgesprochen", erläutert Lucia Falkenberg, HR-Expertin und Leiterin der Kompetenzgruppe New Work im Branchenverband Eco anlässlich des Cebit-Leitthema D!conomy. "Solange digitale  Arbeitskultur und eine transparente, wie auch demokratische Führung noch nicht von den Vorgesetzten eines Unternehmens verinnerlicht wurden, wächst das Risiko, die besten Köpfe an den nächsten Arbeitgeber zu verlieren.” 

Schicke Uhren, schlechte Führung

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