Interview | | von Brigitte Bauer

René Kulka: "Die E-Mail ist einer der effektivsten Kanäle"

In Zeiten von Smart Watches, Mobile und Social Media verändert sich das Verhalten der Nutzer gegenüber der E-Mail. René Kulka, Email Marketing Evangelist bei Optivo, sieht einige Trends. Im Kontakter gab er ein Interview.

Herr Kulka, wieso sehen Sie die E-Mail nach wie vor als den effektivsten Marketingkanal?

Für mich ist die E-Mail einer der effektivsten Kanäle, weil sie vor allem kosteneffizient ist und weil jeder die E-Mail nutzt. Laut Eurostat sind 80 Prozent der 16- bis 74-jährigen Deutschen per elektronische Post erreichbar und nur 42 Prozent in Social Networks. Mit der E-Mail kann ich so ziemlich jeden erreichen, jede Schicht, jedes Alter und jeden Bildungsgrad. Zudem ist der Erfolg der E-Mail gut nachvollziehbar und messbar. Sie ist hochgradig personalisierbar und die Botschaften, die man versenden möchte, sind auf die Kunden zuschneidbar.

Stichwort: Marketing Automation?

E-Mails mit Autopilot können selbstständig angestoßen werden. Kampagnen müssen nur einmal aufgesetzt werden. Der Empfänger erhält Newsletter, nach seinem Erstkauf eine Befragung zum Produkt oder Kauferinnerungen. Optivo bietet beispielsweise an, klassische Printmailings automatisiert anzustoßen.

Aber ist es nicht einfacher, die Leute per Whatsapp und Facebook zu erreichen?

Im Social Web erreicht man die Leute leicht. Ein Twitter-Account ist schnell aufgesetzt. Im E-Mail-Marketing ist das nicht so einfach. Zunächst muss der Empfänger eine Einverständniserklärung abgeben, dann muss man eine Versandlösung implementieren. Für mich hat das jedoch eine andere Qualität. Wenn jemand meine Seite mit "Gefällt mir" markiert, steht ein anderes Commitment dahinter, als wenn mir jemand seine E-Mail-Adresse gibt.

Im B-to-C-Bereich dürfte Whatsapp wichtiger werden. Müssen Unternehmen auf den Zug aufspringen?

Ich bin skeptisch. Momentan ist das ganze Thema für mich noch zu esoterisch, weil ich die wirtschaftlichen Möglichkeiten noch nicht sehe, das zu erschließen. Wenn Unternehmen aber bald automatisiert Nachrichten an bestimmte Verbraucher absetzen können, würde das eine ganz interessante, spannende Geschichte werden.

Die sogenannten Millenials, der Jahrgang 1981 bis 1997, legen ein ganz anderes Kommunikationsverhalten an den Tag. Braucht es da anderen Content?

Millenials sind gewohnt, in Netzwerken zu kommunizieren. Es ist schwer zu sagen, was man aus Sicht des E-Mail-Marketers verändern muss. Diese Zielgruppe kommuniziert weniger über E-Mail. Dienste wie SMS können hier perfekt substituiert werden. E-Mail bleibt etwas außen vor. Diese Gruppen werden meines Erachtens jedoch später das Kommunikationsverhalten verändern.

Warum? Liegt das am Berufseintritt?

Vielleicht könnte es am Berufseintritt liegen. Ich glaube, dass man im Alter eine gewisse Sensibilität für Datenschutz und -sicherheit entwickelt. Das ist für die Altersgruppe gerade noch kein Thema.

Durch die Nutzung von Smart Watches oder Wearables wird das Kommunikationsverhalten noch selektiver. Der User entscheidet, was er lesen will und was nicht. Sehen Sie Probleme für die E-Mail?

Bisher noch nicht. Ob die Betreffzeile kürzer werden muss oder wie die E-Mail auf dem noch kleineren Display wirkt, wird eine Herausforderung. Vielleicht generieren wir eine dritte E-Mail-Variante: Html-, Mobile- und Smart-Watch-optimiert. Siri könnte beim Joggen eine Zusammenfassung der Nachrichten vorlesen. Vielleicht ist das die Zukunft. 

Zur Person:

René Kulka ist als E-Mail Marketing Evangelist und Consultant bei Optivo tätig, eine Tochter der Deutsche Post DHL Group. Neben Kundenprojekten betreut er dort federführend den E-Mail-Marketing-Blog zu Trends, Praxistipps und markt­relevanten Informationen für erfolgreiches E-Mail-Marketing.

Der Kontakter

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René Kulka: "Die E-Mail ist einer der effektivsten Kanäle"

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