Mosaiq Media | | von Annette Mattgey

Parteien im Website-Check: SPD wenigstens hier spitze

Klarer Sieger des Parteien-Website-Checks ist die SPD. Leidenschaft und hohes Aktivierungspotenzial attestiert die Onlineagentur Mosaiq Media der 150 Jahre alten Partei. Die Grünen belegen Platz zwei, dahinter die CSU auf Platz drei. Auf den hinteren Plätzen rangieren die Linke und die Piraten. Im Mittelfeld: CDU und FDP. Die Stuttgarter untersuchten anhand rationaler und emotionaler Aspekte sowie dem Aktivierungspotenzial, wie gut vorbereitet die Parteien-Auftritte für den Wahlkampf sind.

Platz 1 - Die SPD
 
Der Auftritt der SPD macht durch den intensiven Einsatz von Rot, Weiß und Purpur im ersten Moment einen aggressiven Eindruck. Die starken Kontraste erleichtern es dem Nutzer nicht, die Struktur der Website zu erfassen. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase wirkt die SPD-Website jedoch sehr stimmig und besitzt einen hohen Wiedererkennungswert. Die SPD stellt ihren Besuchern eine sehr runde und übersichtliche Website mit gut aufbereiteten Informationen speziell für unentschiedene Wähler zur Verfügung.

Aufgrund des sehr prominenten Bereichs „Aktuelles“ verschenkt die SPD emotionale Potenziale, die sich leider erst im unteren Bereich der Website wiederfinden. Hier wird der Nutzer emotional angesprochen und aktiviert. Die Farbe Rot wirkt einerseits aggressiv, andererseits leidenschaftlich und lebendig. Die Farbe Purpur soll laut Andrea Nahles „Frische und Selbstbewusstsein“ vermitteln.

Auf der rationalen Ebene spielt die SPD ihre Stärken aus, lässt hier und dort jedoch Potenziale liegen. Besonders der Aufbau im oberen und im unteren Bereich der Website und die darin enthaltenen Texte und Statements unterstützen die Standpunkte der SPD. Einige der Folgeseiten sind jedoch sehr textlastig und fordern dem Nutzer viel Konzentration ab. Die Themenseiten hingegen enthalten informative Grafiken, die den Textinhalt veranschaulichen. Eine übersichtliche Aufbereitung der Inhalte wäre auf allen Unterseiten angebracht, um den Nutzer besser zu führen und schneller mit den relevanten Informationen zu versorgen.

Was Interaktion und Aktivierung des Nutzers angeht, so setzt die SPD auf klare, an gelerntes Nutzerverhalten angelegte Elemente. Dazu gehören der Slider auf der Startseite oder Akkordeonmenüs, wie sie bei der Geschichte der SPD ihren Einsatz finden. Aktionsboxen und die Rating- und Kommentarfunktionen wirken zusätzlich aktivierend auf die Nutzer und werden von diesen auch genutzt. Der prominent platzierte Twitterstream präsentiert dem Besucher das momentan aktuellste Thema der Partei und animiert ihn zum Weiterlesen. Sehr aktivierend wirkt auch die direkte Ansprache der unterschiedlichen Besucher. So werden Nutzer, die nur eine Minute Zeit haben, angeregt, der SPD in den sozialen Medien zu folgen. Wer länger Zeit hat, wird zum Spenden und Surfen animiert und wer eine Stunde Zeit hat, wird zum Wahlkampf eingeladen. Effektiver kann eine Website ihre Besucher kaum aktivieren.  

Vorschläge:

1. Die emotional anregenden Elemente gehen unter dem großen Bereich „Aktuelles“ leider unter. Sie sollten prominenter platziert werden.

2. Die SPD sollte nicht nur die Themenseiten, sondern alle Folgeseiten durch Grafiken, Bilder und Hervorhebungen auflockern und schnell überschaubar machen.
                
Platz 2 - Die Grünen
 
Die Website der Grünen wirkt im ersten Moment sehr kindlich und unruhig, was primär an der fehlenden Rasterung speziell im oberen Bereich liegt. Aufgrund der parteigesetzlichen Trennung zwischen Fraktion und Partei ist es hin und wieder verwirrend, wenn Links auf die Seite der Bundestagsfraktion oder der Europagruppe verweisen. Insgesamt vermittelt die Website der Grünen aber einen sehr aktuellen und lebhaften Eindruck.

Der Aufbau der Seite wirkt auf den ersten Blick willkürlich und lässt sich nur schwer erfassen. Die Website kommt sehr verspielt daher und assoziiert im ersten Schritt wenig Professionalität. Die Ursache dafür liegt zum einen in der ungewöhnlichen Anordnung der einzelnen Inhaltselemente. Auch die Farbgebung der Website ist in der Parteilandschaft ungewöhnlich, erregt aber Aufmerksamkeit. Die Kombination aus ungewöhnlichem Aufbau, „anderen“ Farben und bunten Teaserflächen vermittelt jedoch ein sympathisches Gesamtbild und lässt die Grünen auf emotionaler Ebene voll punkten. Hinzu kommen eine häufig direkte Ansprache und den Inhalt verstärkende Bilder und Grafiken. Die Grünen zeigen Emotionen und schaffen es, diese auch beim Nutzer zu wecken.

Die Grünen haben sich mit ihrer Website und der Startseitengestaltung viel Raum für klare Statements und zur Darstellung unterschiedlichster Themen geschaffen. Im Slider des Headers informiert die Partei über aktuelle Themen und Ereignisse. Im dreispaltigen, flexiblen Hauptbereich mit häufig wechselnden Themen werden kommende Ereignisse und Wahlkampfthemen aufgegriffen. Auf den entsprechenden Folgeseiten wird dazu mit gut aufbereiteten Artikeln klar Stellung bezogen. Zusätzlich dient das Layout als übersichtlicher Einstieg in die einzelnen Hauptkategorien und komplexeren Unterkategorien. Die Forderungen und Ziele der Grünen werden auf den einzelnen Themenseiten übersichtlich dargestellt und mit Hintergrundinformationen versehen. Besuchern wird deutlich vermittelt, wer die Grünen sind und was sie wollen.

Der hohe Emotionsgrad stützt die Interaktion auf der Website. Im Header befinden sich eine Suchfunktion und ein Slider mit einer intuitiven Funktionsweise. Auch die direkte Ansprache des Nutzers motiviert diesen zum Handeln. Die Inhaltselemente sind häufig ganzflächig anklickbar und die rechtsseitige Teaserfläche auf den Folgeseiten bietet immer wieder neue Einstiegsmöglichkeiten. Hat man sich an den nicht ganz alltäglichen Aufbau der Website gewöhnt, lässt sich diese sehr gut scannen, was der Verweildauer und der zielgerichteten Nutzerführung positiv zugutekommt. Dies spiegelt sich auch in den umfangreichen Kommentaren zu den Artikeln wider. Es wird Dialogbereitschaft gezeigt und selbst gelebt. Die Website ist sicher nicht jedermanns Geschmack. Sie ist aber sehr funktional, was sich in der hohen Dynamik und der Dialogbereitschaft der Nutzer niederschlägt.

Vorschläge:

1. Auch wenn die Kommentarfunktion rege genutzt wird: Besucher könnten früher darauf aufmerksam gemacht werden. So stößt man erst auf die Funktion, wenn man sie gezielt sucht oder zufällig auf einer Seite ganz nach unten scrollt.

2. Die bunte und ungewöhnlich strukturierte Seite wirkt sehr aktivierend und interaktiv. Auf den ersten Blick erscheint sie aber auch unaufgeräumt und kindlich. Eine klarere Struktur würde dem Nutzer den Einstieg erleichtern und mehr Professionalität vermitteln.

Platz 3 - Die CSU
 
Die brandneue und responsive CSU-Website (Relaunch im April 2013) wirkt sehr reduziert, freundlich und menschennah – mit dem Ziel fokussiert zu informieren. Versteht der Nutzer das Navigationskonzept (Hauptnavigation unten, Unternavigation oben), findet er sich schnell zurecht. Die CSU hat mit dem Relaunch einen großen Sprung nach vorn gemacht und einen eigenen Weg gefunden, Inhalte darzustellen. Ob die großflächige und großzügige Gestaltung, bei der man selbst bei großen Auflösungen nur wenig Inhalte dargestellt bekommt, von Vorteil ist, bleibt zu bezweifeln.

Durch den intensiven Einsatz von Bildern und plakativen Überschriften spricht die CSU die Gefühle ihrer Besucher an. Vor allem der weiß-blaue Hintergrund auf der Startseite weckt bei bayerischen Besuchern Heimatgefühle. Insgesamt wirkt die Website aber eher distanziert. Das zeigt sich auch bei der Vorstellung des Vorstands: Mit Fotos, die den Personen ein Gesicht geben und sie für den Besucher greifbar machen, werden nur die sieben wichtigsten Vorstandsmitglieder präsentiert. Selbst Edmund Stoiber und Theo Waigel müssen ohne Porträt auskommen.

Rational kann die CSU mit ihrer Website mäßig punkten. Sie nimmt den Nutzer an die Hand und informiert auf der großen Bühne über aktuelle Themen der Partei. Leider schafft sie es nicht, das Grundsatzprogramm schnell und unkompliziert darzustellen. Dieses wird zwar in einem übersichtlichen Akkordeonmenü, aber in vollem Umfang abgebildet. Lediglich in den aktuellen Meldungen werden klare Aussagen getroffen. Empfehlungen zu ähnlichen Artikeln liefern im Anschluss weiteres Material zum jeweiligen Thema. Die CSU setzt vor allem auf die Darstellung der Partei und deren Mitglieder, weniger auf die Überzeugung und Aktivierung potenzieller Wähler.

In Bezug auf Interaktion und Aktivierung der Nutzer hat sich viel getan. Die Navigations- und Inhaltselemente reagieren schnell auf entsprechende Mausbewegungen und Akkordeonmenüs führen den Nutzer zielgerichtet durch die Inhalte. Interaktive Elemente wie die Vorstellung des Vorstands, die Terminübersicht oder die eingebundenen Twitter-, Facebook- und YouTube-Streams sorgen für Interaktion. Lediglich die Platzierung der recht großflächigen Navigation am unteren Bildschirmrand ist gewöhnungsbedürftig und hinsichtlich gelernten Nutzerverhaltens nicht optimal.
 
Vorschläge:

1. Internetnutzer suchen die Hauptnavigation einer Website zuerst im oberen Bereich. Wird die Navigation unten platziert, erschwert das die Orientierung. Die CSU sollte ihr Navigationskonzept noch einmal überdenken.

2. Die Darstellung des Grundsatzprogramms ist im Ansatz gut. Die CSU sollte hier jedoch auf eine kompaktere, einfachere Darstellung setzen, die dem Besucher in kurzer Zeit die Werte der Partei vermittelt.

3. Um der Partei ein Gesicht zu geben und Sympathie zu wecken, sollte jedes Vorstandsmitglied mit Bild präsentiert werden.
 

Parteien im Website-Check: SPD wenigstens hier spitze

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