Mosaiq Media | | von Annette Mattgey

Parteien im Website-Check: Nur Mittelplätze für Schwarz-gelb

Auf den ersten Blick aufgeräumt, aber mit Schwächen bei der Navigation: So präsentieren sich die Websites der beiden Regierungsparteien CDU und FDP. Im Check von Mosaiq Media belegen sie Platz 4 und 5. Die Online-Agentur untersuchte anhand rationaler und emotionaler Aspekte sowie dem Aktivierungspotenzial, wie geeignet die Parteien-Auftritte für den Wahlkampf gerüstet sind. Auf den hinteren Plätzen rangieren die Linke und die Piraten. Im Mittelfeld: CDU und FDP.

Platz 5: FDP

Der Auftritt der FDP macht einen sehr aufgeräumten Eindruck. Die ungewöhnliche Anordnung der vielen Navigationselemente und die fehlenden Kontraste beim Mouseover erschweren dem Besucher die Orientierung jedoch.

Wie die meisten der analysierten Parteien präsentiert sich auch die FDP wenig emotional. Der linke Bereich präsentiert vor allem großflächige Bilder. Da die Motive oft FDP-Politiker oder Stock-Materialien zeigen, verstärken sie aber selten den dazugehörigen Inhalt. Die plakativen Überschriften fördern das Interesse an mehr Informationen. Die einfach gehaltenen Folgeseiten enthalten jedoch leider größtenteils Textwüsten und sperrige PDF-Dokumente. Nur sparsam verwenden die Liberalen Bilder oder veranschaulichende Grafiken. Auch inhaltlich wecken die textlastigen Unterseiten kaum Emotionen. Der persönliche Touch fehlt.

Innerhalb des sehr präsenten Teaser-Bereiches bezieht die FDP Position zu verschiedenen Themen und liefert überzeugende Argumente. Auch die Themenseite, auf der die Partei ihre politischen Themen auflistet, ist übersichtlich gestaltet. Leider kommt nach diesem rational starken Einstieg die Ernüchterung auf den textlastigen Folgeseiten. Erst nach der Lektüre längerer Texte erfährt der Besucher, wie die FDP zu den verschiedenen Punkten steht. Hervorgehobene Kernaussagen und -forderungen sucht man vergebens.

Das interaktive Navigationskonzept mit dem horizontalen Slider bietet einen schnellen Einstieg in die Agenda der FDP – was allerdings besser kommuniziert werden könnte, damit der Nutzer es nicht nur zufällig bemerkt. Für die Sharing-Funktion scheint man sich ein wenig zu schämen, da diese in einer kaum wahrnehmbaren Größe und an ungewöhnlicher Stelle platziert ist. Beispielhaft in Sachen Interaktion und Besucher-Aktivierung ist die Foto-Aktion zur „Gut gemacht!“-Kampagne. Hier kann der Nutzer ein individuelles Motiv mit eigenem Foto und Text erstellen und veröffentlichen.

Vorschläge:

1. Um Emotionen zu wecken, sollte die FDP statt auf Stock-Fotos und Politikerporträts auf aussagekräftigere Bilder setzen, welche die Inhalte der Texte verstärken.

2. Der gute Ansatz der übersichtlichen Themenseite sollte auf den Folgeseiten beibehalten werden. Durch hervorgehobene Kernaussagen erkennt der Besucher auf einen Blick, wofür die FDP steht.

3. Die Sharing-Funktion ist zwar vorhanden, aber kaum sichtbar. Sharing-Buttons sollten größer und direkt unter den Texten eingebunden werden.

Platz 4: CDU

Die Website der CDU wirkt im ersten Augenblick sehr modern und aufgeräumt. Sicher ist: Die CDU hat ihren Web-Auftritt durch den Relaunch optisch aufgewertet. Inhaltlich und argumentativ hat sich jedoch nicht viel verbessert. Auch das neue, stark reduzierte Navigationskonzept ist hinsichtlich der Nutzerfreundlichkeit zu hinterfragen.

Durch den kürzlich vollzogenen Relaunch der (nun auch responsiven) Website hat die CDU gegenüber den anderen Parteien auf optischer Ebene Boden gut gemacht. Beim Aufruf der Seite wird man von einem großflächigen Slider begrüßt, über welchen aktuelle Themen gespielt werden – der aber leider nicht anklickbar ist. Der einfühlsame Slogan „Was mir am Herzen liegt!“ und die direkte Nutzeransprache geben dem Besucher das Gefühl, dass auf ihn gehört wird und dass er für die CDU wichtig ist.

Die CDU-Website bietet Einblick in das aktuelle Parteigeschehen. Grundsätzliche Informationen, warum die CDU die Partei der Wahl sein soll, fehlen jedoch. Im unteren Bereich der Website findet man vor allem Aktionen und aktuelle Nachrichten. Die Startseite leitet den Nutzer zwar durch plakative Aufrufe auf entsprechende Unterseiten. Diese können auf rationaler Ebene aber nur bedingt überzeugen, da es an kompakten Informationen mangelt. Inhalte sind häufig nur über PDFs abrufbar und nicht übersichtlich und schnell überschaubar dargestellt. Da die verschiedenen Unterseiten teilweise unterschiedliche Designs haben, erscheint der Web-Auftritt der CDU nicht ganz einheitlich. 

Die CDU legt auf der Startseite viel Wert auf die Aktivierung des Nutzers und fordert auf "Jetzt aktiv mitmachen" oder "Unterstützen Sie jetzt die CDU". Diese zahlreichen Appelle werden jedoch nur von mäßig vorhandenen Argumenten gestützt. Die Wirkung der eingesetzten Multimediainhalte wird auf den Folgeseiten mit ihren textlastigen Inhalten und vielen PDFs wieder abgeschwächt. Gut gelöst ist die Sharing-Funktion auf den Unterseiten, weniger gut die Navigation. Es fehlen Breadcrumbs zur Orientierung und auch das auf einen Button reduzierte Navigationsmenü ist eher ungünstig umgesetzt. Eine übersichtliche Navigationsstruktur ist zwar vorhanden, befindet sich aber leider im Footer. Ungewöhnlich ist auch die Bedienung des Sliders auf der Startseite. Was auf den ersten Blick wie Pfeile zum Inhaltswechsel aussieht, entpuppt sich als Social-Web-Button und ein Link zur Mediathek. Dafür lassen sich die Inhalte des Sliders mit der Maus hin und herschieben. Interessant, aber nicht wirklich nutzerfreundlich.

Vorschläge:

1. Um dem Besucher die Orientierung zu erleichtern, sollte das Menü nicht auf einen Button reduziert oder im Footer-Bereich versteckt werden. Stattdessen sollten die fünf Haupt-Menüpunkte gut sichtbar im Header platziert werden.

2. Die großflächigen Bilder auf der Startseite sollten verlinkt werden, um gelerntes Nutzerverhalten anzusprechen und den Besucher nicht auf die Suche nach einem Link zu schicken.

3. Ein einheitliches Design der Folgeseiten sorgt für einen runderen Auftritt. Außerdem sollten emotionalisierende und rational überzeugende Elemente auch auf den Unterseiten eingesetzt werden.

Parteien im Website-Check: Nur Mittelplätze für Schwarz-gelb

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