Mosaiq Media | | von Annette Mattgey

Parteien im Website-Check: Letzter Platz für die Linke

Für die Darstellung des Partei-Profils spielt die klassische Website eine wichtige Rolle und ist somit das zentrale Kommunikations-Instrument im Wahlkampf. Hier informiert die Partei über ihre Inhalte und präsentiert relevante Informationen für Parteimitglieder und potenzielle Wähler. Umso wichtiger ist es, dass sie sich deutlich von den Web-Auftritten der Konkurrenz abhebt und aus Besuchern Unterstützer und Wähler werden lässt. Wie überzeugend sind die Websites der einzelnen Parteien vor der Bundestagswahl? Vermitteln sie ein klares Bild der Parteiziele und überzeugen damit unentschlossene Wähler? Werden Unterstützer der Partei mit relevanten Informationen versorgt und für den Wahlkampf aktiviert? Das überprüfte die Stuttgarter Online-Agentur Mosaiq Media mithilfe des von ihr entwickelten Tools BrandInteract©. Es zeigt den Interaktionsgrad zwischen Nutzer und Website an.
 
In einer kleinen Serie zeigen wir, welche Parteien auf dem richtigen Weg sind und wer noch nacharbeiten muss. Den Anfang machen die Plätze 6 (Die Piraten) und Platz 7 (Die Linke).

Das Tool BrandInteract versucht, Schwachstellen in der Interaktion zwischen Website und User aufzudecken. Der Erfolg einer Website hängt vor allem von der Höhe des Interaktionsgrades ab. Wenn Menschen Marken (oder Parteien) nicht nur passiv wahrnehmen, sondern aktiv mit ihnen interagieren, erleben sie deren Botschaften stärker und behalten sie länger im Gedächtnis. Drei Ebenen fließen in die Messung ein: emotionale Ansprache, rationale Faktoren und Aktivierungspotenzial.

Platz 7: Die Linke

Die Seite vermittelt den nüchternen Eindruck eines Nachrichten-Portals. Übersieht man das Logo, erkennt man kaum, dass es sich um den Web-Auftritt der Linken handelt. Bis auf das erste Artikelbild sind die wenigen Bilder sehr klein und verstärken den Nachrichten-Charakter der Seite, statt Emotionen zu wecken. Die Inhalte in der rechten Seitenspalte tragen ebenfalls wenig zur Emotionalisierung bei. Von einer Partei, die sich „Die Linke“ nennt, erwartet man, dass ihre Website die politische Orientierung unterstreicht. Stattdessen werden wichtige Elemente wie Logo und Unternavigation nicht auf der linken, sondern auf der rechten Seite platziert. Das ist zum einen unlogisch und inkonsequent. Zum anderen entspricht es nicht der natürlichen Lesebewegung der Nutzer, die der Form eines F folgt und zuerst den oberen und linken Bereich einer Website erfasst.

Die Website scheint primär über die aktuellen Ereignisse zu informieren und legt dabei den Fokus auf einzelne Personen. Die Artikel auf der Startseite beziehen sich auf verschiedene Argumente oder Positionen der Linken, eine handfeste Argumentationskette oder Begründung sucht man aber vergeblich. Wirklich schlagkräftige Argumente finden sich häufig erst auf den Folgeseiten. Leider fehlt auch eine kompakte Übersicht über das aktuelle Wahlprogramm oder die grundsätzliche Orientierung der Partei.

Auch die Interaktivität der Seite lässt zu wünschen übrig. Zwar haben die Aufrufe in der rechten Spalte einen aktivierenden Charakter, deren Folgeseiten enthalten jedoch vor allem wenig ansprechende Textwüsten. Abgesehen von der rechten Spalte bietet die Website der Linken kaum aktivierende Elemente. Es fehlt sowohl an Verlinkungen in Überschriften und Bildern als auch an der Einbindung von Videos. Auf haptische Elemente, die den Besucher agieren lassen, wird vollständig verzichtet. Außerdem wird dem Nutzer keine Möglichkeit geboten, Artikel in sozialen Netzwerken zu teilen. Durch die umfangreiche Navigation wirkt die Seite sehr überladen. Die rechtsseitige Unternavigation ordnet sich dem oberen, horizontalen Menü unter. Diesen unüblichen Zusammenhang muss der Besucher erst einmal erkennen.

Vorschläge:
 
1. Um Emotionen bei ihren Besuchern zu wecken, sollte die Linke stärker auf große, aussagekräftige Bilder setzen und diese auch verlinken. Bildwelten, welche die Werte der Partei vermitteln, wecken Emotionen und aktivieren Besucher.

2. Wichtige Elemente wie Logo und Unternavigation sollten auf der linken Seite platziert werden, um den Besuchern die Orientierung leichter zu machen und sich ihrer natürlichen Lesebewegung anzupassen. Dies würde auch dem Namen der Partei gerecht werden.

3. Eine kompakte und übersichtliche Darstellung des Wahlprogramms und der Grundsätze der Linken würde den Besuchern auf einen Blick vermitteln, wofür die Partei steht.

Platz 6: Piratenpartei

Das Ziel, Mitglieder zu generieren und Besucher zu mobilisieren, steht bei den Piraten klar im Vordergrund. Die Piratenpartei setzt auf ein responsives Design und holt somit auch mobile Nutzer gut ab. Insgesamt überzeugt die selbst ernannte Internetpartei mit ihrer Website jedoch nicht. Die Ansätze sind gut, an der Umsetzung muss aber noch gearbeitet werden.

Der Aufbau des Headers ist verständlich und dessen Gestaltung transportiert das Gefühl der Piraten. Besucher der Website werden aktiv angesprochen und wissen sofort, mit wem sie es zu tun haben. Der Slider unter der Hauptnavigation bietet Platz für große Bilder, verfehlt jedoch seine Wirkung. Die verwendeten Motive sind emotional wenig ansprechend und die abgebrochenen Überschriften lassen den Besucher ratlos zurück. Die starke Orientierung an einem klassischen Blog passt sich zwar den Gewohnheiten vieler Nutzer an, hat aber auch klare Nachteile. Die einzelnen Beiträge und Artikel sind sehr textlastig – es fehlt an Grafiken oder Bildern, die den Inhalt verstärken. Die rechte Inhaltsspalte ist sehr plakativ gestaltet, Emotionen werden aber auch hier kaum geweckt.

Die Piraten bieten den schnellsten Einstieg in der rationalen Überzeugungsarbeit. Das flächendeckende Hintergrundbild mit den Kernpunkten der Partei vermittelt auf jeder Seite, worum es den Piraten geht. Auch der präsent platzierte Button "Informiere Dich" dient diesem Zweck: Er führt zu einer Themenseite, auf der kurz und knapp zu jedem politischen Thema Stellung bezogen wird. 
 
Die Piratenpartei präsentiert sich auf einer klar strukturierten, tagebuchartigen Website. Der Aufbau ist ansprechend und vor allem der Header und die rechte Spalte regen Besucher an, sich zu engagieren. Allerdings wirkt sich die Wahl des Layouts auch negativ auf das Kriterium Interaktion und Aktivierung aus. Das an ein Blog erinnernde Design bietet kaum Möglichkeiten, interaktive Elemente einzubinden. Überraschend schlecht umgesetzt ist die – für die Piraten eigentlich prädestinierte – Sharing-Funktion: Sie ist nur sehr sporadisch und wenig präsent eingebunden. Ebenso erstaunlich ist der Umgang mit der Kommentarfunktion. Diese ist ein optimales Mittel, um für Interaktion zu sorgen und wird von den Besuchern der Seite auch rege genutzt. Leider versäumen es die Piraten, die Kommentare zu beantworten und verhindern so einen Austausch mit potenziellen Wählern.

Vorschläge:
 
1. Eine Partei, die das Internet zu einem ihrer wichtigsten Themen macht, sollte die Sharing-Funktion präsent und konsequent einbinden. Denn persönliche Empfehlungen sind eine der wirksamsten Formen der Werbung.

2. Die Piraten sollten Kommentare von Nutzern beantworten. So entsteht Nähe und Sympathie. Dem potenziellen Wähler wird vermittelt, dass man sich für ihn und seine Anregungen oder Fragen interessiert.

3. Mehr Bilder und Grafiken, die Gefühle auslösen und den Inhalt der Artikel verstärken, würden zur Emotionalisierung der Seite beitragen.

Parteien im Website-Check: Letzter Platz für die Linke

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