Lesetipp | | von Petra Schwegler

Paid Content: Man kann nicht für alles Geld verlangen!

Gleich zwei Online-Spezialisten warnen aktuell davor, beliebige Inhalte hinter die Bezahlschranke zu stecken. Steven Broschart etwa, Head of SEO and Usability beim Münchner Website-Optimierer Optimizing Experts, hängt seine Kritik sogar an einem der wenigen halbwegs funktionierenden Modelle auf: an Bild Plus. Er hat vor allem das Nutzerverhalten rund um "Highlight-Artikel" der vergangenen Tage bei der Springer-Paid-Content-Offerte durchleuchtet.

Broschart kommt unter der Headline "Warum Bezahlschranken nicht wirklich funktionieren" zu dem Schluss: "Ganz besonders dürfte sich aber die Konkurrenz freuen. Schließlich generiert die Bild-Redaktion für sie ein kontinuierliches Informationsdefizit und treibt viele der Suchenden so in ihre Arme. Und auch wenn die Konkurrenz freimütig den korrekten Urheber der Information benennt: Es nützt nichts. Der Artikel hinter der Bezahlschranke wird entwertet."

Was ist passiert? Die Beispiel-Inhalte wie etwa Sebastian Schweinsteigers neues Gehalt als Kicker in England wurden von Paid-Content-flüchtigen Nutzern per Google schnell auf anderen Seiten gefunden – schlecht für Bild Plus, gut für die Konkurrenz. Der "Optimizing Expert" Broschart empfiehlt nun den Redaktionen, sich etwas einfallen zu lassen – denn nur wirklich exklusive Inhalte würden als Paid Content funktionieren. Gerade die digitalen Erzählmöglichkeiten im Netz böten Vorteile für gefragte Inhalte. Er hat auch eine ganz plausible Idee fürs Veranschaulichen des Schweinsteiger-Gehalts ... In einem Update gibt Broschart inzwischen auch konkrete Tipps, wie Verleger ihre Inhalte für den Erfolg im Netz aufpeppen sollten. Motto: Die beschriebenen Informationen müssen erlebbar gemacht werden.

Ins selbe Horn stößt Holger Schöpper, Regional Director CEU von Ooyala für den Bereich Bewegtbildinhalte. Beim Videostreaming-Anbieter fordert der Manager mit Blick auf die zunehmende Zahlungsbereitschaft für Web-Inhalte "Schluss mit der Kostenloskultur". Aber: "Um sich auf einem stärker fragmentierenden Markt durchsetzen zu können, müssen Streamingdienste den Konsumenten günstige Angebote mit ansprechenden Inhalten bieten", schränkt Schöpper in seinem Statement ein. Die Anbieter von Bewegtbildinhalten sollten sich daher bewusst machen, "dass ihre für Nutzer kostenpflichtigen Geschäftsmodelle nur dann erfolgreich sein können, wenn sie Premium-Content – also Content, der ansonsten nirgends erhältlich ist – zu einem guten Preis anbieten und den Betrachtern dabei eine positive Nutzererfahrung bieten", so der Manager.

Auch ermahnt Schöpper Inhalteanbieter dazu, ihre Abnehmer besser kennen zu lernen – Big Data mache es möglich. Denn: Wer wie Google weiß, was der Nutzer will, der liefert ihm auch, wofür er bezahlen mag. Klar ist: Man kann nicht für alles Geld verlangen!

Übrigens: Der Teaser vor der Bezahlschranke hat in Sachen Bild.de gerade das Gericht beschäftigt. Das Oberlandesgericht Köln lehnt ein separates Verbot eines Anreißers ab, der wörtlich mit den ersten Sätzen der sowieso schon verbotenen Langfassung übereinstimmt. Hintergrund: ein Rechtsstreit zwischen der Bild GmbH und dem Grünen-Politiker Daniel Mack. Bild.de hatte berichtet, dass Mack verdächtigt werde, eine Fahrkarte gefälscht zu haben. Das Ermittlungsverfahren gegen Mack wurde später eingestellt. Sein Anwalt Ralf Höcker reichte gegen die Berichterstattung Klage ein, weil der Artikel Macks Version des Vorfalls nicht ausreichend berücksichtigt habe – er wollte sowohl ein Verbot der kostenpflichtigen Langfassung des Artikels wie auch des frei zugänglichen so genannten Anreißers durchsetzen. Das ist jetzt gescheitert.

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