App-Analyse | | von Annette Mattgey

Otto erhält Bestnoten für Shopping-App

Für den Einzelhandel werden Shopping-Apps immer wichtiger. Zu jeder Zeit und an jedem Ort wird online gestöbert und eingekauft, Tendenz steigend. Laut dem Statistikamt der Europäischen Union gehen bereits 61 Prozent der Bundesbürger im Netz shoppen. Damit übersteigt der Anteil deutscher Online-Shopper an der Gesamtbevölkerung den EU-Durchschnitt um satte 20 Prozent. Eine Statista-Umfrage im Jahr 2014 ergab die wichtigsten Kriterien bei der Benutzung der kleinen Shopping-Helfer: Demnach legen Nutzer insbesondere viel Wert auf Sicherheit und Datenschutz, schnelle und bequeme Bezahlmöglichkeiten, eine flüssige Navigation und ein ansprechendes Design.

Wollen Unternehmen Konsumenten überzeugen und sie langfristig an sich binden, sollten diese Faktoren eine zentrale Rolle im Entwicklungsprozess der Apps spielen. In Zeiten wachsender Marktkonkurrenz ist die Qualität von Anwendungen letztlich das wesentliche Entscheidungskriterium für User. Sie entscheidet über Erfolg und Misserfolg – darüber, ob gekauft wird oder eben nicht.

Applause Analytics durchsucht App Store-Bewertungen

Wie eine App beim Publikum ankommt, messen Tools wie Applause Analytics. Mittels Algorithmus analysiert es alle Bewertungen und Rezensionen der beiden App-Stores von Google und Apple auf Begriffe und Sinneszusammenhänge. Hinsichtlich zehn verschiedener Kernattribute wie Usability, Sicherheit, Datenschutz oder Design wird ein sogenannter „Applause Score“ zwischen 0 und 100 – also eine Art Richtwert für die Stimmung unter den Usern – ermittelt. Dabei gilt ein Score zwischen 90 und 100 als ausgezeichnet, sehr gut ist ein Score zwischen 70 und 89. Als schlecht wird ein Score zwischen 0 und 39 eingeordnet.

Das Gesamtergebnis setzt sich aus den einzelnen Teilbewertungen zusammen, wobei diese unterschiedlich gewichtet werden. Die jeweilige Gewichtung hängt schließlich davon ab, welcher Kategorie (z.B. Produktivität oder Lifestyle) die App angehört. So hat der Faktor „Sicherheit“ einen größeren Stellenwert für die Apps, die den Umgang mit sensiblen Daten erfordern, wie es bei Shopping-Anwendungen der Fall ist.

Shopping-Apps in den USA: US-Nutzer erwarten mehr

In einem aktuellen Report veröffentlichte Applause kürzlich die Erkenntnisse einer Analyse von 95 der bekanntesten US-amerikanischen Apps. Insgesamt zwei Millionen Nutzerbewertungen wurden dafür untersucht. Das ernüchternde Ergebnis: Mit dem Mittelwert von 43 liegt der US-amerikanische Score für die E-Commerce Apps unter dem weltweiten Durchschnitt von 67. Klarer Gewinner in Sachen App-Qualität ist dabei der Online-Händler für Sportwaren Fanatics (92). Einen überzeugenden Auftritt liefern auch Domino’s Pizza (85) und Groupon (82). Dagegen zeigt sich, dass insbesondere Fastfood-Ketten mit Qualitätsproblemen zu kämpfen haben. Eine deutliche Verbesserung wünschen sich US-Konsumenten z.B. von Burger King (25), Jimmy John’s (19) und McDonald’s (12).

Fünf E-Commerce-Apps im Vergleich: Otto bei deutschen Konsumenten top

Der US-amerikanische Vergleich macht deutlich, dass der Graben zwischen Gewinnern und Verlierern der Branche groß ist. Doch wie schneiden bekannte Shopping-Apps bei deutschen Nutzern ab? Und welche Aspekte sind ihnen besonders wichtig? Exklusiv für LEAD digital hat Applause fünf bekannte Shopping Apps mit Applause Analytics unter die Lupe genommen. Getestet und in Bezug auf die zehn Schlüsselattribute verglichen wurden die Apps von Otto, Tchibo, H&M, Zalando sowie Stuffl. Klarer Gewinner: Versandurgestein Otto (75). Für zufriedene Kunden sorgen auch die Flohmarkt-App Stuffl (72) sowie die mobile Anwendung des Rocket-Flaggschiffs Zalando (68). Tchibo (43) und H&M (42) erzielen bei Usern durchschnittliche Ergebnisse.

Optik und Usability stimmen

Zusätzlich zu der Gesamtbewertung zeigt der Test mit Applause Analytics, welche Faktoren bei den deutschen Nutzern besonders punkten konnten. Mit durchschnittlich hohen Werten gehören dazu vor allem Eleganz, Performance und Usability. Unter den verglichenen Anwendungen zeichnete sich vor allem Zalando (Android 84/ iOS 66) als klarer Sieger im Bereich Eleganz bzw. Design aus. Auch Otto (64) und Tchibo (86) überzeugen die iOS-Nutzer durch ansprechende Optik, während H&M (59) vor allem Android-Nutzer zufriedenstellt. Für Modeanbieter H&M ist es gleichzeitig die beste Wertung in den zehn Kategorien.

Auch die Performance der Shopping-Apps überzeugt: Hier glänzen vor allem Otto, Zalando und Stuffl mit einer überragenden Wertung oberhalb von 80 in den beiden App Stores. Gleichzeitig sind alle drei Apps auch die Sieger in Bezug auf Usability. Unter iOS-Nutzern kommt Otto sogar auf einen ausgezeichneten Wert von 90.

Datenschutz wird vermisst

Während E-Commerce-Apps vor allem in den Feldern Eleganz, Performance und Usability punkten können, bleibt in Bezug auf Datenschutz und Sicherheit noch deutlich Luft nach oben. Basierend auf allen vorhandenen Bewertungen in den beiden großen App-Stores ergeben sich durchschnittliche Scores um die 40 – User erwarten hier deutlich mehr.

Mit einem Wert oberhalb der 60 fällt Otto auch hier positiv auf. Ebenfalls vorne mit dabei: Zalando mit einem Score von 59. Überdurchschnittlich schneidet die App von Tchibo ab, mehr Datenschutz wünschen sich die Konsumenten vor allem von H&M. Auch beim Thema Sicherheit sind App-Benutzer noch nicht zufrieden: So liegen die iOS-Scores der untersuchten Apps zwischen 13 bis 43 Punkten, die Android-Versionen kommen immerhin auf Werte zwischen 21 und 47 Punkten.

Fazit

Im Wettbewerb um die bestmögliche Positionierung auf dem hartumkämpften E-Commerce-Markt werden Shopping-Apps zunehmend unverzichtbar. Doch obwohl viele Unternehmen bereits auf E-Commerce setzen, schenken sie der App-Qualität noch unzureichend Aufmerksamkeit. Unterdurchschnittliche Ergebnisse und eine große Kluft zwischen den Gewinnern und Verlierern der Branche weist der US-Markt auf.

Eine große Differenz ist auch in den Bewertungen deutscher Nutzer erkennbar – nicht nur in Bezug auf die untersuchten Apps, sondern auch hinsichtlich der einzelnen Qualitätsfaktoren: Während die Anwendungen generell durch ansprechendes Design, gute Performance und nutzerfreundliche Navigation überzeugen können, vermissen deutsche Nutzer vor allem ausreichend hohe Standards für Datenschutz und Sicherheit. Doch genau diese Aspekte gehören zu den wichtigsten in Bezug auf die App-Qualität und sollten verstärkt in den Fokus von Betreibern rücken. Mit steigender App-Nutzung wird es für die Anbieter immer bedeutender, der App-Sicherheit einen hohen Stellenwert einzuräumen. Denn: die Konkurrenz schläft nicht.

Otto erhält Bestnoten für Shopping-App

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