Deloitte | | von Annette Mattgey

Nur jeder zweite Mittelständler findet sich digital effizient

Große Lücken bei der Digitalisierung: Zwar erkennen kleine und mittlere Unternehmen (KMU) die Digitalisierung als Megatrend an, effizient bei der Umsetzung sehen sich hingegen nur 46 Prozent. Das zeigt die aktuelle Deloitte-Studie „Digitalisierung im Mittelstand“. In persönlichen Gesprächen interviewt wurden dafür 41 Unternehmen mit durchschnittlich 1.500 Mitarbeitern. Knapp drei Viertel der Befragten empfindet Digitalisierung als aktuellen Megatrend. Entsprechend hoch ist der Anspruch; nach eigener Einschätzung ist ihr Digitalisierungsgrad jedoch meist relativ gering. „Die mittelständischen Studienteilnehmer bewerten die Effektivität ihrer Digitalisierungsprojekte zu 59 Prozent, die Effizienz zu 46 Prozent mit ‚gut‘. Gerade beim ersten Fall sind externe Experten aber skeptisch, denn viele Mittelständler sind aufgrund ihrer Struktur kaum in der Lage, den vollen Funktionsumfang von Systemen auszureizen. Der Reifegrad hängt dabei stark von der Unternehmensgröße ab. So sehen 87 Prozent der Befragten konkrete Optimierungsbedarfe“, fasst Jürgen Reker (Bild), Partner und Leiter Mittelstand bei Deloitte, zusammen.

Globale Einschätzung der Effizienz der Digitalisierung:

 

Unter Digitalisierung versteht Deloitte die Veränderung von Geschäftsmodellen durch die Verbesserung von Geschäftsprozessen aufgrund der Nutzung von Informations- und Kommunikationstechniken. Die Vorstellungen der Mittelständler sind jedoch in der Regel noch nicht konkret. Zudem gilt Digitalisierung der Mehrheit nicht als explizites Unternehmensziel. Immerhin fast zwei Drittel betten sie in ihre Strategie ein. 73 Prozent der Befragten weisen dem Phänomen eine hohe bzw. sehr hohe Aktualität zu, 76 Prozent sehen eine hohe strategische Relevanz. Vor allem im Handel hat sich diese Sichtweise durchgesetzt, weniger im Dienstleistungsbereich und noch weniger in der Industrie.

Bedeutung der Digitalisierung nach Branchen:


Die Digitalisierungstreiber lassen sich in externe und interne einteilen. Letztere sind beispielsweise Prozess- und Kostenstruktur-Optimierungen, organisatorische Veränderungen und zunehmendes Datenvolumen, als externe Treiber gelten Kunden- und Lieferantenanforderungen, veränderte Marktkonstellationen sowie politische Vorgaben. Allerdings entstehen viele interne Treiber erst durch externen Druck – zahlreiche Unternehmen haben die Dimension dessen noch gar nicht erfasst. „Die rechtzeitige Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und Folgen der Digitalisierung wird von existenzieller Bedeutung sein. Dies betrifft neben der Hebung von Effizienzen nahezu alle betrieblichen Prozesse sowie die Kommunikationskanäle und wird schon mittelfristig Auswirkungen auf das Gesamtunternehmen haben. Es wird nicht ausreichen, Digitalisierung auf einzelnen Unternehmensebenen voranzutreiben. Es gilt, nicht jedem Trend zu folgen, sondern einen eigenen ganzheitlichen Ansatz zu entwickeln“, meint Jürgen Reker.

Gut gerüstet zeigen sich Rechnungswesen und Finanzen, weniger positiv sieht es bei Personal und Wissensmanagement aus.

Vorbereitung betrieblicher Funktionsbereiche auf die Digitalisierung:

 

Konkrete Herausforderungen sehen diejenigen Mittelständler, die bereits einen hohen Digitalisierungsgrad aufweisen, vor allem bei der Datensicherheit und -qualität, der Steuerung einer fragmentierten Infrastruktur sowie der Transparenz von Erfolgen, Misserfolgen und Kosten. Besonders wichtig sind: Informationssicherheit, Enterprise Collaboration, Mobile Commerce, Business Activity Management und Business Rules Management.
 
Managergeführte Mittelständler aktiver bei Digitalisierung

Bei der Einbettung der Digitalisierung in die Unternehmensstrategie zeigt sich, dass jene kein eigenständiges Ziel ist. Immerhin betreiben 61 Prozent der Befragten eine solche – oft als Unterstützungsfunktion. Auffällig: 91 Prozent der managergeführten, aber nur 52 Prozent der eigentümergeführten Unternehmen betten die Digitalisierung in ihre Strategie ein.
 
Insgesamt 78 Prozent der Mittelständler geben an, ihre Digitalisierung systematisch zu planen. Experten bezweifeln dies, denn tatsächlich betreiben nur 25 Prozent eine Einzelplanung für Digitalisierungsprojekte. Rund 80 Prozent führen eine Digitalisierungskontrolle durch – anhand von Kennzahlen, persönlichen Gesprächen und Berichten. Diese ist jedoch stärker informell als formal ausgeprägt.
 
Die Digitalisierung verändert Geschäftsmodelle: Über ein Drittel glaubt an maßgebliche Veränderungen in den nächsten drei Jahren, insbesondere bei der Ertragsmechanik, der Ressourcenstruktur und der Produkt-Markt-Kombination. Nur ein Viertel hingegen erwartet eine Veränderung der Wertschöpfungskette an sich.
 
Den vollständigen Report bietet Deloitte hier zum Download an.
 

Nur jeder zweite Mittelständler findet sich digital effizient

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