Die Woche im Schnelldurchlauf | | von Frederik Birghan

Nokia ohne Handys, Samsung mit Uhr

Das war schon ein Knaller: Microsoft übernimmt die Handy-Sparte von Nokia; der finnische Hersteller will sich künftig auf die Netzwerksparte „konzentrieren“. Anleger waren begeistert: Das Nokia-Paper stieg teilweise um über 40 Prozent, während Anteilsscheine von Microsoft eine „leichte Korrektur nach unten“ mit immerhin um die vier Prozent erlitten.

Das spricht zum einen für die These, dass die Spezies „Anleger“ durchaus zu irrationalem Verhalten neigen kann. Und während schon erste Experten einen massenhaften Exodus weg von Windows zu Googles Chrome-OS-System prophezeien , erkennen andere dahinter ein „Apple-Muster“. Das meint: Hard- & Software aus einer Hand, bzw. unter eigener Kontrolle. Apple hat auf diese Idee, wie auf manch andere, nicht unbedingt alle Urheberrechte, aber, wie so oft, so konsequent vorangetrieben und integriert in eine digitale Strategie wie kaum ein anderes Unternehmen des vergangenen Jahrzehnts. Die einschlägige Gemeinde fiebert übrigens dem kommenden Dienstag entgegen: Die Truppe von Tim Cooks lud zum iPhone-Event. Erwartet werden neue Smartphone-Modelle.

Microsoft jedenfalls hat mit dem Projekt Xbox bewiesen, dass der Konzern durchaus eine Menge Geld in die Hand zu nehmen bereit ist, um einen bereits bestehenden Markt neu zu durchdringen, penetrieren; so reden jedenfalls Börsenmenschen. Zwischenzeitlich war diese Entertainment-Sparte ein echter Gewinnbringer. Derzeit balgt sich die Games-Sparte des Office-Konzerns vor allem mit Sony um die Vorherrschaft bei den Next-Gen-Konsolen, Nintendo wirkt just angeschlagen.

Mit der Handy-Sparte von Nokia kauft Redmond nicht nur Fertigung und anhängende Logistik, sondern auch Patente für den mobilen Sektor. Ein Signal an die Branche: Wir meinen es ernst, Microsoft nimmt die mobile Herausforderung an!

Beobachter sehen Microsoft derzeit eher unter Druck: Die Stammsparte mit Windows-Betriebssystem und der Office-Linie stagniert eher anlog zur den rückläufigen PC-Verkäufen. Die mobile Sparte schwächelt bislang im Marktanteil „zu vernachlässigen“, das Tablet Surface erlebt immer neue Schnäppchenpreise, um es unter die Leute zu bringen. Das kommende Weihnachtsgeschäft mit den Next-Gen-Konsolen Xbox One und Sonys Playstation 4 umweht für beide Konzerne ein Endzeit-Szenario à la „Terminator“: Die Games-Branche hat bereits schwere Verwüstungen hinter sich, nun beginnt der Endkampf um die verbliebenen globalen Spiele-Konsumenten. Viele wanderten zuletzt ab zu Smartphones & Tablets – also schamlos günstigen App-Games aus Sicht der Industrie – und kostenlosen Browserspielen. Gewinne brachen ein, der Spaß in der Spieleindustrie war ein wenig vorbei. Ausgerechnet Electronic Arts, weltgrößter Games-Publisher, vergrätzte mit seinem Geschäftsmodell der virtuellen Güter, sprich nachträglichen Aufrüstung originär kostenfreier Spiele, die Gemeinde nachhaltig. Die Verantworlichen hatten das Prinzip überzogen und wurden mit einem Misserfolg gestraft.

Dann hat noch der koreanische Konzern Samsung die „Galaxy Gear“ vorgezeigt, seine Interpretation des Themas Smartwatch, wearable devices. Das Ding wirkt eher klobig und als würden demnächst Geräte so aussehen, damit Patienten in durchdigitalisierten Kliniken nicht verloren gehen. Fehlt nur noch der Notrufknopf, falls der Kreislauf schwächelt. Elegant ist anders. Ob dieses Teil eine Massenbewegung auslösen kann?

Yahoo kriegt mehr Prada ins vormals verspielte Logo. Wenn’s denn dem Business dient, warum nicht?

Ein anderes Business wurde erst mal abgesagt: Springer will die Scout24.de-Gruppe nun doch nicht kaufen, hieß es. Kann heißen: Eure Preis- und sonstigen Vorstellungen sind indiskutabel! Überlegt Euch das noch mal... oder: Wir pumpen das Geld lieber woanders hin. Am Ende wird man sehen...

Und dann war da noch ein neuer Facebook-Aufreger, der fast nach Kinderarbeit klang. Dabei sehen die neuen Nutzungsbedingungen „nur“ vor, künftig auch mit den Profilfotos und Namen Minderjähriger werben zu dürfen. Unentgeltlich. Also doch keine Kinderarbeit.

Nokia ohne Handys, Samsung mit Uhr

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