Bewegtbild | | von David Philippe

Neue Media-Konzepte für die Generation YouTuber gesucht

Ja, ich besitze einen Fernseher. Und ja, manchmal gucke ich mir sogar Sendungen im Fernsehen an. Linear. Ohne Internet. Also so ganz altmodisch. Aber das kommt vielleicht ein oder zwei Mal im Monat vor.

Klassisches Fernsehen wird unwichtig

Natürlich ist das klassische Bewegtbild im Fernsehen nicht tot. Aber gerade in der jüngeren Zielgruppe und bei den sogenannten Onlinern ist das klassische Bewegtbild schon lange nicht mehr so wichtig, wie noch vor einigen Jahren.

Das ist nicht nur eine subjektive Meinung von mir, sondern das hat auch die ARD/ZDF-Online Studie festgestellt. So sehen 43 Prozent der Onliner wöchentlich Bewegtbilder. Davon acht Prozent lineare TV-Sendungen. Immerhin 13 Prozent sehen sich die TV-Sendungen zeitversetzt (Mediathek) an.  40 Prozent davon verfolgen die bewegten Bilder auf Videoportalen, Streams oder PodCasts.

Onliner sind nun ein seltsames Völkchen, schwer zu erfassen und irgendwie fern von der „normalen Welt“, könnte man sagen. Also vergleichen wir die Zahlen mit den 14-29 Jährigen! 76 Prozent der 14-29 Jährigen schauen sich Bewegtbilder an. Insgesamt 13 Prozent davon sehen sich dabei TV-Sendungen linear im Fernsehen an. Immerhin 24 Prozent davon greifen zeitversetzt (Mediathek) auf die TV-Sendungen zu. Doch 81 Prozent der 14-29 jährigen Bewegtbildgucker nutzt Videoportale, Streamingdienste und PodCasts.

Und damit kann ich mich wiederum sehr gut identifizieren. Ich schaue mir Sendungen, die gut zu sein scheinen, eher in einer Mediathek an. Meistens weil ich keine Lust habe, zu einer festen Zeit etwas zu gucken, sondern weil ich die Sendung dann sehen will, wenn ich Zeit und Muße habe, mich mit dem Thema zu beschäftigen.

Die „Sendungen“ von heute laufen nicht im Fernsehen

Und letztens habe ich mit jemanden gesprochen, der mir erzählte, dass er gar keinen Fernseher mehr habe. Ihm reicht ein Monitor für seinen Rechner. Dort schaut er dann seine „Sendungen“. Die laufen übrigens nicht im Fernsehen. Die laufen auf YouTube. Denn seine „Sendungen“ sind die Videos der YouTuber, die er abonniert hat.

Manche YouTuber bringen regelmäßig neue Videos heraus. Wöchentlich, täglich oder in einem anderen Rhythmus. Die Fans jedenfalls kennen den Rhythmus und erwarten die neuen „Folgen“ von ihrem YouTuber. Das ist übrigens nicht nur in den USA oder „woanders“ so. Das geschieht schon in Deutschland.

Ob „Y-Titty“ oder „Die Aussenseiter“  oder auch „Gronkh“, in Deutschland sind YouTuber bereits richtige Stars mit einer Reichweite, die manche Fernsehsendung neidisch werden lässt. Humor, Information, Gaming. Die Themen sind für YouTuber ohne Grenzen und manche YouTuber befassen sich auch einfach nur mit lustigen YouTube Videos. Sie stehen damit für einen Trend, der schon lange vorhanden ist und erst seit kurzem von mehreren erkannt wird: Klassisches Fernsehen nimmt an Bedeutung ab.

Dabei benehmen sich die YouTuber jedoch nicht wie revolutionäre Aktivisten, die das etablierte System Fernsehen verbessern wollen. Viele kopieren sogar grob die Mechaniken aus dem klassischen Fernsehen. Arbeiten mit TKP und Product Placement. Übernehmen, was sie für sich als gut bewerten und lassen weg, was sie nicht brauchen.

Alte Media-Mechaniken nicht ins Web übertragen

Wunderbar, könnte man jetzt als Marketingmensch denken. Dann verlagern wir unser Media Budget einfach von TV zu YouTube und alles ist gut! Ein bisschen Werbung in einem Video, oder ein PreRoll Ad vor dem Video, warum nicht?

Warum nicht? Weil es nicht lange funktioniert. Und vor allem nicht so, wie im klassischen Medium. Die User haben viel mehr Möglichkeiten, lästige Werbung zu entfernen. Und auch die YouTuber selbst merken schnell, wenn bestimmte Werbeformate zu negativ ankommen.

Warum soll man weiter mit Unterbrecher- und Störerwerbung arbeiten, von denen man zwar nicht weiß, warum sie den Absatz fördern, aber schon weiß, dass sie bei den meisten Konsumenten negativ und als störend empfunden wird? Mit dem Shift des Konsums von Bewegtbildern bietet sich die Möglichkeit, neue Werbeformate zu entwickeln. Kreativ zu werden und über Werbung nach zu denken, die nicht mehr stört und unterbricht, sondern anders ist.

Ich weiß selbst noch nicht, wie das genau aussehen soll. Klar, Sponsorings und Product Placement ist ein Weg, der schon vorher existierte. Aber es gibt sicher noch mehr. Hätte ich das schon entdeckt, müsste ich mir sicher finanziell erstmal weniger Sorgen machen. Doch soweit ist es nicht und daher überlege ich mir weiterhin, wie man in dieser neuen Medienwelt gemeinsam mit den Konsumenten arbeiten und reden kann, anstatt sie mit Werbung zuzumüllen.

David Philippe ist einer der "Digital Leader", einer festen Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreiten. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

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