Markenrecht | | von Annette Mattgey

Naming-Expertin Kircher: Warum das Q so beliebt ist

Google gleich Google: In vielen Fällen sind Markenname und Domainname identisch. Doch Vorsicht: Markenrecht ist nicht gleich Domainrecht. Wie Sie heute noch einen Markennamen finden, der auch in der digitalen Welt Zugkraft hat, erklärt Sybille Kircher, geschäftsführende Gesellschafterin der Düsseldorfer Namensagentur Nomen International Deutschland.

Inwiefern unterscheidet sich das Markenrecht vom Domainrecht?

Zuallererst dadurch, dass ein Markenname keine wesentlichen Eigenschaften eines Produkts oder einer Dienstleistung beschreiben darf. So kann man zum Beispiel nicht die Marke "Quellwasser" für Quellwasser in der Flasche einreichen. Für Domainnamen gilt das nicht. Egal wie beschreibend der Name ist - er wird als Domain vergeben, sofern er identisch unter der jeweiligen Top-Level-Domain noch nicht existiert. Ein weiterer wichtiger Unterschied ist, dass ein Markeninhaber die Pflicht hat, die Marke zu benutzen. Tut er das nicht, kann jeder andere Interessent die Löschung der Marke veranlassen. Bei Domainnamen ist das anders. Gegen Zahlung einer kleinen Gebühr erhält man das Recht auf unbefristete Benutzung.

Kann im Internet also jeder mehr oder weniger machen, was er will?

Im Grunde ja, solange bestehende Markenrechte nicht offensichtlich verletzt werden. Schwierig wird es dann, wenn ein Name als Marke und als Domain gleichzeitig bestehen soll. Dann müssen die markenrechtlichen Anforderungen in den relevanten Absatzmärkten zwingend erfüllt sein. Für Markeninhaber ist das eine extrem schwierige Situation. Denn das Markenrecht wird mittlerweile von den Domainnamen derart überflutet und verwässert, dass es faktisch außer Kraft gesetzt wurde.

Was heißt das konkret?

Früher mussten Hersteller bei der Benennung ihrer Produkte und Dienstleistungen "nur" markenrechtliche Vorgaben beachten, die geografisch abgegrenzt waren. Durch das Internet ist die Markenwelt zum "Global Village" geworden, in der Verbraucher durch Zufall auf eine Vielzahl ähnlich klingender Namen treffen können. Heute ist die Differenzierung immens schwierig geworden. Auch wird es täglich schwieriger, das Markenimage zu steuern: Ein falscher Klick und schon könnte der User auf einer Seite eines anderen Anbieters landen.

Was raten Sie Ihren Kunden, die auf der Suche nach einem Markennamen plus passender Domain sind?

Wichtig ist zuerst einmal, unsere Kunden für die Problematik zu sensibilisieren. Einen Markennamen zu finden, ist das eine. Das andere ist, dass der Name der Welt des Internets standhalten muss. Die weltweite Reichweite digitaler Marken macht die Namensfindung heutzutage sehr schwierig. In jedem Fall sollte bei der Wahl eines neuen Markennamens auch dessen digitales Potenzial geprüft und weitreichender Markenschutz angestrebt werden.

Wie sollte denn ein Markenname klingen, wenn er auf internationalem Parkett Bestand haben will?

Ungewöhnlich. Dies war schon in der Zeit der Marken, die bevorzugt auf "oo" endeten der Fall. Und die "oo" sind auch heute noch bei Start-ups beliebt. Das erklärt auch, warum die seltenen Buchstaben x, k, q und w zurückkehren. Dadurch treten nicht-konventionelle Buchstabenabfolgen auf, wie etwa bei „Qobuz.com“. Je außergewöhnlicher ein Name ist, desto besser sind seine Chancen in der realen und digitalen Welt.

Und welche Namen halten Ihrer Erfahrung nach der Welt der Internets so gar nicht stand?

Je beschreibender ein Name, desto schwieriger wird es, diesen im Internet zu finden. Ziel soll es aber natürlich sein, mithilfe der Suchmaschinen so schnell wie möglich gefunden zu werden. So sollten Markennamen international als attraktiv empfunden werden. Selbst wenn der Hersteller vorerst auf den deutschen oder europäischen Markt fokussiert ist. Das kann sich ändern.

Was halten Sie von einer internationalen Institution, die die Verwaltung künftiger Marken übernimmt?

Das wäre wünschenswert, auch wenn diese Institution sicher keinen einfachen Job hätte. Was wir aber in jedem Fall benötigen, ist ein eindeutiges Domain-Recht, dass das Markenrecht nicht wie bisher faktisch aushebelt. Das würde der Welt der Markennamen im Internet einen rechtlichen Rahmen geben, den sie dringend braucht.

Sybille Kircher ist geschäftsführende Gesellschafterin der Düsseldorfer Nomen International Deutschland. Die Agentur, die zur internationalen Nomen-Gruppe mit Sitz in Paris gehört, berät in allen Fragen der strategischen Entwicklung und Absicherung von Markennamen sowie in Fragen der Markensprache. Angeschlossen an die Gruppe ist Nomen Légimark, ein eigenständiges Netzwerk aus Patentanwälten.

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