Google Hummingbird | | von Eric Kubitz

Nach "Kolibri"-Update: Warum Google Dich nun besser versteht

Wenn du Entwicklungs-Chef bei Google wärst, was würdest du an der Suchmaschine verbessern? Also ich würde an drei großen Bereichen arbeiten: Erstens an einer noch besseren Spam-Erkennung, klar. Zweitens würde ich mit allen Mitteln versuchen, die Tastatur-Fesseln zu lösen, an die Google immer noch gekettet ist. Wir Online-Marketer können zwar schnell tippen - aber die große Mehrheit da draußen nicht. Deshalb würde ich neue Eingabeformen wie etwa Spracherkennung oder automatische Bedürfnis-Erkennung (etwa im Auto) hoch priorisieren.

Mein Hauptprojekt wäre aber, drittens: ein verbesserter Dialog zwischen Suchmaschine und Benutzer. Was meint ein User WIRKLICH, wenn er "der beste Italiener in München" eingibt? Will er essen gehen oder sucht er nach Anschluss zu italienischen Freunden? Google muss nicht nur wissen, in welcher Situation sich die Fragesteller befinden ("Personalisierung") sondern muss den Sinn hinter den Wörtern einer Frage besser verstehen lernen. Und das ist ganz schön knifflig.

Möglicherweise sind die Entwickler in Moutain View dabei einen großen Schritt weiter gekommen. Das neueste, große Algorithmus-Update "Hummingbird" könnte der Schlüssel dazu sein: Googles Frontmann Matt Cutts hat dieses vor einigen Tagen anlässlich des 15 Geburtstages der Suchmaschine verkündet und vor allem Danny Sullivan von Search Engine Land hat einige Insights dazu veröffentlicht. Demnach ist das Update wirklich riesig: 90 Prozent aller Suchanfragen sollen betroffen sein. Selbst das Panda-Update oder der Penguin wirken gegen diesen Kolibri winzig.

Ein Riesen-Update - ohne Wirkung?

Allerdings gönnte sich Google bei diesem Update einen Gag: Als Matt Cutts darüber berichtete, werkelte es offenbar schon seit vier Wochen in den Rechenzentren. Und keiner hatte es bemerkt. Wie kann das sein?

Nun, Hummingbird ist ein Struktur-Update, es wirbelt nicht die Suchergebnisse durcheinander, sondern aktualisiert "nur" die Technik dahinter. Etwa wie bei "Caffeine", mit dem vor drei Jahren die Server-Infrastruktur grundlegend erneuert wurde. Auch damals haben wir SEOs ratlos mit ansehen müssen, wie die Rankings irgendwie alle an Ort und Stelle geblieben waren, obwohl Großes angekündigt war. Allerdings sind wir seitdem kaum mehr aus dem Staunen heraus gekommen. Denn mit Caffeine ist die Innovationskraft von Google deutlich gestiegen. Nach und nach haben wir gesehen, wie die Suchmaschine immer schneller neue Webseiten aufnehmen konnte und viel mehr Wert auf "Freshness", also Aktualität, legte. Mit einem frischen Beitrag kannst du heute in wenigen Minuten super ranken - und morgen kann das schon wieder vorbei sein. Mit Caffeine hat Google offenbar ein Menge PS mehr in den Algorithmus-Motor geschraubt. Und mit dem Hummingbird wurde vermutlich die Elektronik und die Handhabung des Fahrzeugs ausgetauscht.

Mit Hummingbird zum Sinn hinter der Worten

Was bedeutet das? Neben einigen Kleinigkeiten (z.B. Vergleiche im Knowledge-Graph, die z.B. auf die Suchanfrage "Venus vs. Mars"), soll das Update vor allem das Verständnis für die im Suchschlitz eingegebenen Fragen verbessert haben. Der Dialog zwischen Suchmaschine und Benutzer wurde also auf der Empfängerseite verbessert. Und zwar indem Google versucht, die Intention einer gestellten Frage semantisch zu verstehen. Hä?

Dazu muss man wissen, dass bei Google nicht nur technische Nerds und Mathematiker sondern auch sehr kluge Sprachwissenschaftler beschäftigt sind. Gemeinsam haben sie es wohl geschafft, dass ein Satz "Was ist der beste Italiener in München" nicht mehr nur in seine Wörter zerlegt und nach diesen Begriffen im Index gesucht wird. Dank Hummingbird wird auch die Meta-Ebene der Worte im Zusammenhang erkannt: So sind die Begriffe "Italiener" und "München" so genannte "Entitäten", das Wort "beste" ein Attribut, das zu "Italiener" gehört. Weiß Google das, ist eine bessere Suche möglich, da nun einfacher auch nach "leckeren" Italienern und nach "Pizzerias" gesucht werden kann. Außerdem gibt es noch weitere Wortarten, wie etwa "Prädikate" die die verschiedenen Entitäten miteinander verknüpfen. ("Ich möchte von München nach Berlin FLIEGEN").

Ist diese Meta-Ebene der Worte einmal erkannt, kann eine natürlich formulierte Frage viel besser beantwortet werden. Und mit ein bisschen Erinnerung an die schon laufende Kommunikation zwischen User und Suchmaschine kann auch die Anschluss-Frage "Und wie finde ich den?" beantwortet werden. Denn dann ist klar, dass mit "den" der Italiener gemeint ist, den Google gerade vorgeschlagen hat.  

Nicht mehr fragen, sondern quatschen

Und was bedeutet das im richtigen Leben? Nun, für die User heißt das, dass nun auch umgangssprachliche Fragen hoffentlich vernünftig beantwortet werden können. Selbst leicht verwirrte Sprachanfragen an Apples Siri sollten für Google nun verständlicher werden. Jedenfalls in Zukunft. Für die Suchmaschinenoptimierung heißt das in erster Line "weiter so". Und zwar bezogen auf die Entwicklung, die die Branche in den vergangenen Monaten und Jahren eh genommen hat in Richtung "Content rules!" Denn wenn Google in der Lage ist, die Fragen besser zu verstehen, ist der Weg zu wirklich passenden Antworten im Index frei. Und zwar unabhängig von Linkkauf, technischer Detailversessenheit und langer Nonsense-Texte.

Ich weiß, das klingt jetzt wieder ein bisschen esoterisch: Aber der Hummingbird ist ein weiteres Signal, dass es auch im SEO immer wichtiger wird, sich damit zu beschäftigen, was die Leute da draußen eigentlich wollen - und weniger damit, was man halt grad zu verkaufen hat. Das mag uns unsere Arbeit nicht gerade leichter machen. Aber DAS ist auch nicht die Aufgabe eines Google-Entwicklungs-Chefs.

Eric Kubitz ist einer der "Digital Leader", einer festen Gruppe von Bloggern, die ab sofort ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreiten. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

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