BVDW | | von Annette Mattgey

Mobiles Internet ja, mobiles Bezahlen nein

Während Tablets und Smartphones immer selbstverständlicher als Informationsquelle und Shoppingkanal verwendet werden, hat es das mobile Bezahlen weiter schwer. In einer Gemeinschaftsstudie beleuchten die Branchenverbände Bundesverbandes Digitale Wirtschaft, IAB Öster­reich und IAB Schweiz ausführlich die digitalen Nutzungsgewohnheiten. So gilt für 58 Millionen Onliner zwischen 16 und 69 Jahren von der Nord- und Ostsee bis in den Schweizer Jura und die Steiermark: Über 90 Prozent von ihnen (53 Mio.) sind an einem Wochentag per PC bzw. Laptop im Internet (D und A: 92 Prozent, CH: 88 Prozent), und die tägliche Nutzungsdauer über diese Endgeräte beträgt über drei Stunden (D: 195 Minuten, A: 200 Minuten, CH: 179 Minuten). Über die Hälfte der Internet­nutzer in den drei Ländern geht per Smartphone online (D: 55 Prozent, A: 54 Prozent, CH: 59 Prozent). Diese 32 Millionen Mobile-Nutzer sind durch­schnittlich über anderthalb Stunden an einem Wochentag per mobilem End­gerät im Netz (D und A: 95 Minuten, CH: 100 Minuten).  

Internet übertrumpft Fernsehen

Bei der wochentäglichen Medien- und Devicenutzung liegt in allen drei Ländern das Internet (Nutzung per Laptop/ PC) klar an erster Stelle (D und A: 92 Prozent der Befragten, CH: 88 Prozent), gefolgt von TV (D: 72 Prozent, A: 63 Prozent, CH: 61 Prozent). Auf Platz 3 im Ranking zeigt sich ein differenziertes Bild, das die generell leicht höhere Mobile-Affinität der Schweizer unterstreicht: Während in der Schweiz dort das Smartphone mit 59 Prozent in der Nutzergunst rangiert, liegt in Deutschland und Österreich Radio (D: 62 Prozent, A: 58 Prozent) auf dem dritten Platz. In Deutschland folgen auf den weiteren Plätzen Smartphone (55 Prozent), Tageszeitungen (45 Prozent), Zeit­schriften (43 Prozent), Tablet (29 Prozent) und Smart-TV (17 Prozent).

Auch bei der wochentäglichen Nutzungsdauer hat Online klar die Nase vorn: In allen drei Ländern dominiert hier die Internetnutzung per Laptop/ PC mit durchschnittlich über drei Stunden (D: 195 Minuten, A: 200 Minuten, CH: 179 Minuten). An zweiter Stelle rangiert in Deutschland TV (163 Minuten), gefolgt von Radio (130 Minuten). Auf den weiteren Plätzen liegen – wie in Österreich und der Schweiz – weitere internetfähige Endgeräte wie Smartphone (95 Minuten), Tablet (93 Minuten), Smart-TV (70 Minuten), erst dann kommen Zeitschriften (34 Minuten) und Zeitungen (30 Minuten).

Dabei haben alle drei Digital-Varianten ihre spezifische Verteilung über den Tag und die Woche, hier etwa beispielhaft das Tablet:

 

Media-Meshing wird zur Selbstverständlichkeit

Media-Meshing, d.h. die parallele bzw. verknüpfte Nutzung von mindestens zwei Medien ist für die Onliner in der DACH-Region eine Selbstverständlichkeit – und dies über alle Medien hinweg. Bei neun von zehn der Befragten ist vor allem TV das zusätzliche Medium der Wahl (D: 92 Prozent, A: 90 Prozent, CH: 90 Prozent). Aber auch Radio (D: 82 Prozent, A: 83 Prozent, CH: 84 Prozent) und das Internet via Tablet (D: 84 Prozent, A: 80 Prozent, CH: 85 Prozent) stehen als Parallelmedien hoch im Kurs.  

Was im Fernsehen so läuft, beeinflusst auch das Netz: Durch­schnittlich über 40 Prozent der Befragten lesen mindestens ab und zu gezielt Online-Kommentare im Social Web parallel zum TV-Programm (D: 48 Prozent, A: 41 Prozent, CH: 46 Prozent). Selbst verfassen tun diese aber nur rund ein Fünftel (D und CH: 21 Prozent, A: 17 Prozent).

Bei der Internetnutzung parallel zu TV dominieren bei den digitalen Endgeräten in allen drei Ländern Laptop/ PC (D: 80 Prozent der Befragten, A: 76 Prozent, CH: 72 Prozent) vor dem Smartphone (D: 53 Prozent der Befragten, A: 50 Prozent, CH: 54 Prozent) und dem Tablet (D: 28 Prozent der Befragten, A: 22 Prozent, CH: 33 Prozent).

Digitale Kanäle sind Allround-Begleiter für alle Lebenslagen

Egal ob Shopping, Information oder Kommunikation – das Internet besitzt in allen drei Ländern eine hohe Relevanz in allen Lebenslagen. Dabei zeigt sich, dass das Internet vor allem für Schnelligkeit bzw. Echtzeit, Transparenz und Verbindung bzw. Vernetzung steht. Die Top-3-Aktivitäten im Internet sind bei deutschen, österreichischen und schweizerischen Onlinern gleichermaßen die Bestellung bzw. der Kauf von Produkten (D: 83 Prozent der Befragten, A: 75 Prozent, CH: 67 Prozent), das Verfolgen des aktuellen Tages­geschehens (D und CH: 74 Prozent, A: 73 Prozent,) und der Kontakt/ die Kommunikation mit Freunden und Bekannten (D: 71 Prozent der Befragten, A: 73 Prozent, CH: 75 Prozent). Mehr als jeder vierte Befragte nutzt das Internet inzwischen auch zur Kontaktaufnahme mit Behörden bzw. politischen Parteien – wobei Deutschland hier trotz E-Government-Gesetz und z.B. rechtssicherer E-Mail mit 26 Prozent deutliches Schlusslicht im Drei-Länder-Vergleich ist (A: 36 Prozent, CH: 33 Prozent). 

Digital Commerce boomt weiter

Einkaufen via Internet ist in der DACH-Region angesagt. So haben 40 Millionen Onliner im letzten Monat online mit dem Laptop/ PC eingekauft (D: 71 Prozent, A: 63 Prozent, CH: 57 Prozent), 13 Millionen mit dem Smartphone/ Tablet (D: 22 Prozent, A: 21 Prozent, CH: 25 Prozent). Beim Power-Shopping (mehr als sechs Einkäufe im letzten Monat) via Laptop/ PC liegen die deutschen Onliner zahlenmäßig vor den schweizerischen und österreichischen (D: 17 Prozent, A und CH: jeweils 10 Prozent). Bei den Ausgaben für Online-Shopping zeigt sich, dass durchschnittlich rund ein Drittel der Onliner in der DACH-Region im letzten Monat mindestens 151 Euro für Einkäufe im Internet ausgegeben hat (CH: 38 Prozent, A: 34 Prozent, D: 31 Prozent).    

 

Beim Thema Mobile Payment herrscht dagegen Zurückhaltung unter den Onlinern. Fast zwei Dritteln sind die beiden gängigen M-Payment-Techniken NFC und Bezahl-App unbekannt. Und selbst diejenigen, die damit etwas anfangen können, wollen in der Mehrheit die Technik nicht anwenden. 

 

Wearables auf dem Vormarsch

Mehr Chancen haben dagegen Wearables, d.h. internetfähige Geräte (Brillen, Armbanduhren, Kon­taktlinsen etc.), die direkt am Körper ge­tragen werden können. So kennen über die Hälfte aller Internetnutzer in den drei Ländern entsprechende Smart Devices (D: 57 Prozent, A: 60 Prozent, CH: 56 Prozent). Schon einmal genutzt haben solche Geräte durchschnittlich über 10 Prozent (D und CH: jeweils 14 Prozent, A: 10 Prozent), eine entsprechende Nutzung kann sich aktuell mindestens jeder Dritte vorstellen (D: 34 Prozent, A: 37 Prozent, CH: 41 Prozent).   

Die Vorsitzenden der Branchenverbände bewerten die Daten der Studie als äußerst hilfreich. So sagt etwa Matthias Ehrlich, Präsident BVDW: "Für Unter­nehmen aller Branchen ist das umfangreiche Datenmaterial eine erstklassige Grundlage, sich das große Nutzerpotenzial im deutschsprachigen Internet sowie die intensive und vielfältige Nutzung der Digitalkanäle für eine erfolgreiche zielgruppenorientierte Vermarktung ihrer Produkte und Services zunutze zu  machen." Lilian Meyer-Janzek, Geschäftsführerin IAB Österreich, ergänzt: "Die enorme Zunahme digitaler Kommunikationsangebote und Endgeräte eröffnet großartige Möglichkeiten werblicher Ansprache. Wir freuen uns, dass wir mit unserer DACH-Mediennutzungsstudie wertvolle Insights für Multiscreen-Kampagnen bieten können. Keine andere Studie setzt Detaildaten der Online-Nutzung via unterschied­licher Devices in so einen umfassenden Kontext: Wir können nicht nur länderübergreifend vergleichen, sondern haben auch Nutzungsdaten für traditionelle Medien in einem Single-Source-Datenbestand vereint." Stephan Obwegeser, Präsident IAB Schweiz, stellt fest: "Mit den Erkenntnissen aus der DACH-Internet-Nutzungsstudie können nun Thesen, Bauchgefühl und Vermutungen mit harten Fakten unterlegt werden."

Einen ersten Einblick gibt die Zusammenfassung der Ergebnisse, die hier online steht. Zur Nutzung der Gesamtergebnisse der DACH-Studie, die im nächsten Jahr fortgesetzt werden soll, stellen BVDW, IAB Österreich und IAB Schweiz ein Online-Dashboard mit Excel-Tabellenband zur Verfügung. Interessenten können sich unter iab.dcore-analytics.de einloggen und bis zum 01.01.2015 die Gesamtdaten für Deutschland, Österreich und die Schweiz oder aber auch nur Daten für die einzelnen Ländern mit einem Early-Bird-Rabatt von 20 Prozent beziehen. Mitglieder des BVDW, IAB Österreich und IAB Schweiz erhalten darüber hinaus einen Mitglieder-Rabatt.

 

Mobiles Internet ja, mobiles Bezahlen nein

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