Siri hilft: Persönliche Assistenten auf dem Handy werden populärer.
Siri hilft: Persönliche Assistenten auf dem Handy werden populärer. © Foto: W&V Online

Gartner-Studie | | von Susanne Herrmann

Mobile-User verlassen sich immer mehr auf Siri und Google Now

Früher galt: "There's an app for that." Heute bieten virtuelle persönliche Assistenten auf dem Smartphone (VPA) Hilfestellung in allen Lebenslagen. Man braucht nur zu fragen, schon geben die sprachgesteuerten VPAs passende Antworten oder erledigen Aufträge, für die sonst auf dem Smartphone herumgetippt und -gewischt werden muss.

Diese Assistenten, von Siri über Google Now bis hin zu Cortana und Dragon, setzen sich immer mehr durch - und werden der Prognose von Gartner zufolge mehr und mehr Apps von den Mobilgeräten verdrängen. Wir seien auf dem Weg in eine Post-App-Ära, urteilen die IT-Forscher auf Basis von Daten, die in den USA, Großbritannien und China erhoben wurden. Das lässt durchaus Rückschlüsse zu auf die Entwicklung hierzulande. Zumal nun das VPA-Konzept mit Alexa von Amazon und Google Home massiv in die Wohnungen drängt.

Noch werden Apps rege genutzt - vor allem für den Info-Austausch

Smartphone heißt immer noch: Kommunikation. Vom direkten Austausch untereinander bis hin zum Posten und Überfliegen im Social Web. Die 2016 laut Gartners "Mobile Apps Survey" meistgenutzten Apps sind denn auch Social-Media-Apps. 83 Prozent der Befragten nutzen sie. Es folgen mit je 71 Prozent Nutzerquote Messaging, Video und Landkarten-Apps. Hier fällt aber auf: In diesen vier App-Kategorien geht die Nutzung im Vergleich zum Vorjahr jeweils zurück - ausgenommen Messaging (siehe Grafik).

App-Nutzung auf dem Smartphone (Gartner, Februar 2017)

App-Nutzung in USA, Großbritannien und China laut Gartner-Umfrage (je rund 3000 Befragte).

App-Nutzung in USA, Großbritannien und China laut Gartner-Umfrage (je rund 3000 Befragte).

Während also die App-Nutzung in den Bereichen Social Media (minus 2 Prozentpunkte), Video (-2) und Landkarten (-3) rückläufig ist, nimmt sie bei Messaging (plus 3 Prozentpunkte) und Shopping (+4) zu. Proportional den größten Sprung amchen - weil von einem niedrigeren Niveau kommend - die Persönlichen Assistenten: Nutzten 2015 lediglich 31 Prozent der Befragten ihren VPA, waren es 2016 bereits 35 Prozent.

Hinzu kommt: Ende 2016 gaben 33 Prozent der Befragten der Gartner-Studie an, lediglich sechs bis zehn Apps pro Monat zu benutzen. Verglichen mit 2015 bedeute das einen Rückgang um 6,2 Prozentpunkte. "Wir sind Zeugen des Beginnes einer Post-App-Ära", sagt Studienleiterin Jessica Ekholm, "basierend auf der Tatsache, dass die Smartphone-Nutzer immer weniger Apps auf ihren Geräten aktiv nutzen."

Stattdessen seien die auf der Suche nach Apps, die mehrere Aufgaben erledigen können, statt für alles eine eigene Anwendung öffnen zu müssen.

VPAs ersetzen mehrere verschiedene Apps

Als Multifunktionswerkzeug sind bei Nutzern in den USA und Großbritannien vor allem die VPAs Siri und Google Now gefragt. Ihre Hauptbeschäftigung: Auskunft zum Wetter zu geben (70 Prozent), spannende Orte in der Umgebung zu finden (44 %) und die wichtigsten Nachrichten zu liefern (44 %).

Die Sprachsteuerung und die einfache Bedienung, kombiniert mit der Vielseitigkeit, machten die Assistenten so attraktiv, schreibt Gartner. Entsprechend lautet die Empfehlung von Ekholm für Marken und App-Anbieter, Serviceangebote und Erlebniswelten in Kommunikationsplattformen so zu integrieren, dass kein weiterer App-Download erforderlich sei - das sei unerlässlich.

Messaging wird weitere Funktionen übernehmen

Auf den Smartphones sind die Messenger-Apps Facebook Messenger (81 Prozent) und Whatsapp (61 Prozent) die meistgenutzten in den USA und England. (In Deutschland nutzen laut Bitkom-Studie vom Juli 2016 rund 63 Prozent der Onliner Whatsapp). In China dominiert We Chat (95 %). Hier wie dort gilt: Nicht nur viele Menschen nutzen sie, sondern Menschen nutzen sie sehr viel. Mindestens einmal am Tag werde die Messenger-App geöffnet, sagten 72 Prozent der Befragten.

Parallel dazu entwickeln sich die Möglichkeiten und Services, die sich per Messenger einsetzen lassen. Vorreiter ist Asien, was mit ein Grund für die dortige hohe Nutzungsrate ist. Jessica Ekholm von Gartner rechnet damit, dass die Funktionen betreffend user-generated Videos, Dialog mit Kundenservicestellen, E-Commerce-Angebote aus der App heraus hinzukommen beziehungsweise optimiert werden. Eine Rolle dabei spielten Bots.

Wenn Unternehmen Bots besser in Social-Plattformen integrieren, ersparen sie den Nutzern gegebenenfalls den Einsatz zusätzlicher Apps. Das werde Arbeitsabläufe vollkommen verändern. "Unternehmen können mithilfe von Chatbots die Kontaktmöglichkeiten zum Kunden verbessern, den Kundendienst unterstützen und so dierekt ihre Umsätze ankurbeln", sagt Ekholm. Eine repräsentative Umfrage des Branchenverbands Bitkom zum Jahresbeginn hat ergeben, dass sich jeder vierte Bundesburger vorstellen kann, Chatbots zu nutzen. Aber: 47 Prozent halten sie für uninteressant, weil die Technik noch nicht ausgereift sei.

Aktuell nutzen laut Bitkom 54 Millionen Deutsche ab 14 Jahren ein Smartphone (78 Prozent). Das sind mehr als doppelt so viele wie noch vor fünf Jahren.

Für die Gartner-Studie wurden von August bis Oktober 2016  in den USA, Großbritannien und China jeweils 1000 Verbraucher befragt.

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