Payleven | | von Uli Busch

Mobile Payment: Die Kartenzahlung als Verbündete

Kaum ein anderes Thema im sich rasant entwickelnden deutschen Mobilmarkt erfährt zurzeit so viel Aufmerksamkeit wie Mobile Payment. Die Euphorie sei begründet, meint Gastautor Konstantin Wolff, Gründer und Chief Marketing Officer von Payleven, denn das Thema habe großes Potenzial:

Nach meinem Vortrag bei der diesjährigen Next-Konferenz in Berlin meldete sich ein Herr aus dem Publikum zu Wort und meinte, dass er die Finanzbranche schon seit Jahrzehnten verfolge und vergeblich auf wegweisende Innovationen warte. "Kann Mobile-Payment endlich die versprochene Innovation sein?", fragte er schließlich. Die Antwort ist ein klares "Ja", denn wir reden hier nicht nur über neue Technologien im Zahlungsverkehr, sondern vielmehr über eine Revolutionierung der Finanzbranche und aller zugehörigen Dienstleistungen.

Technologie spielt dennoch eine grundlegende Rolle, denn um eine Revolution durchzuführen, braucht man vor allem eines: einen breiten Rückhalt in der Bevölkerung, in unserem Fall also die Bereitschaft zur Nutzung seitens der zahlenden Konsumenten in Deutschland. Diskutiert werden momentan diverse
Optionen wie Near-Field-Communication (NFC) oder QR-Codes; beides Möglichkeiten für das sogenannte kontaktlose Zahlen. Während vor allem NFC in der Vergangenheit, auch aufgrund des gegebenen "Hightech-Faktors", schnell zum Medienliebling avancierte, kommt die Verbreitung nur schleppend voran. Das Marktforschungsunternehmen Gartner korrigierte seine Prognosen für NFC nach unten und sagt, gemessen am globalen Transaktionsvolumen von Mobile-Payment, lediglich ein Wachstum von zwei Prozent in 2013 auf fünf Prozent bis 2015 vorher. Das größte Problem der kontaktlosen Zahlung liegt aber darin, die Konsumenten zur Änderung ihres Kaufverhaltens zu bewegen. Natürlich hat NFC erhebliche Vorteile, wenn es um die zeitkritische Abwicklung kleiner Beträge geht. Dort aber, wo diese Kriterien nicht erfüllt sind, wird es noch dauern, bis der Kunde statt Geldbörse das Handy zückt.

Eine weitere Hürde ist, dass entsprechende Lösungen erst durch die Händler adaptiert werden müssen. Dennoch ist es möglich, Mobile-Payment schon
jetzt auf die Straße zu bringen. Und der beste Verbündete dafür ist eine alte Bekannte: die Kartenzahlung. Obwohl ihr Image bereits etwas angestaubt erscheint, steckt die Karte voller Potenzial. Der Umgang ist seit Jahrzehnten gelernt und wird seitens der Konsumenten immer stärker nachgefragt. Allein in Deutschland wird das Transaktionsvolumen von Kartenzahlung laut der Boston Consulting Group bis 2015 ausgehend von 2006 um 90 Prozent auf 290 Milliarden Euro wachsen. Überraschenderweise ist die Verbreitung aber auch hier nach wie vor ein Problem, vor allem auf der Händlerseite:
Man geht in Deutschland von aktuell 600.000 Terminals aus, die sich vornehmlich in Handelsketten, bei Tankstellen oder großen Hotels und Gastronomiebetrieben be finden. Stellt man dieser Zahl die Summe von circa zwei Millionen vor allem kleinen und mittelständischen Händlern entgegen, ist es nicht untertrieben, von einer dürftigen Abdeckung zu sprechen und gleichzeitig von einem unglaublichen Marktpotenzial, das bisher kaum Beachtung fand. 81 Prozent der deutschen Unternehmen sind Kleinunternehmen mit unter zehn Mitarbeitern. Aber kleine Händler blieben beim Thema Kartenzahlung bisher unberücksichtigt, was vor allem an aufwendigen Aufnahmeprozessen, hohen Fixkosten sowie intransparenten Kostenmodellen und
langen Vertragsbindungen seitens der traditionellen Kartenterminals liegt.

Dieses Szenario, die Demokratisierung der Kartenzahlung mit dem Ziel einer fächendeckenden Verbreitung, ist der Eintrittspunkt für vielfältige digitale Dienstleistungen, die sich an die Masse der deutschen Unternehmen richten. Neue Spieler im Markt haben jetzt die Chance, schneller zu agieren als alteingesessene Finanzdienstleiter und den Markt durch flexible wie dynamische Lösungen weit über das Thema Zahlung hinaus umzukrempeln und dauerhaft zu prägen. Auch NFC und QR-Codes können hier ihren Platz finden, wenn sie clever integriert werden.

Mehr zu den Chancen von NFC und QR-Codes lesen Sie in der aktuellen LEAD digital (17/2013) mit dem gesamten Gastbeitrag Konstantin Wolff. Hier geht es zum Abo.

Mobile Payment: Die Kartenzahlung als Verbündete

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